Sonntag, 31. Mai 2020

Deutsche Telekom Obermann und die Last der neuen Freiheit

Eine Sorge weniger: Telekom-Chef René Obermann hat die US-Mobilfunktochter für 39 Milliarden Dollar verkauft

Mit dem Verkauf von T-Mobile USA hat die Deutsche Telekom ihren internationalen Führungsanspruch im Mobilfunk endgültig aufgegeben. Die Bonner überlassen das Feld Vodafone, Telefonica und Co. - und müssen selbst mal wieder auf die riskante Suche nach einem neuen Geschäftsmodell gehen.

Hamburg - Wäre die Deutsche Telekom ein Industriekonzern, würden Analysten ihre Topmanager vermutlich für verrückt erklären. Ausgerechnet von seinem größten Markt zieht sich das Unternehmen zurück. Von einem Markt, auf dem die wichtigsten Innovationen der Branche entstehen, wo die Wirtschaft sich gerade erholt, wo die Bevölkerung wächst.

Doch der Telekom-Rückzug vom US-Mobilfunkmarkt findet die beinahe ungeteilte Zustimmung der Fachwelt. Konzernchef René Obermann entledige sich einer seiner größten Sorgen, lobt die UBS. "Eine kleinere Telekom ist mir lieber, als eine, die den Bach runtergeht", bringt Commerzbank-Analystin Heike Pauls die Sorgen der Investoren um das schwächelnde US-Geschäft der Telekom auf den Punkt.

So weit ist es inzwischen gekommen: Die Expansionsstrategie der Deutschen Telekom Börsen-Chart zeigen im Mobilfunkgeschäft ist endgültig gescheitert, die Vision von Ex-Unternehmenschef Ron Sommer geplatzt, und die gebeutelten Investoren feiern es wie eine Befreiung. Dabei ist nach dem Deal mit US-Telefonkonzern AT&T mindestens so unklar wie vorher, wohin der Weg der Telekom eigentlich führen wird und ob der von der US-Tochter befreite Obermann ihr neue Perspektiven eröffnen kann.

Zunächst wird der Konzern beim Mobilfunk Regionalanbieter mit Schwerpunkt Deutschland sowie Osteuropa. Er fällt weltweit klar hinter Konkurrenten wie Telefonica Börsen-Chart zeigen oder Vodafone Börsen-Chart zeigen zurück, die in zahlreichen Schwellenländermärkten erfolgreich sind. Das mag manchen Visionär früherer Tage schmerzen, die Anleger finden es eher beruhigend. Um bis zu 16 Prozent zog der Kurs am Montag an.

Was die Telekom mit Energieversorgern gemein hat

"Die Telekom ähnelt immer stärker einem Energieversorger", findet Telekommunikationsexperte Torsten Gerpott von der Universität Duisburg. Angestammter Markt, sicherer Cash-Flow und eine gute Dividende - das ist vom einstigen Börsenüberflieger Telekom geblieben. Solange die Kosten im Griff bleiben und die Schulden nicht zu stark wachsen, kann nicht viel Schlimmes passieren. Luft nach oben erkennt eigentlich niemand für die Telekom. "Großes Wachstumspotenzial in Europa sehe ich nicht", sagt Gerpott.

Daran wird auch der Deal mit AT&T vermutlich wenig ändern. Er ist für sich genommen zweifellos ein echter Brustlöser, wenn auch unter Kartellvorbehalt. Satte 39 Milliarden Dollar spielt die Telekom durch das Geschäft mit den Amerikaner ein. Davon fließen 25 Milliarden bar aufs Konto, den Rest gibt es in Form eines 8-prozentigen Aktienpaketes von AT&T. Damit hatten auch Optimisten nicht gerechnet.

"Wir verkaufen ein Viertel des Unternehmens und bekommen 70 Prozent des Unternehmenswertes der Telekom", schien Telekom-Finanzvorstand Timotheus Höttges selbst überrascht, dass das US-Abenteuer mit einem blauen Auge zu Ende geht. Das Unternehmen habe mit fünf potenziellen Käufern geredet, im Schnitt hätten diese fast 40 Prozent weniger als AT&T geboten.

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