Neuer Chef Tim Cook übernimmt

Jahrelang stand Tim Cook im Schatten von Steve Jobs, des Apple-Gründers und Chef-Visionärs. Jetzt tritt der 50-jährige Cook ins Rampenlicht.
Von    
Neuer Apple-Frontmann Tim Cook: Übernimmt das derzeit weltweit wertvollste Unternehmen

Neuer Apple-Frontmann Tim Cook: Übernimmt das derzeit weltweit wertvollste Unternehmen

Foto: © Brendan McDermid / Reuters/ REUTERS

Cupertino/USA - Es ist der Beginn eines neuen Lebensabschnitts für Tim Cook. In Kürze wird er an der Spitze des derzeit wertvollsten Unternehmens der Welt stehen, nach vielen Jahren in der zweiten Reihe hinter Apple-Legende Steve Jobs. Dieser Erfolg dürfte ihm um so wichtiger sein, als seine Berufung zum neuen Apple-Chef offenbar nicht unstrittig gewesen ist.

Laut "Wall Street Journal" ("WSJ") haben sich einzelne Apple-Verwaltungsräte mit Personalvermittlern getroffen, um auszuloten, welcher Manager in Jobs' Fußstapfen treten könnte. In mindestens einem Fall sei auch der Chef eines namhaften anderen Technologiekonzerns angesprochen worden. Dennoch hatte sich Cook in dem US-Unternehmen über Jahre einen ausgesprochen guten Ruf erarbeitet.

Neben Jobs gilt der 50-Jährige als einer der wichtigsten Architekten des wirtschaftlichen Erfolgs des iPhone- und iPad- Herstellers. Als für das Tagesgeschäft zuständiger "Chief Operating Officer" hatte er dafür zu sorgen, dass nach der Umsetzung der kühnen Visionen am Ende des Tages schwarze Zahlen in den Büchern stehen. Das US-Magazin "Fortune" würdigte Cook als "das Genie hinter Steve".

Dass er sich im Rennen mit seinen offenbar vorhandenen externen Kandidaten um den Job als Apple-Lenker durchsetzen werde, hatte sich indes bei der Präsentation des - im Nachhinein - letzten Geschäftsberichts von Steve Jobs für das vergangene Quartal vor einigen Wochen angedeutet: Steve Jobs ließ Cook immerhin jene Zahlen vortragen, die der Apple-Aktie anschließend jene Substanz geben sollten, die sie gegen den allgemeinen Kursrutsch an der Börse weniger empfindlich machten, als beispielsweise die Anteilsscheine von Exxon - und Apple somit den Weg an dem Ölriesen vorbei an die Spitze der weltweit wertvollsten börsennotierten Unternehmen ebneten.

Öffentlichkeitsscheuer Workaholic

Über Tim Cook, Steve Jobs und Apples Nummer 2, ist einiges bekannt. Er wuchs als Sohn eines Werftarbeiters in der kleinen Gemeinde Robertsdale, Alabama, am Golf von Mexiko auf. In Alabama studierte er zunächst auch Wirtschaft an der Auburn University. 1988 sattelte er an der Duke University in North Carolina noch ein Maschinenbaustudium drauf.

Zu diesem Zeitpunkt hatte seine Karriere aber schon begonnen. Zwölf Jahre arbeitete er insgesamt bei IBM . Zuletzt war er dort verantwortlich für Produktion und Vertrieb von PCs in Nord- und Lateinamerika. Anschließend wechselte er zum US-amerikanischen Heimelektronikanbieters Intelligent Electronics. Ein weiterer Wechsel führte Cook zum Computerhersteller Compaq, wo er Vize-Präsident der Abteilung Materialbeschaffung war. Ein halbes Jahr später holte ihn Steve Jobs zu Apple nach Cupertino. Das war 1998.

Jobs verhalf dem fünf Jahre jüngeren Neuling zu einem schnellen Aufstieg. 1998 begann Cook zunächst als Vizepräsident für das weltweite operative Geschäft. Seit 2000 verantwortete er die Bereiche Verkauf, Service und Support. 2004 erhielt Cook zudem die Leitung für die Macintosh-Hardwaretechnik. Seit 2007 ist er als COO verantwortlich für das weltweite Verkaufsmanagement. Er koordiniert die Wertkette des Konzerns von der Herstellung bis zum Kundenservice - und griff hart durch:

Er schloss eigene Produktionswerke und setzte auf Auftragsfertiger. Er ließ die Lagerbestände von Monaten auf Tage schmelzen. Das half Apple, bei dem schnellen Modellwechsel in der Elektronik-Branche keine Auslaufgeräte als Altlasten herumliegen zu haben.

Öffentlichkeitsscheuer Workaholic

Ähnlich wie Jobs gilt Cook als öffentlichkeitsscheuer Workaholic, der auch mal E-Mails mitten in der Nacht verschickt - und oft ähnlich schwierig im Umgang ist. Cooks Management-Stil illustrierte "Fortune" mit folgender Anekdote aus den 90er Jahren. Apple-Manager um Cook beraten über ein Problem in Asien. "Das ist schlimm", sagt er. "Jemand sollte sich direkt in China darum kümmern." Eine halbe Stunde später blickt er einem der Anwesenden ins Gesicht und fragt: "Warum sind Sie eigentlich noch hier?".

Cook übernimmt Apple nun nicht zum ersten Mal. Im Januar 2009 beispielsweise übernahm der damalige Apple-Chief-Operating Officer die Vertretung des Firmengründers Jobs, der zu diesem Zeitpunkt - wie auch schon einmal im Jahr 2004 - krankheitsbedingt von Deck gehen musste. Und auch im Januar dieses Jahres lenkte Cook vorübergehend die Apple-Geschicke. Ab sofort darf er nun dauerhaft ran.

kst/dpa/rtr
Mehr lesen über Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.