Mittwoch, 26. Juni 2019

SAP Allianz mit Google soll Wachstum treiben

SAP-Chefs McDermott (l) und Hagemann Snabe: Während Oracle und HP auf Übernahmen setzen, testen SAP und Google den Wert von Partnerschaften im Kampf der IT-Riesen

Europas größtes Softwarehaus SAP baut unbeirrt von wirtschaftlichen Turbulenzen sein Geschäft aus. Jetzt soll eine Kooperation mit dem Internetriesen Google den Walldorfern einen Vorsprung vor dem Erzrivalen Oracle und dem neuen Konkurrenten Hewlett-Packard verschaffen. Doch die Partnerschaft hat auch Risiken.

Hamburg - Während sich die Hiobsbotschaften zur Weltkonjunktur häufen und die Konkurrenz weiterhin in kostspielige Patentstreitigkeiten verwickelt ist, gibt man sich beim Walldorfer Softwareriesen SAP Börsen-Chart zeigen entspannt und optimistisch. Finanzvorstand Werner Brandt freut sich über ein starkes erstes Halbjahr 2011. Man sei gut aufgestellt, um die Ziele von mindestens 20 Milliarden Euro Umsatz und eine operative Marge von 35 Prozent bis zur Mitte des Jahrzehnts zu erreichen.

Vorstandssprecher Jim Hagemann Snabe sieht die Softwareschmiede in einer strategisch günstigen Position: Die Nachfrage nach SAP-Produkten steigt. Denn Unternehmen verlagern einen immer größeren Teil ihrer IT-Investitionen auf Software. Diesen Trend bekam auch Konkurrent Hewlett-Packard (HP) zu spüren. Die Marge im Geschäft mit Unternehmenssoftware war dort zuletzt mehr als drei Mal höher als in der PC-Sparte - von der sich der IT-Konzern nun trennen will.

Hewlett-Packard Börsen-Chart zeigen plant, sich jetzt auf Software und Dienstleistungen für Unternehmenskunden zu konzentrieren - und könnte damit neben Oracle Börsen-Chart zeigen und Microsoft Börsen-Chart zeigen ein weiterer ernst zu nehmender Konkurrent für SAP werden.

Der Markt für Businesssoftware ist hart umkämpft, und das nicht ohne Grund: Das Marktforschungsinstitut Gartner rechnet für 2011 mit einem weltweiten Umsatzzuwachs von 9,5 Prozent bei Unternehmenssoftware. Firmen würden demnach in diesem Jahr 267 Milliarden Dollar für Software ausgeben, davon 114,4 Milliarden Dollar für Anwendungssoftware. 2012 soll sich das Wachstum fortsetzen, der Umsatz dann 288 Milliarden Dollar betragen.

SAP wappnet sich derweil für den Kampf um Marktanteile auf dem Wachstumsmarkt - und macht dazu seine Businesssoftware fit für die immer beliebteren mobilen Endgeräte und für die Verarbeitung und Analyse großer Datenmengen.

SAP-Systeme verknüpft mit Google Maps und Google Earth

"Unternehmen in vielen Branchen, vom Handel über die Konsumgüterbranche bis hin zu den Banken, müssen im Alltagsgeschäft mit immer größeren Datenmengen umgehen", sagt Jason Rose, der bei SAP das Marketing für den Bereich der sogenannten Business-Intelligence-Anwendungen verantwortet. Informationen über Kunden, Aufträge, Produktion und Geschäftsentwicklung müssen aufbereitet und analysiert werden. "Gleichzeitig wollen die Mitarbeiter auf diese Daten auch von ihren mobilen Geräten wie Smartphones und Tablet-PCs zugreifen können."

In der Anpassung der SAP-Tools an diese Trends sieht er großes Wachstumspotenzial. "Businesssoftware muss in Zukunft ebenso leicht und komfortabel auf mobilen Geräten bedienbar sein wie Anwendersoftware für Privatkunden."

Deshalb setzt SAP für die Weiterentwicklung des eigenen Softwareangebots auf einen Partner, der sich mit großen Datenmengen und deren Aufbereitung bestens auskennt: den Internetriesen Google Börsen-Chart zeigen. SAP und Google führen Unternehmensdaten aus den SAP-Analysesystemen mit der Anwendersoftware Google Maps und Google Earth zusammen. "Immer mehr Informationen sind mit Geokoordinaten ausgestattet", sagt Rose. "Diese müssen für die Unternehmen nutzbar gemacht werden, damit sie sich zum Beispiel einen Überblick über regionale Trends verschaffen können."

So kann der Außendienstmitarbeiter beispielsweise auf seinem Smartphone Informationen über den jeweiligen Standort abrufen, sich mit interaktiven Karten einen Überblick über bestehende Kundenbeziehungen verschaffen. Durch die Integration des beliebten Kartendienstes und die Verschmelzung von klassischer Unternehmens- mit Anwendersoftware will SAP in den kommenden Jahren eine Milliarde Nutzer erreichen.

"Das Angebot von Google ist in vieler Hinsicht komplementär zu unseren Produkten", sagt Rose. "Das Potenzial für eine engere Zusammenarbeit und Synergieeffekte bei der Weiterentwicklung unserer Produkte ist daher groß."

Im Gegensatz zu Konkurrent Oracle Börsen-Chart zeigen setzt SAP eher auf Partnerschaften und organisches Wachstum als auf Übernahmen. "SAP wird ja seit Langem selbst als Übernahmekandidat gehandelt", sagt Thomas Becker, Analyst der Commerzbank. "Trotzdem besteht keine Notwendigkeit für SAP, jetzt schnell selbst zuzukaufen."

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