Gründer-Abgang Warum Jobs' Rückzug hilft

Steve Jobs' Rückzug ist eine Zäsur für Apple. Doch sein Nachfolger Tim Cook dürfte langfristig sogar besser für den Technologiekonzern sein.
Von Astrid Maier
Apple-Gründer Steve Jobs bei einer Präsentation: Sein Nachfolger Tim Cook hat einen ähnlichen Managementstil - ist aber emotional nicht so stark an Apple gebunden

Apple-Gründer Steve Jobs bei einer Präsentation: Sein Nachfolger Tim Cook hat einen ähnlichen Managementstil - ist aber emotional nicht so stark an Apple gebunden

Foto: Justin Sullivan/ Getty Images

Hamburg - Eine Legende zieht sich zurück: Der sagenhafte Aufstieg von Apple zum wertvollsten Technologiekonzern aller Zeiten ist unmittelbar mit der Persönlichkeit Steve Jobs' verbunden. Sein Charisma, seine Visionskraft, seine Bedingungslosigkeit und sein Perfektionismus haben das Unternehmen zum Kultkonzern geformt , dessen Erfolgsgeheimnis Scharen von Konkurrenten wie Wirtschaftsforscher zu ergründen suchen.

Jobs hat ganze Branchen umgewälzt mit iPod, iPhone, iPad - und der Konkurrenz damit gezeigt, wie bedienerfreundliche Technik auszusehen hat; ich schreibe diesen Kommentar übrigens auf meinem iPhone.

Keine Frage, der Rücktritt von Steve Jobs von der Führungsspitze ist eine Zäsur. Kann ohne Jobs sich das Schicksal von Apple aber nur zum Schlechten wenden, so wie es die Anleger mit ihren Aktienverkäufen bereits antizipieren ?

Mitnichten. So bedauernswert der Schritt ist, zumal er auf den schlechten Gesundheitszustand des erkrankten Jobs wohl zurückzuführen ist, so vorhersehbar war er. Das Unternehmen hat die Weichen längst gestellt, Tim Cook führt die Geschäfte seit Januar und hat dies auch schon in den Jahren zuvor getan, wenn Jobs' Krebserkrankung ihn daran hinderte.

Apple muss neue Schlachten bestehen

Unter Cook hat Apple Rekordumsätze und Rekordgewinne zuletzt in Folge verbucht, er hat bewiesen, dass er Apple lenken kann. Apple fängt jetzt also nicht bei Null an. Zudem lässt Jobs längst intern eine Art Lehrbuch erstellen, das seine wichtigsten Entscheidungen in der Vergangenheit als Leitfaden für die Zukunft dokumentiert. Sein Wissen wird konserviert.

Wichtiger aber ist: Apple hat den Zenit zudem bereits überschritten. Aus der Kultmarke ist eine Massenmarke geworden, wie die bevorstehende Einführung eines Billig-iPhones vor Augen führt. Die Margen werden langfristig schrumpfen, der Kult wird sich abkühlen. Kurz: Es ist nicht mehr viel Luft nach oben übrig für den teuersten Konzern der Welt. Konkurrenten wie Samsung und Google werden schließlich immer besser, Jobs' kompromissloser Managementstil hat viele seiner Geschäftspartner zuletzt vergrätzt.

In Zukunft wird Apple deswegen sich in neuen Schlachten behaupten müssen. Da kann ein Wechsel an der Spitze jetzt sogar von großer Hilfe sein. Cook dürfte eher bereit sein, den Konzern nach außen zu öffnen oder Partner enger an sich zu binden, Kompromisse einzugehen und rationale Entscheidungen zu treffen.

Zwar gilt auch er in seinem Management-Stil als ähnlich hart wie Jobs. Er ist aber nicht der Gründer. Die emotionale Bindung, das absolute Verknüpfen der eigenen Person an den Erfolg des Unternehmens wird beim ihm nicht so ausgeprägt sein wie bei Jobs. Langfristig dürfte das für Apple sogar besser sein. Und hoffentlich wird Jobs als Aufsichtratschef Cook noch lange Zeit zur Seite stehen können.

Apple: Das Ende des Appsolutismus

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