Dienstag, 18. Februar 2020

Hewlett-Packard Léo Apotheker angeblich vor dem Rauswurf

Bald ohne Job? Léo Apotheker steht bei HP angeblich auf der Abschussliste

Noch kein Jahr im Amt und schon wieder auf der Kippe: Berichten zufolge will sich der US-Computerbauer Hewlett-Packard von seinem Chef Léo Apotheker trennen. Der Geschasste dürfte auf eine beträchtliche Abfindung hoffen - und eine Nachfolgelösung hat HP offenbar schon in der Schublade.

New York - Die Zeit für den aus Deutschland stammenden Léo Apotheker auf seinem Posten als HP-Chef scheint abgelaufen. Der Verwaltungsrat erwägt nach übereinstimmenden US-Medienberichten, den Spitzenmanager vor die Tür zu setzen. Und es soll auch schon einen aussichtsreichen Kandidaten für die Nachfolge geben: die ehemalige Ebay-Chefin Meg Whitman.

Noch sei der Personalwechsel keine ausgemachte Sache, schrieb das gewöhnlich gut informierte Technologieblog "All Things Digital" am Mittwoch. "Doch eine starke Fraktion im Verwaltungsrat ist begierig darauf, Apotheker zu entfernen." Die Kontrolleure werfen dem ehemaligen SAP-Chef demnach eine Reihe an Managementfehlern vor.

Auch die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete unter Berufung auf eingeweihte Personen von der Revolte - und löste damit ein Freudengeheul unter den Aktionären von Hewlett-Packard (HP) Börsen-Chart zeigen aus. Der Kurs sprang an der New Yorker Börse bis zum gestrigen Mittag (Ortszeit) um 7 Prozent hoch. Die Beteiligten selbst äußerten sich zunächst nicht.

Apotheker hatte am 1. November vergangenen Jahres das Ruder bei HP übernommen, nachdem sein populärer Vorgänger Mark Hurd wegen einer undurchsichtigen Affäre mit einer externen Mitarbeiterin gehen musste. Er arbeitet jetzt für den Softwarekonzern Oracle Börsen-Chart zeigen.

Apotheker will HP mehr in Richtung Dienstleistungen und Software ausrichten und erwägt sogar, das Kerngeschäft mit PC abzuspalten. Die Umbaupläne kommen aber weder innerhalb des Unternehmens noch bei den Aktionären gut an. Erschwerend kommt eine allgemeine Abschwächung der Computerverkäufe hinzu. Der Kurs dümpelt nahe eines Fünf-Jahres-Tiefs vor sich hin.

Sollte Apotheker tatsächlich gehen müssen, wäre das schon der zweite Tiefschlag in Folge. Bei SAP Börsen-Chart zeigen hatte er den Chefposten nach Differenzen mit Gründer Hasso Plattner räumen müssen. Mitarbeiter des Unternehmenssoftware-Spezialisten aus Walldorf sagen Apotheker einen schroffen Führungsstil nach.

Immerhin: Einem Zeitungsbericht zufolge kann Apotheker im Falle eines Rausschmisses bei HP mit einer Millionensumme rechnen. Nach Berechnungen des "Wall Street Journal" (Donnerstag) kommen für die elf Monate, die Apotheker an der Spitze steht, mehr als 35 Millionen US-Dollar zusammen. Laut dem im September 2010 geschlossenen Vertrag steht ihm eine Abfindung von 7,2 Millionen Dollar zu. Hinzu kämen Aktien, die mit rund 18,8 Millionen Dollar bewertet werden. Darüber hinaus habe Apotheker bereits fast zehn Millionen Dollar erhalten, seit er im November 2010 seinen Job antrat. Das Unternehmen wollte die Berechnungen der Zeitung nicht kommentieren.

cr/dpa-afx

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