Donnerstag, 21. November 2019

Frauenquote Obermann geht voran

Dax-Vorstände: Diese Frauen führen Deutschlands Konzerne
DPA

René Obermann liefert mehr, als er versprochen hat: In den Vorstand der Deutschen Telekom ziehen zwei Frauen ein, eine dritte wird in Kürze folgen.  Damit beweist der Telekom-Chef, dass die von ihm verordnete Frauenquote kein PR-Gag war - und macht den Weg frei für weitere Frauen in Deutschlands Chefetagen.

Die Telekom tat den zweiten Schritt vor dem ersten: Bereits im März 2010 verkündete der Konzern stolz, man habe "ernst gemacht mit der Frauenförderung". 30 Prozent Führungspositionen würden künftig mit Frauen besetzt. Allerdings saß zu diesem Zeitpunkt noch keine einzige Frau im Telekom-Vorstand. Und manche Quotenbesetzung hielt nicht lange. Produkt- und Innovationschefin Anastassia Lauterbach musste ihren Posten schon nach wenigen Monaten wieder räumen.

Kein Wunder, dass Telekom-Chef René Obermann und Personalvorstand Thomas Sattelberger viel Spott für ihr Frauenprojekt ernteten. Damit, so die Kritik, wolle die Telekom doch nur von ihren Problemen ablenken. E-Plus-Chef Thorsten Dirks erklärte im Interview mit manager magazin, Frauenquoten seien "sinnlose fixe Regelungen".

Man kann von der Frauenquote halten, was man will. Doch eines haben Obermann und Sattelberger nun bewiesen: Ihr Plan zur Frauenförderung war mehr als nur ein PR-Gag.

Ära des Macho-Management geht dem Ende zu

Mit der McKinsey-Direktorin Claudia Nemat, fortan Europa-Chefin, und der ehemaligen baden-württembergischen Bildungsministerin Marion Schick, künftig Arbeitsdirektorin, hat der Telekom-Aufsichtsrat am Montag gleich zwei Frauen ins Topmanagement berufen, die obendrein als hoch kompetent gelten. Auch der Posten des Rechtsvorstands soll bald mit einer (noch zu benennenden) Frau besetzt werden.

Das Vorpreschen der Telekom dürfte gewaltige Auswirkungen auf Deutschlands Chefetagen haben. Die Ära des Macho-Managements geht ihrem Ende zu. Künftig muss sich jedes Unternehmen der Dax-Liga, das nicht mindestens eine weibliche Topmanagerin vorweisen kann, kritische Fragen gefallen lassen.

Bislang gibt es erst in fünf von 30 Dax-Unternehmen Frauen im Vorstand. Die Zahl dürfte in den kommenden Jahren spürbar ansteigen.

Die Maßnahme der Telekom hat einen Schönheitsfehler: Die Benennung der Vorstandsfrau Schick rief Widerstand bei den Arbeitnehmervertretern hervor. Sie hätten anstelle des CDU-Mitglieds wohl lieber eine eigene Kandidatin platziert. Schick werde die Interessen der Arbeitnehmer nicht adäquat vertreten, befürchtet die Gewerkschaft Verdi. Das lässt einen schwierigen Start für die Arbeitsdirektorin erwarten.

Doch davon wird in einigen Jahren vermutlich keiner mehr reden. Vom Einzug der Frauen in die Dax-Welt schon.

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