Samstag, 30. Mai 2020

T-Mobile-Verkauf US-Regierung stoppt Telekom-Pläne

Regierung will Fusion verhindern: T-Mobile-Laden am New Yorker Times Square

Überraschender Rückschlag für Telekom-Chef René Obermann: Der 39 Milliarden Dollar schwere Verkauf der schwächelnden Tochter T-Mobile USA an AT&T gerät nach dem Einspruch der US-Regierung ins Wanken. Nun droht ein zäher Rechtsstreit.

Washington - Die Aufseher in Washington fürchten, dass der Wettbewerb auf dem Mobilfunkmarkt durch das Geschäft weiter zurückgehen würde und wollen die Fusion juristisch verhindern. Anleger zeigten sich entsetzt: Die Aktien des Bonner Konzerns Börsen-Chart zeigen verloren am Mittwoch 7,6 Prozent ihres Wertes. Aktien von AT&T Börsen-Chart zeigen schlossen um 3,9 Prozent niedriger.

US-Vizejustizminister James Cole reichte nach eigenen Aussagen Klage gegen die Fusion der Nummer zwei und vier auf dem Mobilfunkmarkt ein. Die Transaktion berge die Gefahr, dass Millionen Bürger im ganzen Land weniger Auswahl hätten und höhere Mobilfunkpreise zahlen müssten. Beide Konzerne zusammen buhlten auf mindestens 97 der 100 wichtigsten US-Mobilfunkmärkte um Kunden - nach dem geplanten Zusammengehen wäre es mit der Konkurrenz vorbei. "Derzeit gibt es vier bundesweite Mobilfunkfirmen mit zusammen 90 Prozent Marktanteil - den Wettbewerb zu erhalten ist elementar", sagte Cole.

Die Telekom und AT&T kündigten an, mit allen Mitteln gegen die Klage des Ministeriums kämpfen zu wollen. "Die Entscheidung des amerikanischen Department of Justice, Rechtsmittel im Rahmen des Genehmigungsprozesses für die Übernahme der T-Mobile USA durch AT&T einzulegen, bedeutet nicht das Aus für die geplante Transaktion", erklärte die Telekom. "Wir werden zusammen mit AT&T für die geplante Transaktion auch vor Gericht eintreten."

Der Rechtsstreit dürfte Monate dauern und Millionen von Dollar kosten. Mit dem Fall vertraute Kreise erklärten, die Klage der US-Regierung sei keine Taktik, um AT&T zu großen Zugeständnissen zu bewegen, sondern ziele darauf, die Fusion tatsächlich zu verhindern. Eine Person, die einem der beiden Unternehmen nahesteht, erklärte, AT&T und die Telekom könnten gezwungen sein, bis zu 25 Prozent der gemeinsamen Firma verkaufen, um die Fusion zu retten. Bislang sei der Anteil auf maximal 10 Prozent geschätzt worden.

Die Klage ist für die Telekom ein schwerer Schlag, da das Ministerium zusammen mit der Regulierungsbehörde FCC grünes Licht für den Deal geben muss. Die FCC erklärte, noch keine Entscheidung getroffen zu haben. Allerdings habe die FCC noch nie eine bedeutende Fusion genehmigt, die vom US-Justizministerium angefochten worden sei, erklärte die Behörde. Das endgültige Urteil soll nach früheren Angaben in der ersten Jahreshälfte 2012 fallen.

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