Analysten enttäuscht SAP kommt nur langsam voran

Die Erwartungen waren hoch, und SAP konnte sie nicht erfüllen. Zwar legte der Softwarekonzern im ersten Quartal bei Umsatz und Gewinn deutlich zu. Doch nach guten Ergebnissen der US-Konkurrenz hatten Börsianer mit deutlich mehr gerechnet. Beim Geschäft mit Mittelstandskunden gibt es indes Hoffnung.
Foto: Ronald Wittek/ dpa

Stuttgart - Europas größter Softwarekonzern SAP hat die Zuversicht der IT-Industrie mit einem kräftigen Anstieg seiner Erlöse aus dem Verkauf neuer Softwarelizenzen und Wartungsverträgen untermauert. Im Auftaktquartal kletterten die Erlöse um ein Fünftel auf 2,33 Milliarden Euro, wie SAP am Donnerstag in Walldorf bei Heidelberg mitteilte.

Das Wachstumstempo habe sich damit gegenüber dem Vorjahresquartal mehr als verdoppelt. Allerdings hatten Analysten mit im Schnitt 2,39 Milliarden Euro noch etwas mehr erwartet.

Der positive Trend des Schlussquartals 2010 habe zu Jahresbeginn angehalten, sagte SAP-Co-Vorstandschef Bill McDermott. Wegen der guten Nachfrage der mehr als 100.000 Firmenkunden bekräftige SAP  daher seine jüngste Prognose für 2011: Die Lizenz- und Wartungserlöse sollen zum Jahresende den Rekordwert des Vorjahres in Höhe 9,87 Milliarden Euro ohne Berücksichtigung von Wechselkurseffekten voraussichtlich um 10 bis 14 Prozent übertreffen.

In den Monaten Januar bis März waren die SAP-Programme zur Steuerung von Unternehmensprozessen, zur Personalverwaltung oder zur Kundenbetreuung in allen Weltregionen gefragt. Am stärksten wuchsen die Verkaufserlöse in Amerika, dort betrug der Erlöszuwachs ein Drittel zum Vorjahresquartal. In Japan verkaufte SAP trotz des Erdbebens und der Atomkatastrophe bereinigt um Währungseffekte 15 Prozent mehr.

Mietsoftware "Business by Design" kommt voran

Der um Sondereffekte bereinigte operative Gewinn kletterte im ersten Quartal um 26 Prozent auf 779 Millionen Euro. Ohne Berücksichtigung von Wechselkursen betrug das Wachstum 21 Prozent. Damit blieb SAP jedoch hinter den Erwartungen der Finanzexperten zurück. Sie hatten einen Anstieg des Betriebsgewinns auf 852 Millionen Euro prognostiziert.

Nach längeren Startschwierigkeiten nimmt auch das Geschäft mit Mietsoftware bei SAP Fahrt auf. Die Kundenzahl für die über das Internet angebotene Mittelstands-Software "Business by Design" belaufe sich mittlerweile auf 400, sagte Hagemann Snabe. SAP werde daher zum Jahresende wie geplant 1000 zahlende Kunden für Business by Design haben.

Geschäfte in den USA laufen gut

Im vorbörslichen Handel waren die SAP-Papiere gut 3 Prozent niedriger indiziert. In den vergangenen Wochen hatten bereits der Chiphersteller Intel  und der IT-Konzern IBM  über kräftige Umsatz- und Gewinnzuwächse im Auftaktquartal berichtet und damit die Erwartungen hochgetrieben.

Börsianer bezeichneten die Zahlen als "enttäuschend". Der Softwarekonzern habe im ersten Quartal bei sämtlichen Kenngrößen unter den Erwartungen gelegen, kommentierten sie den Bericht. Der Ausblick für 2011 sei bestätigt worden. Die Walldorfer blieben beim Umsatz leicht und beim Gewinn sogar deutlich hinter den Erwartungen zurück. Experten hatten wegen der starken Zahlen der Konkurrenz mit höheren Zuwächsen gerechnet.

Analyst: "Schwächeres Quartal macht noch keinen Trend aus"

Laut Commerzbank-Analyst Thomas Becker fiel der Start in das Geschäftsjahr 2011 etwas weicher als gedacht aus. Vor allem der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) habe die Erwartungen klar verfehlt. Ein Blick auf die regionale Verteilung zeige indes, dass die Geschäfte in den USA weiter gut liefen. Mit Blick auf den bestätigten Ausblick für 2011 fügte Becker hinzu, dass ein schwächeres Quartal noch keinen Trend ausmache.

Cheuvreux stufte laut Börsianern derweil die SAP-Aktie von "Outperform" auf "Underperform" ab und senkte das Kursziel von 46,00 auf 41,00 Euro. Der Softwarekonzern habe schlechter als erwartet abgeschnitten.

Das Marktforschungsinstitut Gartner rechnet für 2011 mit einem Zuwachs der weltweiten IT-Ausgaben um rund 6 Prozent auf etwa 3,4 Billionen Dollar. Der Umsatz mit Unternehmenssoftware soll dieser Gartner-Prognose zufolge im Jahr 2011 um knapp 7 Prozent auf 237 Milliarden Dollar ansteigen.

SAP ist der weltweit führende Anbieter von Unternehmenssoftware. Schärfster Konkurrent ist der US-Datenbankanbieter Oracle , der - angetrieben von der weltweiten Konjunkturerholung - zuletzt ebenfalls gute Geschäfte gemacht hatte.

nis/rtr/dpa-afx
Mehr lesen über