Umstrukturierung Telekom gliedert Zukunftsbereiche aus

Sei es das Geschäft mit Onlinemedien, sei es die Nutzung von Handys als Kreditkarte, seien es Kommunikationstechnologien zwischen Geräten - viele Zukunftsfelder fristen im Telekom-Konzern ein recht erfolgloses Dasein. Ein Umbau soll das nun ändern.
Von Astrid Maier
Moderner Zuschnitt: Die Telekom will einige zukunftsträchtige Geschäftsfelder ausgliedern

Moderner Zuschnitt: Die Telekom will einige zukunftsträchtige Geschäftsfelder ausgliedern

Foto: PATRIK STOLLARZ/ AFP

Hamburg - Es scheint, als habe sich Edward Kozel (56), der für Innovationen und Technik verantwortliche Vorstand der Deutschen Telekom, ein großes Vorbild vorgenommen: Die Energie, mit der Kozel in Bonn zu Werke geht, erinnert zuweilen an Mark Zuckerberg (27), den umtriebigen Facebook-Gründer. Wie Zuckerberg treibt Kozel seine Mannschaft unermüdlich vor sich her, bringt neue Produkte, neue Manager, neue Kooperationspartner in einem Tempo auf den Weg, das mehr an Silicon Valley erinnert als an den Ex-Monopolisten Telekom . Doch irgendwo im Konzerngetriebe bleiben die vielen neuen Ansätze - anders als bei Facebook - wohl hängen.

Kozel ist derzeit weit entfernt davon, das von Konzernchef René Obermann (48) ausgegebene Strategieziel zu ereichen: 2015 soll die Telekom 30 Milliarden Euro mit neuen Onlinediensten erlösen, seien es digitale Medien-Apps oder Bezahldienste fürs Handy. Der Großteil dieser Divisionen stagniert im Moment aber. Manches Geschäft, wie das mit Medien, schrumpft gar, musste Obermann einräumen, als er Anfang August die Halbjahresbilanz präsentierte. Obermanns Wachstumsstrategie droht in sich zusammenzufallen.

Dass Kozel nicht durchdringt, hat auch mit schwerfälligen Prozessen des früheren Staatsunternehmen zu tun. Um die Konzernmühlen zu umgehen, will Kozel jetzt viele der Zukunftsfelder als GmbH ausgliedern. Konkret macht sich der Technikvorstand daran, das Geschäft mit Onlinemedien, das mit dem Handy als Kreditkarte sowie jenes mit Techniken, die es ermöglichen, dass Maschinen und Geräte miteinander kommunizieren (etwa Container mit dem Hafenterminal), in die Selbstständigkeit zu entlassen.

"Diese Bereiche fristen jetzt noch ein komfortables Leben im Konzern, werden nicht nach betriebswirtschaftlichen Kennzahlen geführt", sagt ein Telekom-Insider. Genau damit soll nun Schluss sein, schließlich gäbe es viel zu verdienen. Allein das Geschäft mit dem Handy als Kreditkarte taxieren die Berater von Arthur D. Little schon 2012 auf einen Markt von 250 Milliarden Dollar weltweit. Als selbstständige GmbH mit eigenem Geschäftsführer und der Vorgabe, Gewinne und Verluste zu verbuchen, könnten die Sparten zu Höchstleistungen auflaufen, so das Kalkül.

Karriereversprechen für die Bereichsleiter der drei Divisionen sind mit dem Umbau aber nicht zwingend verbunden. Kozel lässt die Kapitäne der neuen Schnellboote intern wie extern suchen, heißt es aus dem Umfeld der Telekom.

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