Sonntag, 26. Januar 2020

Streit mit Apple Samsung nimmt Tablet-PC vom Messestand

Der iPad-Streit mit Apple beschert Samsung den nächsten Rückschlag: Mitten vor Augen von Messebesuchern haben die Südkoreaner ihren neuen Tablet-Computer Galaxy Tab 7.7 vom IFA-Stand entfernt.

Berlin - Der Ideenklau-Streit mit Apple verfolgt Samsung bis auf die Internationale Funkausstellung (IFA). Der südkoreanische Konzern entfernte seinen Tablet-Computer Galaxy Tab 7.7 vom Stand auf der weltgrößten Elektronikmesse. "Wir haben das Produkt abgebaut, um die Besucher nicht zu verwirren", sagte eine Samsung-Sprecherin. Wegen des Konflikts mit Apple wurden die Tablets seit Beginn der IFA am Freitag bereits mit dem Aufkleber "Nicht zum Verkauf in Deutschland" ausgestellt. Samsung entfernte sie Samstagmittag mitten im Messetrubel.

Das Magazin "Chip" berichtete, Auslöser für die Aktion sei ein neuer Brief von Apple Börsen-Chart zeigen gewesen. Die Samsung-Sprecherin wollte dazu unter Hinweis auf ein laufendes Verfahren keine Stellung nehmen. Das US-Blog "The Droid Guy" bekam allerdings von der amerikanischen Samsung-Tochter eine Erklärung, in der es hieß: "Samsung respektiert die Entscheidung des Landgerichts Düsseldorf vom 2. September und hat sich deshalb entschlossen, das Galaxy Tab 7.7 nicht mehr auf der IFA auszustellen."

Apple hatte gegen das Samsung-Tablet Galaxy Tab 10.1, eine Art "großen Bruder" des Modells 7.7, bereits Anfang August eine Einstweilige Verfügung vor dem Düsseldorfer Landgericht erwirkt. Am 9. September will das Gericht seine endgültige Entscheidung fällen. Apple wirft Samsung vor, mit den Tablets und Smartphones der Galaxy-Reihe das iPad und iPhone zu kopieren. Samsung konterte mit Patentvorwürfen. Der Streit läuft inzwischen in mehreren Ländern.

Ähnlichkeiten seien zu groß

Die Galaxy-Tab-Geräte haben unterschiedliche Größen - die Nummern stehen für die Bildschirmdiagonale in Zoll - aber ein ähnliches Aussehen. Apple macht in Düsseldorf geltend, die Samsung-Tablets verletzten ein sogenanntes Geschmacksmuster, mit dem sich der US-Konzern Design und äußeres Aussehen seiner Geräte schützen ließ. Alle Tablet-Computer hätten zwar Ähnlichkeiten - aber Samsungs Galaxy-Tabs seien einfach zu nahe dran, lautet die Argumentation.

Samsung will die Apple-Position nicht anerkennen und hatte eine Aufhebung der Einstweiligen Verfügung beantragt. Nach einer mündlichen Anhörung ließ das Gericht das Verkaufsverbot zunächst in Kraft. Auf die Bitte von Samsung, eine endgültige Entscheidung noch vor der IFA zu treffen, gingen die Richter nicht ein.

Der deutsche Patentexperte Florian Müller, der die Streitigkeiten in der Mobilfunkbranche verfolgt, hält es für möglich, dass Apple kurzfristig eine neue Einstweilige Verfügung in Düsseldorf erwirken konnte, nachdem Samsung das Galaxy Tab 7.7 auf der IFA ausgestellt hatte. Möglicherweise habe aber auch die äußere Ähnlichkeit des kleineren Geräts mit dem Galaxy Tab 10.1 eine Rolle gespielt.

sk/dpa-afx

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