Sonntag, 25. August 2019

Internet Die Senkrechtstarter aus der digitalen Diaspora

Innovationen im Minutentakt: Chief Games Officers Philip (l.) und Tobias Reisberger
Michael Danner
Innovationen im Minutentakt: Chief Games Officers Philip (l.) und Tobias Reisberger

Das Hamburger Spieleportal Bigpoint operiert in einem Markt, in dem niemand sagen könnte, wie die Produkte in drei Jahren aussehen werden. Dennoch erlebt das Online-Unternehmen einen sagenhaften Aufstieg, vervielfacht regelmäßig seinen Umsatz. Ein Blick hinter die Erfolgskulisse.

Hamburg - In Fragen des Führungsstils greifen Tobias und Philip Reisberger gern auf den speziellen Humor zurück, der eineiigen Zwillingen vorbehalten ist. Die 31-jährigen, Absolventen desselben Jahrgangs an der European Business School, tragen identische Bärte, die selbe Gel-Frisur und sehr ähnliche randlose Brillen.

Zudem teilen sie sich in der Hamburger Firmenzentrale von Bigpoint ein Büro. Kommen die Top-Manager dann noch mit den selben Hemden, Jeans und Slippern zur Arbeit - was häufig und angeblich ohne Absprache passiert - dann kann niemand auf Anhieb sagen, welcher Zwilling gerade aus der Tür in den Flur tritt.

Die Reisberger-Brüder, im Bigpoint Vorstand zuständig für die Produkte, genießen ihre Rolle als das Doppelte Lottchen der Digitalwirtschaft. Sie schaffen sich so eine Plattform, auf der sich auch im hektischen Arbeitsalltag jederzeit mal die nötige Nähe, mal die richtige Distanz zu den Untergebenen herstellen lässt. Dieser souveräne Positions- und Perspektivenwechsel ist eines der wichtigsten Führungsinstrumente in einem so dynamisch wachsenden Unternehmen, das seinen Umsatz in den vergangenen drei Jahren mehr als vervierfacht hat auf über 100 Millionen Euro.

Bigpoint, gegründet im Jahr 2002 vom ehemaligen Programmierer Heiko Hubertz (34), ist Pionier und Weltmarktführer für so genannte Browser-Spiele: Aktuell haben sich 180 Millionen Nutzer aus aller Herren Länder bei Bigpoint registriert, die Zahl wächst täglich um 250.000. An einem gewöhnlichen Wochentag spielen schon mal eine Million Bigpoint-Kunden gleichzeitig gegen- und miteinander.

Zufluss neuer Ideen kanalisieren

Weltweit setzt die Spieleindustrie jährlich 40 Milliarden Dollar um. Wie hat es das junge Unternehmen aus der digitalen Diaspora an der Elbe geschafft, um in diesem Megamarkt bis zur Spitze vorzudringen? Wie baut das ambitionierte Führungsteam die Profitabilität und den Abstand zu Wettbewerbern immer weiter aus? Was motiviert die Mitarbeiter zu permanenter Innovation?

Der sensibelste Teil der Führungsaufgaben bei Bigpoint sei es, den steigen Zufluss neuer Ideen zu kanalisieren, erläutert Philip Reisberger. Unzählige Einfälle kommen allein durch die vielen neuen Mitarbeiter, die Bigpoint regelmäßig einstellt. In manchen Monaten vergrößert sich die Belegschaft um bis zu 50 Experten. "Für unser schnell wachsendes Unternehmen ist es wichtig, diesen enormen Kraftzuwachs tatsächlich auf die Straße zu bringen" erzählt Tobias Reisberger, wie sein Bruder "Chief Games Officer" im Bigpoint-Vorstand. Inzwischen, sagen die Reisberger-Zwillinge, kriegen sie das ganz gut hin.

Der eigentliche Kern des Erfolgs sei jedoch die permanente Weiterentwicklung der "Cutting Edge"-Technologie, sagt CEO Heiko Hubertz: Browserspieler benötigen weder Playstation noch sonstige zusätzliche Hardware. Sie brauchen auch keine Software herunterzuladen. Ein Tablet-Computer oder ein herkömmlicher PC und eine halbwegs passable Datenübertragungsrate des Internetanschlusses genügen für vollen und kostenlosen Spielspaß.

Dazu müssen die vor allem robusten, deshalb oft auch primitiven Browser-Programme jedoch ausgebaut und aufgestockt werden. Bis zu ein Jahr dauert die Entwicklung eines neuen Spieles; besonders erfolgreiche Games werden nach ihrer Markteinführung indes schon nach zwei Monaten profitabel.

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