Hackerangriff 75 Millionen Sony-Kundendaten gestohlen

Es droht einer der größten Datendiebstähle der Geschichte: Bei einem Hackerangriff auf Onlinedienste von Sony sind möglicherweise Daten von mehr als 75 Millionen Nutzern gestohlen worden. Außer Passwörtern oder Adressen könnten den Kriminellen auch die Kreditkartendaten in die Hände gefallen sein, warnt der Konzern.
Sonys Playstation: Über das Netzwerk können Nutzer miteinander spielen, chatten und Filme ansehen, weltweit sind mehr als 75 Millionen Kunden angemeldet

Sonys Playstation: Über das Netzwerk können Nutzer miteinander spielen, chatten und Filme ansehen, weltweit sind mehr als 75 Millionen Kunden angemeldet

Foto: ? Yuriko Nakao / Reuters/ REUTERS

New York - Hacker haben offenbar Informationen von Millionen Nutzern der Onlinedienste von Sony erbeutet. Es geht um Adressen, Passwörter und möglicherweise auch Kreditkartennummern, warnte Sony die mehr als 75 Millionen Nutzer des Playstation Network und des Video- und Musikservices Qriocity. Der japanische Elektronikriese hatte nach dem Hackerangriff vor einer Woche zunächst den Stecker gezogen und die Dienste ohne Angabe von Gründen komplett abgeschaltet.

Eine unbekannte Person habe sich Zugang zu persönlichen Daten wie Name, Adresse, E-Mail oder Geburtsdatum verschafft, schrieb Sony  am späten Dienstag in Firmenblogs weltweit und informierte die Betroffenen. Auch Logins und Passwörter seien nach derzeitigem Kenntnisstand ausgespäht worden, möglicherweise auch die Liste der Käufe.

"Obwohl es derzeit keine Anzeichen dafür gibt, dass auf Kreditkarteninformationen widerrechtlich zugegriffen wurde, können wir diese Möglichkeit nicht gänzlich außer Betracht lassen", warnte Sony. Die Kunden sollten nun besonders wachsam sein, um keinem Betrug aufzusitzen, und ihr Konto kontrollieren.

Racheakt aus der Internetszene?

Das Playstation Network und der Qriocity-Service haben weltweit mehr als 75 Millionen Kunden, viele davon in Deutschland. Über das Playstation-Netzwerk können Nutzer miteinander spielen, chatten und Filme ansehen. Immer mehr Spiele für die Konsole Playstation 3 und auch die mobile Playstation Portable haben inzwischen Onlinekomponenten. Unter dem Namen Qriocity vertreibt der Konzern Musik und Videos.

Die Hacker waren vom 17. bis zum 19. April in die Kundendatenbanken eingedrungen. Wann die Dienste wieder eingeschaltet werden könnten, ließ Sony offen. In US-Medien hieß es, bis dahin könnte noch eine Woche vergehen.

Wer hinter der folgenschweren Attacke stand, blieb zunächst unklar. Eine Vermutung ist, dass der Angriff ein Racheakt aus der Szene gewesen sein könnte, nachdem Sony einen Playstation-Cracker verklagte. Der junge Mann, der schon Apples iPhone gehackt hatte, knackte den Schutzmechanismus der Konsole, so dass auf ihr kopierte und selbst gemachte Spiele laufen konnten. Die Anleitung dazu veröffentlichte er im Internet.

Nach der Klage einigten sich der Konzern und der Cracker außergerichtlich. Er musste versprechen, die Knacksoftware nicht mehr zu vertreiben und schrieb daraufhin in einem Blog, er schließe sich einem Boykott von Sony-Produkten an. Sonys Hightech-Konsole galt als besonders gut geschützt.

mg/dpa
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