Anastassia Lauterbach Qualcomm holt Ex-Topmanagerin der Telekom

Anastasia Lauterbach half einst, die Frauenquote im Topmanagement der Deutschen Telekom zu heben. Dann wurde sie vom neuen Telekom-Vorstand Edward Kozel geschasst. Jetzt soll sie das Europageschäft des US-Konzern Qualcomm führen.
Von Kristian Klooß
Sie hat wieder gut lachen: Anastassia Lauterbach verantwortet seit September das Europageschäft des US-Telekommunikationsausrüsters Qualcomm

Sie hat wieder gut lachen: Anastassia Lauterbach verantwortet seit September das Europageschäft des US-Telekommunikationsausrüsters Qualcomm

Foto: Deutsche Telekom

Hamburg - Die einstige Telekom-Topmanagerin Anastassia Lauterbach wird Chefin des Europageschäfts des amerikanischen Telekommunikationsausrüsters Qualcomm. Der in San Diego ansässige Konzern gehört zu den weltweiten Marktführern für drahtlose Kommunikationstechnik. Im vergangenen Jahr erwirtschafteten die Kalifornier einen Umsatz von rund 11 Milliarden Dollar (8 Milliarden Euro).

Lauterbach, die in Bonn im Fach Psychologie ihren Doktortitel erwarb, spricht nicht nur perfekt Deutsch und Russisch, sondern auch Englisch, Französisch und Serbisch. Dies dürfte maßgeblich zu Ihrer Ernennung beigetragen haben. Denn eine Ihrer wichtigsten Aufgaben wird sein, Qualcomm  in den osteuropäischen Märkten voranzubringen.

Als Senior Vice President of Global Business Operations Europe wird Lauterbach künftig für alle Aktivitäten und Geschäftsinteressen von Qualcomm in Europa sowie für die Wachstumsstrategie in Osteuropa verantwortlich sein. Lauterbach berichtet an Jing Wang, Executive Vice President and President Global Business Operations.

Erste Top-Personalie nach Verkündung der Frauenquote

"Europa bleibt ein Wachstumsmarkt für mobiles Breitband mit unzähligen Möglichkeiten für Qualcomm in Osteuropa", sagt Wang. "Anastassias Erfahrung und Führungsstärke sind von unschätzbarem Wert, um unsere mobile Breitbandtechnologie in Osteuropa und dem Rest des Kontinents zu verbreiten."

Qualcomms bisherige Nummer eins in Europa, Enrico Salvatori, ist weiterhin für den Bereich QCT (Qualcomm Chipset Technologies) in Europa zuständig.

Bekannt wurde Lauterbach im vergangenen Jahr als aufstrebende Topmanagerin bei der Deutschen Telekom AG . Der Bonner Konzern hatte sich zuvor als erstes im Dax notiertes Unternehmen eine Frauenquote verpasst. Bis 2015 sollen demnach 30 Prozent der Führungskräfte weiblich sein.

Und die damals 37-Jährige stieg als erste Frau nach Verkündung der Frauenquote durch Telekom-Chef René Obermann - als zweite insgesamt - ins "Business Leader Team" der Deutschen Telekom auf. Qua Fähigkeit und Lebenslauf - darunter Stationen bei der Münchener Rück  , Daimler  und McKinsey - galt Lauterbach als erste Top-Führungskraft, die den männerdominierten Führungszirkel des Bonner Konzerns aufbrechen sollte.

Der neue Chef brachte den Karriereknick

Und das umso mehr, als sie nach dem Abgang des bisherigen Chief Technology Officers Hamid Akhavan im Februar 2010 dessen Posten als Produkt- und Innovationschefin kommissarisch übernommen hatte. Schließlich galt sie sogar als Kandidatin für die langfristige Nachfolge Akhavans.

Dann jedoch kam alles anders. Im Mai 2010 trat der neue Technik- und Innovationsvorstand der Telekom, der ehemalige Cisco-Vorstand Edward Kozel, sein Amt an. Die Auffassungen des als eher ruhiger Teamplayer auftretenden, technikgetriebenen US-Amerikaners mit der als dominante Analytikerin geltenden gebürtigen Russin passten nicht zusammen. Die Konsequenz: Kozel versetzte die Kollegin und machte sie zur Chefin der Telekom-Beteiligungsgesellschaft T-Venture. Neuer Innovationschef ist seit November 2010 der gelernte Ingenieur Thomas Kiessling.

In ihrer neuen Position war Lauterbach für strategische Partnerschaften und die Integration von Übernahmeobjekten verantwortlich. Doch hielt es die junge Managerin auf dem neuen Posten nicht einmal ein Jahr lang. Zum März dieses Jahres schied sie bei der Deutschen Telekom aus, um sich neuen Aufgaben zu widmen.

Bis zum Qualcomm-Deal teilte sie dieses Schicksal im Übrigen mit einigen anderen hoch gehandelten Top-Managerinnen - deren Schicksal das Bekenntnis vieler Konzerne zur Frauenquote zuletzt zumindest in Frage gestellt haben. So legte erst im Juli Angelika Dammann, Personalchefin beim Softwarekonzern SAP , nach weniger als einem Jahr und einer Dienstjet-Affäre den Posten hin. Beim Sportartikler Puma  traf es die einstige Nummer zwei im Konzern, Markenchefin Melody Harris-Jensbach. Man habe sich "einvernehmlich über ihr Ausscheiden geeinigt" hieß es Ende Juli dieses Jahres.

Dass es indes auch andersherum geht, zeigte im selben Monat ausgerechnet die Deutsche Telekom . Die Bonner beriefen gleich zwei Frauen in den Vorstand. Für das Ressort Europa ist künftig die ehemalige McKinsey-Beraterin Claudia Nemat (42) verantwortlich. Die Aufgabe der Arbeitsdirektorin übernimmt die ehemalige Kultusministerin Baden-Württembergs, Marion Schick (52).

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