Krise Nokia macht Bochum-Ersatz in Rumänien dicht

Das war ein kurzes Gastspiel: Nokia legt sein Werk im rumänische Cluj schon wieder still. 2200 Rumänen verlieren ihren Job. Das neue Werk hatte vor drei Jahren die bis dahin profitable Nokia-Fertigung in Bochum ersetzt - und den Finnen schlug in Deutschland ein nie gesehener Proteststurm entgegen.
Protest vor dem ehemaligen Nokia-Werk in Bochum (16.01.2008): Trotz Profitabilität geschlossen und in Rumänien zu niedrigeren Lohnkosten neu hochgezogen

Protest vor dem ehemaligen Nokia-Werk in Bochum (16.01.2008): Trotz Profitabilität geschlossen und in Rumänien zu niedrigeren Lohnkosten neu hochgezogen

Foto: DPA

Helsinki - Der angeschlagene finnische Mobiltelefonhersteller Nokia setzt seinen drastischen Sparkurs fort und streicht insgesamt weitere 3500 Arbeitsplätzen. Besonders hart trifft der Stellenabbau das Handy-Werk im rumänischen Cluj, das erst vor gut drei Jahren aus dem Boden gestampft wurde, um die Nokia-Fertigung in Bochum zu ersetzen. Das Werk soll schon zum Jahresende die Tore schließen, wie der Konzern am Donnerstag mitteilte. Damit verlieren allein in Rumänien rund 2200 Mitarbeiter ihre Stellen.

Die Schließung des Bochumer Werkes zugunsten der Fabrik im Billiglohnland Rumänien hatte in Deutschland vor gut drei Jahren für einen Aufschrei der Empörung gesorgt - nicht zuletzt weil Nokia  beim Bau der deutsche Produktionsstätte erhebliche Subventionen erhalten hatte. Der damalige Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) hatte dem Nokia-Management "Karawanen-Kapitalismus" vorgeworfen. Rund 2.300 Bochumer Beschäftigte verloren trotz heftiger Proteste ihren Job.

Nokia war mit seinem Werk in Bochum der letzte verbliebene Handy-Hersteller in Deutschland. Der Standort sei nicht mehr wettbewerbsfähig, begründete damals Konzernvorstand Veli Sundbäck den harten Einschnitt. Die Arbeitskosten in Bochum seien fast zehnmal so hoch wie im neuesten Nokia-Werk in Rumänien.

Zwtl.: Elop: Einschnitte sind "schmerzhaft, aber notwendig"

Doch auch bei der neuen Sparrunde von Nokia bleiben die deutschen Beschäftigten nicht verschont. Denn im Zuge der Umstrukturierung sollen außerdem weltweit rund 1.300 Stellen in der Produktentwicklung gestrichen werden. Unter anderem soll dabei auch der Nokia-Standort in Bonn geschlossen werden.

Der finnische Handy-Hersteller, der zuletzt massiv Marktanteile an andere Hersteller wie Apple oder Samsung verlor, kämpft zurzeit mit massiven Schwierigkeiten. Konzernchef Stephen Elop hat Nokia deshalb ein Eine-Milliarde-Euro-Sparprogramm verordnet.

Bereits im April hatte er angekündigt, sich von rund 7.000 Mitarbeitern und damit von mehr als einem Zehntel der Belegschaft zu trennen. Der neue Stellenabbau kommt nun noch obenauf. Und es dürfte noch nicht das letzte Wort im Schrumpfungsprozess des Mobilfunkkonzerns sein. Denn das Unternehmen kündigte gleichzeitig an, es werde die langfristigen Perspektiven seiner Fertigungsstätten im finnischen Salo, im ungarischen Komarom und im mexikanischen Reynosa auf den Prüfstand stellen. Dies könne 2012 zu weiteren Personalmaßnahmen führen, erklärte das Unternehmen.

Der nach Volumen weltweit nach wie vor größte Handy-Hersteller will die Fertigung künftig verstärkt auf seine großen Produktionsstätten in Asien konzentrieren. Elop betonte, die geplanten Veränderungen machten Nokia zu einem dynamischeren und effizienteren Wettbewerber. Die Einschnitte beim Personal seien "schmerzhaft, aber notwendig".

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