Dienstag, 18. Februar 2020

Unternehmensumbau HP-Chef Apotheker verschreckt seine Anleger

Branchen-Urgestein: HP plant eine radikale Strategiewende

Das Computer-Urgestein Hewlett-Packard steht vor dem radikalsten Wandel seiner Geschichte. Der frühere SAP-Chef Léo Apotheker will den Schwerpunkt vom margenschwachen PC-Geschäft auf Software und Dienstleistungen setzen. Die Börse ist vorerst nicht überzeugt.

Palo Alto - Der deutsche Chef Léo Apotheker krempelt den US-Traditionskonzern Hewlett-Packard Börsen-Chart zeigen radikal um. Der weltgrößte Computerhersteller könnte sich von seinem PC-Geschäft trennen und will stattdessen Milliarden in den Kauf eines britischen Softwarespezialisten stecken. Zugleich gibt sich Hewlett-Packard (HP) im Wettbewerb bei Smartphones und Tabletcomputern geschlagen. Das Geschäft mit Geräten mit dem eigenen mobilen Betriebsystem webOS wird gestoppt, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit.

Der Konzern prüfe alle Optionen für das PC-Geschäft inklusive einer völligen oder teilweisen Abspaltung, hieß es. Es geht dabei um den größten Geschäftsbereich. Im vergangenen Quartal brachte die Sparte mit 9,6 Milliarden Dollar fast ein Drittel der Konzernumsätze.

Außerdem bestätigte der US-Konzern Pläne für den Kauf der britischen Softwarefirma Autonomy. Sie spezialisiert sich auf Programme, mit denen große Unternehmen ihre Datenbestände besser im Griff behalten können. HP will 25,50 Pfund pro Aktie in bar zahlen, am Donnerstag lag der Kurs bei 14,25 Pfund. Mit dem kräftigen Aufpreis dürfte Autonomy Hewlett-Packard rund 6,2 Milliarden Pfund kosten - oder gut zehn Milliarden Dollar, wie zuvor unter anderem die Finanznachrichtenagentur Bloomberg berichtet hatte.

Strategiewandel wird umgesetzt

Der Wandel passt in die Strategie, die der frühere SAP-Chef Apotheker in den vergangenen Monaten ausgegeben hatte: Fokus auf das lukrative Geschäft mit Software und Dienstleistungen, effizienteres Wirtschaften, mehr Wert für Aktionäre. Denn die Anleger waren zuletzt unzufrieden mit dem sinkenden Aktienkurs und schwachen Erträgen. Bereits mehrfach musste der Konzern die Prognosen für das Geschäftsjahr zurückschrauben. Mitte Mai hatte Apotheker in einem internen Schreiben vor einem "weiteren schwierigen Quartal" gewarnt und gemahnt, Ausgaben auf ein Minimum zu beschränken. Jetzt wurden die Prognosen erneut gekappt.

Die Anleger konnte Hewlett-Packard mit den Ankündigungen zunächst nicht überzeugen: Als die Pläne noch vor US-Börsenschluss bestätigt wurden, ging die Aktie auf eine scharfe Talfahrt und verlor am Ende rund 6 Prozent. Nachbörslich kam ein weiteres Minus von knapp 10 Prozent dazu.

Abgesehen davon, dass die PC-Produktion an sich eine schlechtere Rendite abwirft als Software oder Dienstleistungen, hat HP zudem Probleme im Geschäft mit Privatkunden. Vor allem Apple macht dem weltgrößten PC-Bauer zu schaffen: Der Tabletcomputer iPad lockt Kunden von Notebooks weg. Das HP-Tablet TouchPad konnte sich nicht als Rivale etablieren - und wird jetzt nach weniger als zwei Monaten auf dem Markt auch keine weitere Chance mehr bekommen.

Geschäftsergebnisse offenbaren Probleme

Die webOS-Geräte hätten interne Vorgaben und finanzielle Ziele verfehlt, erklärte HP. Der Konzern hatte große Pläne bei mobilen Geräten und kaufte dafür im vergangenen Jahr den Smartphone-Pionier Palm mitsamt webOS für mehr als eine Milliarde Dollar. Zudem wurde viel Geld in die Entwicklung neuer Geräte gesteckt. Dass HP jetzt die Notbremse zieht, liege daran, dass das Geschäft weitere Milliarden-Investitionen erfordert hätte, ohne Garantie, das Geld jemas wiederzusehen, erklärte Finanzchefin Cathy Lesjak. HP prüft aber noch, ob sich die Software lizenzieren oder verkaufen lässt.

Die gleichzeitig vorgelegten Zahlen für das Ende Juli abgeschlossene dritte Geschäftsquartal untermauerten die Probleme, die Hewlett-Packard zu dem großen Umbau drängten. Der Umsatz legte lediglich um ein Prozent auf 31,2 Milliarden Dollar zu. Der Gewinn verbesserte sich um 9 Prozent auf 1,9 Milliarden Dollar. Allerdings war die Schwäche des PC-Bereichs unübersehbar. Der Umsatz sank im Jahresvergleich um drei Prozent - weil die Erlöse im Geschäft mit Privatkunden um 17 Prozent absackten. "Der Tablet-Effekt ist real", betonte Apotheker in der Telefonkonferenz nach den Ankündigungen. In der Software-Sparte stiegen die Erlöse hingegen um ein Fünftel bei drastisch höheren Renditen.

Apotheker hatte im vergangenen November das Ruder vom geschassten Vorgänger Mark Hurd übernommen und steht deshalb unter besonderer Beobachtung: Hurd hatte das Unternehmen nach einer undurchsichtigen Affäre mit einer externen Mitarbeiterin vor einem Jahr verlassen müssen. Bei den Investoren hatte das Bestürzung ausgelöst. Denn Hurd hatte HP mit Kosteneinsparungen zu Milliardengewinnen getrieben und den Konzern durch Zukäufe zur weltweiten Nummer eins der Branche gemacht.

cr/dpa

© manager magazin 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung