Nintendo Neue Wii-Konsole soll alten Glanz zurückbringen

Der Vormarsch von Spielen auf Smartphones und Tablet-PCs setzt den japanischen Konsolenhersteller Nintendo stark unter Druck. Zudem schwächt der von Erdbeben und Nuklearkatastrophe gelähmte Heimatmarkt die Geschäfte. Die nächste Wii-Generation soll das Blatt nun wenden.
Zenit überschritten: Nintendos Wii-Konsole leidet unter der Konkurrenz von Smartphones und Tablet-PCs

Zenit überschritten: Nintendos Wii-Konsole leidet unter der Konkurrenz von Smartphones und Tablet-PCs

Foto: rtr

Tokio - Der Spielekonsolenhersteller Nintendo kämpft gegen wachsende Konkurrenz von Smartphones und Tablet-PCs. Weil die veralteten Modelle Wii und DS immer weniger verkauft wurden, brach das operative Ergebnis im abgelaufenen Geschäftsjahr (per Ende März) um 52 Prozent auf umgerechnet 1,43 Milliarden Euro (rund 171 Billionen Yen) ein, wie Nintendo am Montag bekanntgab.

Nach den Katastrophen in Japan im März halten sich zudem die Kunden mit Käufen zurück. Für das neue Geschäftsjahr geht der Konzern lediglich von einer leichten Erholung des Betriebsergebnisses auf 175 Billionen Yen aus und liegt damit unter den Erwartungen des Marktes.

Erdbeben und Tsunami hätten keine Auswirkung auf die Produktion gehabt, erklärte das Unternehmen. "Es kann aber vorausgesagt werden, dass sich eine indirekte Auswirkung durch individuelles Verbraucherverhalten ergeben wird", hieß es. Insgesamt erwarte man eine allmähliche Erholung im kommenden Geschäftsjahr vor allem durch die neuen mobilen 3-D-Geräte 3DS.

Im kommenden Jahr wird Nintendo  einen Nachfolger für seine Spielekonsole Wii auf den Markt bringen. Ein funktionsfähiger Prototyp werde im Juni auf der Spielemesse E3 in Los Angeles präsentiert, kündigte Nintendo an. Mit weiteren Details hielt der japanische Konzern noch zurück. In zahlreichen Medienberichten hieß es aber bereits in den vergangenen Wochen, von der neuen Konsole seien auch Bilder in HD-Auflösung zu erwarten.

Neben dem Stottern der Geldmaschine Wii lastete auch der starke Yen auf der Nintendo-Bilanz. Zuletzt blieb im Gefolge der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe der Absatz der im März gestarteten mobilen Konsole Nintendo 3DS unter den Erwartungen. Es wurden 3,6 Millionen Geräte statt der geplanten rund vier Millionen verkauft. Die 3DS kann auf einem ihrer zwei Bildschirme dreidimensionale Bilder wiedergeben, die man auch ohne Spezialbrille sieht. Damit will Nintendo dem Vormarsch günstiger Smartphonespiele Paroli bieten.

Die Wii mit ihrer bewegungsempfindlichen Steuerung hatte Nintendo an die Spitze der Spielebranche katapultiert. Die Ende 2006 gestartete Konsole kann zwar im Gegensatz zu ihren Rivalen Playstation 3 von Sony  und Xbox von Microsoft  keine HD-Bilder wiedergeben. Die Nutzer waren jedoch von der Möglichkeit begeistert, das Spielgeschehen mit einem Schwenk der Steuereinheit statt mit dem üblichen Tastengeklicke kontrollieren zu können.

Die Folge: Die günstigere Wii hängte ihre technisch anspruchsvolleren Rivalen in den folgenden Jahren ab. Nintendo wurde von einem Wackelkandidaten zum Branchenführer. Bis Ende März wurden gut 86 Millionen Geräte verkauft. Zuletzt wurde aber klar, dass die Wii ihren Höhepunkt überschritten hat. Die Geräte verkaufen sich zwar immer noch gut - allein im abgelaufenen Jahr waren es gut 15 Millionen Konsolen -, doch der Absatz sinkt.

Stattdessen rücken Sony und Microsoft mit eigenen bewegungsempfindlichen Steuerungen vor. Das System Kinect für die Xbox geht sogar noch weiter als damals Nintendo und lässt die Spieler mit Hilfe einer Kamera ohne Controller in der Hand auskommen. Seit dem Start im Weihnachtsgeschäft verkaufte Microsoft Millionen Kinect-Steuerungen. In der Fachpresse wird bereits seit einiger Zeit diskutiert, ob Nintendo nicht zu lange mit einem Ersatz für die Wii gewartet hat.

nis/dpa-afx/apd/rtr
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