Mobilfunk Apple-Zahlungen retten Nokia die Bilanz

Lizenzzahlungen des Rivalen Apple haben dafür gesorgt, dass Nokia das zweite Quartal entgegen den Befürchtungen der Analysten mit einem Gewinn abschließt. Dennoch muss der einstige Platzhirsch aus Finnland Apple im Bereich Smartphones vorbeiziehen lassen.
Zweckoptimismus: Nokia setzt auf eine Aufholjagd im Bereich Smartphones

Zweckoptimismus: Nokia setzt auf eine Aufholjagd im Bereich Smartphones

Helsinki - Nokia sieht in seinem Smartphone-Geschäft Licht am Horizont. Das finnische Branchenschwergewicht geht davon aus, dass das Geschäft im dritten Quartal rentabel ist - obwohl er gerade eben seine Marktführerschaft in diesem lukrativen Bereich an Apple verloren hat.

Lizenzzahlungen des Rivalen Apple sorgten zugleich für eine positive Überraschung. Operativ nahm Nokia im zweiten Vierteljahr 391 Millionen Euro ein, wie der einst unangefochtene Platzhirsch auf dem Mobiltelefon-Markt am Donnerstag mitteilte. Das war mehr als selbst von Optimisten erwartet. Die Aktie von Nokia  legte in Helsinki kräftig zu.

Nokia hatte sich im Juni im Patentstreit mit Apple auf einen Vergleich geeinigt. Das spülte bei Nokia kräftig Gebühren in die Kassen. Im Vorfeld hatten einige Experten Einnahmen hier von bis zu 650 Millionen Dollar prognostiziert, andere waren aber deutlich zurückhaltender. Die Schätzungen für den Betriebsgewinn reichten im Vorfeld von einem Verlust von bis zu 35 Millionen Euro bis hin zu Gewinnen von höchstens 285 Millionen Euro.

Der Geldsegen aus Kalifornien kam Nokia sehr gelegen. Seine Probleme auf dem Smartphone-Markt drohten Nokia im zweiten Quartal in die roten Zahlen zu treiben. Die Experten hatten im Schnitt mit einem bereinigten Netto-Verlust von zehn Millionen Euro gerechnet.

Nokia verliert Spitzenplatz bei Smartphones

Auf dem besonders beachteten Markt für Smartphones musste Nokia den Spitzenplatz an den iPhone-Hersteller Apple abgeben: Nokia verkaufte 16,7 Millionen Stück, Apple mehr als 20 Millionen.

Die durchwachsene Bilanz wirft nur zwei Tage nach dem Triumph des iPhone-Herstellers Apple mit neuem Gewinnrekord ein Schlaglicht auf den Abstiegskampf des Mobiltelefon-Riesen aus Europa. Die Nokia-Aktie stieg in Helsinki zeitweise mehr als 7 Prozent.

Der Aktienkurs von Nokia  hatte sich seit Februar halbiert. Damals stellte der neue Konzernchef Stephen Elop eine Trendwende in Aussicht. Doch da sich die Hoffnungen an neue Smartphones mit Microsoft-Software knüpfen, die erst im weiteren Verlauf des Jahres auf den Markt kommen, zogen viele Anleger die Reißleine. Sie fürchten, dass Nokia bis dahin so viel Marktanteil eingebüßt haben könnte, dass eine Aufholjagd aussichtslos erschien.

Elop unter Zeitdruck

Nokia selbst hatte 1996 noch mit einem ersten Modell den den Grundstein für den nunmehr kräftig wachsenden Smartphone-Markt gelegt. Doch schon dem Blackberry von Research in Motion hatte Nokia wenig entgegenzusetzen, mit dem Siegeszug des iPhone von Apple geriet der finnische Konzern vorerst endgültig ins Hintertreffen.

Das Gemeinschaftsunternehmen Nokia Siemens Networks wies am Donnerstag einen bereinigten Betriebsgewinn (Nicht-IFRS) von 40 Millionen Euro aus und verfehlte damit die Erwartungen. Analysten hatten dem Joint Venture einen operativen Gewinn von 68 Millionen Euro zugetraut. In den Monaten April bis Juni setzte NSN 3,6 Milliarden Euro (Prognose 3,4 Milliarden Euro) um. Für das dritte Quartal zeigt sich das Unternehmen vorsichtiger und peilt nur noch 3,2 bis 3,5 Milliarden Euro an. Siemens-Papiere gaben 0,2 Prozent nach.

la/reuters
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