Softwarekonzerne SAP profitiert von Oracles Gewinnsprung

Der US-Softwareanbieter Oracle macht trotz schlechter Konjunktur gute Geschäfte. Die forsche Einkaufstour von Konzernchef Larry Ellison zahlt sich aus, im ersten Quartal legte der Gewinn um satte 36 Prozent zu. Davon profitiert auch der deutsche Konkurrent SAP.
Konzernzentralen von Oracle und SAP: Die guten Zahlen von Oracle beflügeln die SAP-Aktie

Konzernzentralen von Oracle und SAP: Die guten Zahlen von Oracle beflügeln die SAP-Aktie

Foto: Getty Images / dapd

Redwood Shores - Der US-Konzern Oracle verdient trotz Finanzkrise und schwacher Konjunktur prächtig. Das große Geld kommt aus dem angestammten Softwaregeschäft, in dem sich die Kalifornier mit der deutschen SAP beharken. Die von Sun Microsystems teuer zugekaufte Firmenrechnersparte lag dagegen im ersten Geschäftsquartal abermals hinter dem Vorjahreszeitraum.

Vor allem Einstiegscomputersysteme hätten sich schlechter verkauft, sagte Oracle-Präsident Mark Hurd. Der Konzern will sich deshalb auf hochwertige sogenannte Server konzentrieren und demnächst eine ganze Reihe neuer Modelle einführen. In diesem Feld konkurriert Oracle  vor allem mit IBM .

Die positive Bilanz von Oracle verhalf den Aktien des Konkurrenten SAP  entgegen dem Markttrend zu einem deutlichen Plus. Die Papiere des größten deutschen Softwarekonzerns legten an der Dax-Spitze um 2,14 Prozent auf 38,15 Euro zu.

Gewinn um 36 Prozent gestiegen

Oracle ist die Nummer eins bei Datenbanksoftware, dringt durch Zukäufe aber immer stärker in neue Geschäftsfelder vor. Neben so bekannten Softwarefirmen wie Siebel oder Peoplesoft verleibte sich Oracle für 7,4 Milliarden Dollar auch den Serverspezialisten Sun Microsystems ein und betrat damit Neuland. Bei der Hardware herrscht ein besonders starker Konkurrenzdruck.

Konzernchef Larry Ellison scheut bei seinem Vormarsch keinen Konflikt. Er eckt vor allem mit seinen markigen Sprüchen über seine Wettbewerber des öfteren an. Zu seinen Lieblingsgegnern zählt seit jeher SAP. Ellison hat sich in jüngerer Vergangenheit aber auch den Computerprimus Hewlett-Packard (HP)  sowie den Internetkonzern Google  zum Feind gemacht.

Die Zahlen sprechen für Ellisons kompromisslose Linie: Der Gewinn von Juni bis August stieg um satte 36 Prozent auf unter dem Strich 1,8 Milliarden Dollar (1,3 Milliarden Euro). Der Gewinnsprung gelang auch durch Einsparungen. Der Umsatz legte im gleichen Zeitraum um 12 Prozent auf 8,4 Milliarden Dollar zu. Die Aktie lag nachbörslich leicht im Plus.

Deutlich mehr Neuabschlüsse bei Softwarelizenzen

Oracle konnte zahlreiche neue Softwarelizenzen verkaufen - was wichtig für das künftige Geschäft mit Updates oder Wartungsverträgen ist. Die Neuabschlüsse stiegen um 17 Prozent. Dagegen büßte das Hardwaregeschäft um 1 Prozent ein.

Idee der Sun-Übernahme war es, Pakete aus Software und Hardware anzubieten. Dadurch wurden aus einstigen Partnern wie HP aber plötzlich Konkurrenten. Nun müssen aber auch die Käufer von HP-Servern befürchten, dass Oracle künftig ihre Hardware bei der Datenbank-Weiterentwicklung nicht mehr angemessen unterstützt.

Mit der Sun-Übernahme verleibte sich Oracle zudem die Rechte an der Softwaretechnologie Java - darin liegt der Grund für den Streit mit Google. Oracle wirft Google vor, in seinem Handy-Betriebssystem Android unrechtmäßig Java zu nutzen und will Milliarden als Entschädigung. Android ist die meistgenutzte Smartphoneplattform, steht aber im Visier diverser Patentklagen.

Die Lage im Streit zwischen Oracle und Google ist derart verfahren, dass ein Richter Larry Ellison und Google-Chef Larry Page persönlich vor Gericht zitierte. Ein erstes Schlichtungsgespräch am Montag verlief aber ohne sichtbares Ergebnis, nun sollen die beiden Larrys an diesem Mittwoch weiterverhandeln.

mg/dpa

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