Samstag, 18. Januar 2020

Top-Level-Domains Hohe Gebühren schrecken deutsche Wirtschaft ab

Icann: Die Internetadressverwalter
AFP

Gehobener Mittelstand und Großunternehmen stellen den Plänen der internationalen Internetaufsicht Icann zur Vergabe neuer Top-Level-Domains ein schlechtes Zeugnis aus. Eine Umfrage offenbart die Sorge von Marketing- und IT-Experten vor einem verzerrten Wettbewerb und hohen Kosten.

Hamburg - Skepsis statt Aufbruchstimmung herrscht einer ersten Umfrage zufolge in den großen deutschen Unternehmen vor, wenn es um die neuen Top-Level-Domains im Internet geht. Anstelle von ".de" oder ".com" sollen demnächst auch Markennamen und andere Begriffe am Ende von Web-Adressen stehen können. So sieht es der Web-Verwalter Icann ab kommendem Jahr vor. Für eine solche Top-Level-Domain muss der Interessent allerdings eine Antragsgebühr von 185.000 US-Dollar entrichten und umfangreiche technische Infrastruktur zur Verfügung stellen können.

Unter deutschen Firmen mit einer Größe von mehr als 1000 Mitarbeitern und wenigstens 50 Millionen Euro Jahresumsatz hat der BUW-Expertenmonitor ein erstes Meinungsbild erfasst. Unter den 120 befragten Marketing- und IT-Experten herrscht demnach seit Bekanntgabe des Icann-Vorhabens Skepsis statt Aufbruchstimmung.

Lediglich einer der Befragten zog ernsthaft in Erwägung, eine Top-Level-Domain zu beantragen. Knapp die Hälfte der angerufenen Marketing- und IT-Leiter hält die neuen Top-Level-Domains stattdessen für nutzlos. Mehr als drei Viertel der 120 Befragten waren sich einig, dass die verlangte Gebühr von 185.000 US-Dollar überzogen sei. Lediglich sieben der Teilnehmer hielten die Gebühr für fair.

Häufig monierten die Teilnehmer zudem mögliche Wettbewerbsverzerrungen und sahen konkrete Nachteile für kleinere Unternehmen und den Mittelstand. Ein Zehntel der Befragten befürchtete eine Benachteiligung des deutschen Wirtschaftsraums. Jeder fünfte Befragte prognostiziert zudem grenzübergreifende Markenrechtskonflikte.

"Zwar erkennen die Verantwortlichen in deutschen Unternehmen durchaus die wirtschaftlichen und marketingtechnischen Chancen, welche die neuen Top-Level-Domains eröffnen. Überzeugen lassen sie sich hingegen nicht", zieht Jens Bormann, Mitinhaber der BUW-Unternehmensgruppe und Herausgeber des BUW-Expertenmonitors, ein erstes Fazit. So sah ein Fünftel der Teilnehmer zwar individuellere Präsentationsmöglichkeiten im Web und die Chance auf internationale Exklusivität, aber neue Chancen im Wettbewerb sahen nur neun der 120 befragten Experten.

mh

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