Rücktritt SAP-Personalchefin Dammann schmeißt hin

Der Softwarekonzern SAP verliert sein einziges weibliches Vorstandsmitglied. Die erst vor einem Jahr angetretene Personalchefin Angelika Dammann ist von ihrem Amt zurückgetreten, nachdem Medien ihre Heimflüge im Firmenjet kritisiert hatten. Differenzen mit der Arbeitnehmerseite gab es jedoch schon länger.
Schluss nach einem Jahr: SAP-Vorstandsmitglied Angelika Dammann tritt zurück

Schluss nach einem Jahr: SAP-Vorstandsmitglied Angelika Dammann tritt zurück

Foto: DPA

Walldorf - Die einzige Frau im Vorstand des Software-Konzerns SAP tritt rund ein Jahr nach ihrer Berufung von ihrem Posten zurück. Angelika Dammann habe sich aus persönlichen Gründen entschieden, SAP zu verlassen, teilte das Unternehmen am Freitag in Walldorf mit.

SAP  bedauere ihre Entscheidung, sagte Aufsichtsratschef und Großaktionär Hasso Plattner. Dammanns Aufgabe als Personalchefin für die rund 53.000 SAP-Beschäftigten weltweit übernimmt zunächst Finanzchef Werner Brandt.

Dammann war in den vergangenen Tagen in die Schlagzeilen geraten. Es war bekanntgeworden, das Dammann regelmäßig mit dem Firmenjet vom Konzernsitz in Walldorf zu ihrem Wohnsitz nach Hamburg geflogen ist. Dieses Privileg war ihr im Juli 2010 zugesichert worden. Die häufigen Heimflüge im Firmenjet passen jedoch nicht zu dem Image des Weltkonzerns, der sich gern als ökologisch korrekt präsentiert.

In einem Brief an die Mitarbeiter schrieb Dammann am Freitag: "Die Behauptungen in der Presse in den letzten Tagen sind falsch". Auch Berichte, wonach SAP ihre Rechnungen für etwaige Versicherungen oder Kammerbeiträge als Rechtsanwältin bezahlt haben soll, seien nicht korrekt. Sie fühle sich durch die Berichterstattung "zutiefst betroffen", schreibt Damman. Sie habe sich entschieden, künftig enger bei ihrer Familie in Hamburg zu sein.

Schon länger Differenzen mit den Arbeitnehmern

Die Flieger-Affäre lieferte den aktuellen Anlass, aber offenbar nicht den einzigen Grund für Dammanns Abgang. Nach Informationen von manager magazin hatte es schon länger Differenzen zwischen Dammann und den Arbeitnehmern gegeben. "Sie hat es nicht geschafft, die Belegschaft hinter sich zu vereinen", heißt es aus dem Betriebsrat, "und sie hatte Probleme mit der SAP-Kultur".

So habe sich Dammann in Gehaltsverhandlungen äußerst kompromisslos gezeigt - trotz des erfolgreichen Geschäftsjahres 2010. Außerdem gelang es Dammann offenbar nicht, die Zufriedenheit der Mitarbeiter zu steigern.

Dies ist ein heikles Thema bei SAP: Unter anderem hatten schlechte interne Umfrageergebnisse im Frühjahr vergangenen Jahres dazu geführt, dass der damalige Vorstandschef Léo Apotheker das Unternehmen verlassen musste. Zahlreiche Mitarbeiter, die mit Dammanns Arbeit unzufrieden waren, machten nun offenbar ihrem Ärger in E-Mails an Co-CEO Jim Hagemann Snabe sowie Aufsichsratschef und Gründer Hasso Plattner Luft.

Dammann war im Juli 2010 zur Personalchefin berufen worden. Zuvor war sie Managerin beim Konsumgüterhersteller Unilever . Europas größter Softwarehersteller hatte mit ihr erstmals in der Unternehmensgeschichte eine Frau in den Vorstand geholt.

sh/yes/krk/la
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