Mittwoch, 8. April 2020

Zuckerberg zögert Facebook-Börsengang wackelt

Facebook-Logo: Dem Onlinenetzwerk wird ein Unternehmenswert von 100 Milliarden Dollar zugetraut

Facebook hat seinen für Anfang 2012 erwarteten Börsengang noch gar nicht offiziell angekündigt - doch schon jetzt gibt es widersprüchliche Berichte, ob er auf Ende des nächsten Jahres verschoben wird. Zudem sorgt das weltgrößte Onlinenetzwerk mit einem Schlag gegen Google und Twitter für Aufsehen.

San Francisco - Erst berichtete die "Financial Times", das weltgrößte Onlinenetzwerk wolle erst im Herbst 2012 an die Börse gehen. Anschließend hieß es bei der "New York Times" ebenfalls unter Berufung auf informierte Kreise, Facebook bleibe auf Kurs für einen Börsengang im ersten Halbjahr 2012.

Das Interesse für den Facebook-Börsengang ist schon seit Monaten riesig. Dem Onlinenetzwerk wird ein Unternehmenswert von 100 Milliarden Dollar zugetraut. Berechnet man den Wert heute anhand von auf dem Zweitmarkt gehandelten Mitarbeiteraktien, würde er bei 60 bis 70 Milliarden Dollar liegen.

Facebook hatte seinen Börsengang zwar nie offiziell auf einen bestimmten Termin angesetzt. Er wurde bisher aber allgemein für die erste Hälfte 2012 erwartet, auch weil das weltgrößte Onlinenetzwerk bei der Zahl der Anteilseigner auf eine Größenordnung zusteuert, die ein US-Unternehmen zur Offenlegung seiner Zahlen verpflichtet. Jetzt schrieb die "Financial Times", Gründer und Chef Mark Zuckerberg wolle bis September kommenden Jahres warten, damit sich die Mitarbeiter länger auf die Produktentwicklung statt auf den Aktienhandel konzentrierten. Es sei keine Reaktion auf die aktuelle Börsenschwäche.

Zuckerberg war schon immer abgeneigt, die Kontrolle über sein Unternehmen zu teilen. Er schlug bereits in den Anfangsjahren Milliarden-Kaufangebote aus und hielt sich bisher auch mit einem Börsengang zurück, weil Facebook jetzt mehr Spielraum hat. Allerdings ist absehbar, dass die amerikanischen Unternehmensregeln die Firma am Ende an die Börse zwingen.

Rückschlag für Twitter und Google+

Derzeit hat Zuckerberg bei allem noch freie Hand. So kann er in kürzester Zeit auch auf neue Funktionen seiner Konkurrenten reagieren. Am Mittwoch kündigte Facebook an, dass ab sofort Einträge von einem Nutzer abonniert werden können, ohne dass man mit diesem befreundet sein muss - das ist das Prinzip des Kurznachrichtendienstes Twitter.

Damit könne man jetzt zum Beispiel besser Neuigkeiten von Künstlern oder Politikern verfolgen, erläuterte Facebook in einem Blogeintrag. Bei Facebook kann man im Gegensatz zu Twitter auch auswählen, ob man alle Einträge eines Nutzers angezeigt bekommen möchte oder nur die wichtigsten.

Facebook hat mit der Vorstellung des Dienstes schon zum zweiten Mal in dieser Woche seinen Konkurrenten gezeigt, wie leicht es deren Kernfunktionen weiterentwickeln kann. Erst am Dienstag hatte Facebook den Vorstoß des neuen Rivalen Google+ mit der Möglichkeit gekontert, seine Freunde besser zu sortieren. Und setzt dabei ebenfalls noch eins drauf: Bei Facebook sollen die Listen mit Namen von Arbeitskollegen, Familienmitgliedern oder Mitschülern automatisch erstellt werden, ausgehend von Angaben, die sie bei Facebook gemacht haben. Damit zielt Facebook auf die Kernbotschaft des Google-Netzwerks, das sich zum Start genau damit abheben wollte, den Nutzern mehr Kontrolle darüber zu geben, wer ihre Einträge sieht.

mg/dpa-afx

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