EC-Karten Easycash wollte vertrauliche Daten verkaufen

Die Versuchung ist offenbar groß. Erneut soll der EC-Karten-Netzbetreiber Millionen Kundenprofile zum Kauf angeboten haben. Dabei hat das die Firma erst kürzlich ein hohes Bußgeld wegen unerlaubter Datenweitergabe zahlen müssen.
Gläserner Kunde: Easycash verfügt über Millionen Kundendaten aus dem EC-Zahlungsverkehr. Mit ihrer Weitergabe kann man viel Geld verdienen, es ist jedoch verboten

Gläserner Kunde: Easycash verfügt über Millionen Kundendaten aus dem EC-Zahlungsverkehr. Mit ihrer Weitergabe kann man viel Geld verdienen, es ist jedoch verboten

Foto: DDP

Ratingen/Düsseldorf - Der EC-Karten-Netzbetreiber Easycash soll einem NDR-Bericht zufolge Risikoprofile von Millionen Verbrauchern zum Kauf angeboten haben. Easycash habe geplant, Erkenntnisse über die Zahlungsfähigkeit von Kontoinhabern Dritten zur Verfügung zu stellen, berichtete der Sender NDR info am Mittwoch.

Easycash war bereits im vergangenen Jahr in die Schlagzeilen geraten. Berichten zufolge sollte es den Abgleich von Kontonummern, die beim Einsatz von EC-Karten in Supermärkten oder Tankstellen gespeichert wurden, mit den Daten von Kunden- und Rabattkarten an.

Das Ratinger Unternehmen selbst sprach im aktuellen Fall in einer Mitteilung von einem im Jahr 2009 begonnen Pilotprojekt, dessen Vermarktung man im Mai 2010 eingestellt habe: "Die Unternehmen, die diese Daten empfangen haben, wurden von Easycash vertraglich verpflichtet, jeden einzelnen Kunden über die Datennutzung zu informieren", betonte Easycash-Geschäftsführer Christoph Pfeifer. Deshalb habe keine Nutzung von EC-Karten-Daten ohne Wissen des jeweiligen Kunden geschehen können. Das Ratinger Unternehmen Easycash ist der größte Dienstleister für den bargeldlosen Zahlungsverkehr in Deutschland.

NDR Info berichtete zum Hintergrund, Easycash habe nach Strategien zur Ausweitung seines Geschäfts gesucht. In einer Unternehmenspräsentation seien als potenzielle Kunden der Daten unter anderem Inkassounternehmen, Versandhandel, Versicherungen und Telekomfirmen genannt worden. Geworben habe das Unternehmen mit einer Datensammlung von "50 Millionen bekannten Bankverbindungen".

Bereits 60.000 Euro Bußgeld verhängt

Eine Sprecherin des nordrhein-westfälischen Datenschutzbeauftragten bezeichnete ein solches Vorhaben als "schlicht unzulässig". Beim NRW-Datenschutzbeauftragten war demnach bereits vor geraumer Zeit eine Meldung eingegangen, wonach Easycash geplant hatte, künftig auch als Auskunftei tätig zu werden. Daten aus dem Zahlungsverkehr unmittelbar für Bonitätsauskünfte zu verwenden, sei jedoch nicht erlaubt, betonte Behördensprecherin Bettina Gayk.

Offenbar hätten die potenziellen Kunden die Fragwürdigkeit des Geschäftsmodells erkannt: "Wir konnten nicht nachweisen, dass Easycash das in die Tat umgesetzt hat", sagte Gayk. Der NRW-Datenschutzbeauftragte hatte wegen unerlaubter Datenweitergabe erst vor wenigen Tagen 60.000 Euro Bußgeld gegen Easycash verhängt.

Easycash betonte in seiner Mitteilung, man habe das Pilotprojekt unter strikter Beachtung der Vorgaben des Datenschutzgesetzes konzipiert und dem NRW-Datenschutzbeauftragten "ordnungsgemäß angezeigt". Nachfragen dieser Behörde habe Easycash "abschließend Beantwortet".

Behördensprecherin Gayk räumte auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa ein, dass die Meldung in einer Abteilung eingegangen sei, die bislang nicht mit Easycash befasst gewesen sei. Deswegen sei nicht sofort aufgefallen, dass Daten unmittelbar aus dem Zahlungsverkehr genutzt werden sollten. Es sei dem Unternehmen aber keineswegs ein Freibrief erteilt worden.

rei/dpa
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