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Kapital aus China: Neuer Übernahmetrend in Deutschland

Lenovo kauft Medion China auf Einkaufstour in Deutschland

Der Computerkonzern Lenovo will den Aldi-Lieferanten Medion für rund 629 Millionen Euro kaufen. Gründer und Vorstandschef Gerd Brachmann hat dem Geschäft bereits zugestimmt. Die Übernahme der börsennotierten Firma wäre der erste große Zukauf eines chinesischen Unternehmens in Deutschland.

Düsseldorf - Den Medion-Aktionären werde 13 Euro je Aktie in bar geboten, teilte Lenovo mit. Die Chinesen, die vor einigen Jahren bereits die PC-Sparte des US-Konzerns IBM erworben hatten, wollen Medion am liebsten komplett übernehmen - mindestens sollen es aber 51 Prozent des Grundkapitals sein.

Gründer, Mehrheitseigentümer und Vorstandschef Gerd Brachmann hat dem Geschäft bereits zugestimmt. Brachmann, der insgesamt 54 Prozent an Medionn hält, wird knapp 17,75 Millionen Aktien für rund 230,7 Millionen Euro an die Chinesen abgeben. Brachmann erhält 80 Prozent davon in bar und 20 Prozent in Form von Lenovo-Aktien. Über die restlichen von ihm gehaltenen Medion-Aktien sei eine langfristige Call- und Put-Option vereinbart worden.

Der Angebotspreis für die Medion-Aktionäre liegt knapp 18 Prozent über dem Xetra-Schlusskurs vom Dienstagabend und rund 30 Prozent über dem Kurs vom vergangenen Freitag. Bereits am Dienstag hatten Übernahmegerüchte die Medion-Aktie beflügelt. Sie war mit einem Plus von mehr als 7 Prozent auf ein Zweieinhalb-Monats-Hoch von 11,23 Euro gestiegen. Lenovo-Papiere gaben in Hongkong knapp 0,9 Prozent nach.

Aldi ist der wichtigste Kunde von Medion

Sollte die Übernahme für den Preis gelingen, wäre dieser höher als die Summe aller chinesischen Direktinvestitionen in Deutschland aus dem Jahr 2009 - so die von der Bundesbank ermittelten Daten. Aktuellere Zahlen liegen noch nicht vor.

Medion  hat sich vor allem um die Jahrtausendwende durch billige Computer für die Handelskette Aldi einen Namen gemacht - nach wie vor ist der Discounter einer der wichtigsten Kunden von Medion. Das 1983 gegründete und 1998 an die Börse gebrachte Unternehmen schlitterte Mitte des vergangenen Jahrzehnts unter anderem wegen der hohen Abhängigkeit von Aldi in eine Krise, von der es sich nur langsam erholt.

2010 setzte Medion 1,64 Milliarden Euro um und verdiente vor Zinsen und Steuern 28,1 Millionen Euro. Zum Vergleich: Im Jahr 2003 hatte der Erlös noch knapp drei Milliarden Euro betragen und der Gewinn vor Zinsen und Steuern lag bei 179,9 Millionen Euro. Medion beschäftigte zuletzt etwas mehr als 1000 Mitarbeiter.

Der Essener Elektronikhändler soll einem Lenovo-Sprecher zufolge komplett selbstständig bleiben. "Die Marke soll erhalten bleiben und die Aktien weiter an der Börse gehandelt werden", so der Sprecher. Ein Stellenabbau sei zudem nicht zu befürchten. Die beiden Konzern ergänzten sich, Überschneidungen gebe es kaum. "Der eine profitiert vom anderen". Während Medion im Privatkundengeschäft stark sei, habe Lenovo bei Firmenkunden eine herausgehobene Marktposition, erklärte der Sprecher.

Erster großer Übernahmeversuch von Chinesen in Deutschland

Mit Lenovo  greift erstmals ein chinesischer Investor ernsthaft nach einem bekannten deutschen Unternehmen. In den vergangenen Jahren wurden Investoren aus China unter anderem bei angeschlagenen deutschen Unternehmen wie Opel oder Dresdner Bank ins Spiel gebracht. Die Offerten waren allerdings entweder wirtschaftlich nicht gut genug oder hatten von vornherein aus politischen Gründen keine Chance.

Doch Lenovo macht jetzt mit einer konkreten Offerte ernst - und gegen eine Übernahme Medions wird sich auch die Politik wahrscheinlich nicht stemmen. Zumal der 1984 gegründete und inzwischen weltweit viertgrößte PC-Hersteller, der mit Legend einen vom Staat kontrollierten Großaktionär im Rücken hat, schon Erfahrungen mit Übernahmen im Ausland gemacht hat.

Lenovo hatte 2005 bereits einmal spektakulär zugeschlagen und sich die PC-Sparte des amerikanischen IT-Konzerns IBM für 1,75 Milliarden Dollar einverleibt. Dies war die erste größere Übernahme eines chinesischen Unternehmens in den Vereinigten Staaten. Lenovo will zudem bei der PC-Produktion künftig mit dem japanischen Konzern NEC zusammenarbeiten.

mg/dpa
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