Sonntag, 31. Mai 2020

AT&T/T-Mobile USA Auflagen möglich

T-Mobile und AT&T: Gemeinsam Nummer eins auf dem US-Markt

Die geplante Elefantenhochzeit aus AT&T und T-Mobile USA ließe einen Giganten auf Amerikas Mobilfunkmarkt entstehen. Genau deshalb könnten die US-Wettbewerbshüter etwas dagegen haben - und empfindliche Auflagen aussprechen.

Hamburg - Dieser Deal würde den amerikanischen Mobilfunkmarkt neu ordnen: Setzt sich Telekom-Chef René Obermann damit durch, sein amerikanisches Tochterunternehmen T-Mobile USA an den Konkurrenten AT&T zu verkaufen, bliebe auf dem amerikanischen US-Mobilfunkmarkt nichts mehr wie vorher. Von den bislang vier überregional bedeutsamen Hauptwettbewerbern Verizon Börsen-Chart zeigen, AT&T , Sprint Nextel Börsen-Chart zeigen und T-Mobile würden künftig drei übrigbleiben. Die Konzentration in der Branche stiege also deutlich. Nicht zuletzt, weil aus der Fusion der jetzigen Nummer zwei, AT&T, mit der Nummer vier, T-Mobile USA, der neue US-Mobilfunkmarktführer entstünde.

Offen ist, wie die US-Kartellbehörden auf diese Wettbewerbskonzentration reagieren. AT&T und T-Mobile USA kämen gemeinsam immerhin auf rund 130 Millionen Kunden, Verizon würde mit rund 100 Millionen Kunden schon deutlich abfallen - und Sprint Nextel würde mit seinen 50 Millionen Kunden weit abgeschlagen hinter den beiden Platzhirschen hinterhertraben.

Credit-Suisse-Analyst Jonathan Chaplin gibt dann auch zu bedenken, dass er bislang noch nie einen Deal mit so vielen Regulierungsrisiken erlebt habe. Er rechnet damit, dass AT&T von den Kartellbehörden - im konkreten Fall das Justizministerium und die Federal Communications Commission (FCC) - zu "massiven Desinvestitionen und Konzessionen" gezwungen werde.

Gegen den Deal sprechen sich in den USA vor allem Konsumentenschützer wie die einflussreiche Non-Profit-Organisation Public Knowledge aus, in deren Direktorium unter anderem der ehemalige FCC-Chairman Reed Hundt sitzt. Public Knowledge befürchtete in einer ersten Stellungsnahme höhere Preise, weniger Auswahl und nachlassende Innovationskraft im Markt. Der einflussreiche demokratische Senator Jay Rockefeller, Urenkel des Ölmagnaten John D. Rockefellers, forderte Justizministerium und FCC bereits auf, den Deal aufs Genaueste zu untersuchen.

Rockefeller vertritt im Senat den Staat West Virginia - den Sitz der künftigen Nummer drei im amerikanischen Mobilfunkmarkt: Sprint Nextel. Das Unternehmen hatte bis vor kurzem selbst mit der Deutschen Telekom über eine mögliche Fusion mit T-Mobile USA verhandelt. In einer Pressemitteilung schreibt die Konzernführung nun, dass der geplante Zusammenschluss zwischen AT&T und T-Mobile darauf hinausliefe, das mit AT&T und Verizon zwei die gesamte Wertschöpfungskette abdeckende Mobilfunkkonzerne rund 80 Prozent der vertraglich gebundenen Mobilfunkkunden unter sich aufteilen würden. Dies würde, so Sprint Nextel, das Branchenumfeld "dramatisch verändern".

T-Mobile kein Preisbrecher

AT&T hingegen betont, dass durch regionale Anbieter in 18 von 20 amerikanischen Großstädten weiterhin eine Auswahl von mindestens fünf verschiedenen Anbietern existiere. So gibt es in den Vereinigten Staaten neben den vier Branchenriesen zahlreiche regionale Telekommunikationsanbieter wie die in Texas ansässige MetroPCS oder Cricket Wireless aus San Diego.

Doch es sprechen auch andere Argumente dafür, dass der Deal von den Kartellbehörden abgesegnet wird. "Vor einem dreiviertel Jahr hätte ich gesagt, ein solcher Deal wird schwierig", sagt Heike Pauls, Analysten bei der Commerzbank. Inzwischen hätten sich die Voraussetzungen indes geändert. "Die Regierung um den US-Präsidenten Barack Obama setzt sich inzwischen für einen landesweiten Ausbau von Breitbandanschlüssen ein, um die Wirtschaft anzukurbeln", sagt Pauls.

Dabei habe es Diskussionen darüber gegeben, ob die dafür notwendigen zusätzlichen Frequenzbereiche überhaupt verfügbar seien. Um den nationalen Breitbandplan umzusetzen, müssten in der durch den Deal veränderten Konstellation weniger der begehrten Frequenzbereiche freigegeben werden, da nun ein Unternehmen weniger am Markt sei. "Dies spricht aus Regierungssicht sicher für den Deal", sagt Pauls.

Darüber hinaus habe sich T-Mobile in der Vergangenheit nicht als Preisbrecher hervorgetan. "Es wird also kein aggressiver Spieler vom Markt genommen." Nicht zuletzt stehe mit Lightsquared ein neuer Wettbewerber bereits in den Startlöchern. Das Unternehmen plant, mit Hilfe des Netzausrüsters Nokia Siemens Networks den Aufbau eines drahtlosen, satellitengestützten Breitbandnetzes. "Das Unternehmen dürfte als Großhändler für Breitbandkapazitäten den Mobilfunkwettbewerb in den USA lebendig halten", sagt die Analystin.

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