Sonntag, 31. Mai 2020

Deutsche Telekom T-Mobile-USA-Verkauf für 39 Milliarden

Ein wichtiges Problem gelöst: Die Deutsche Telekom verkauft ihre Mobilfunktochter an den US-Konzern AT&T

Die Deutsche Telekom trennt sich von ihrer US-Mobilfunksparte. Sie verkauft die schwächelnde T-Mobile USA für 39 Milliarden Dollar an AT&T. Die Telekom will mit dem Erlös Schulden tilgen und Aktien zurückkaufen. Der Konzern setzt jetzt vor allem auf den Ausbau der Geschäftsfelder in Deutschland und Europa.

Bonn/New York - Die Deutschen Telekom Börsen-Chart zeigen trennt sich von ihrer US-Mobilfunksparte. Die seit geraumer Zeit schwächelnde T-Mobile USA soll für 39 Milliarden Dollar (27,5 Milliarden Euro) an den Wettbewerber AT&T veräußert werden, wie der Bonner Dax-Konzern am Sonntagabend mitteilte. Die Telekom will mit dem Verkaufserlös Schulden reduzieren und in großem Stil eigene Aktien zurückkaufen.

Im Rahmen der Vereinbarung erhält die Telekom von AT&T 25 Milliarden Dollar als Barzahlung und 14 Milliarden Dollar in AT&T-Aktien. Die Telekom soll auch einen Sitz im Board bekommen. Der Vollzug der Transaktion wird den Angaben zufolge im ersten Halbjahr 2012 erwartet. T-Mobile USA ist die Nummer vier am US-Mobilfunkmarkt und kämpft seit einiger Zeit mit Gegenwind. Allein im Schlussquartal 2010 verlor das Unternehmen netto 318.000 Vertragskunden.

Die Nachricht kam bei den Investoren gut an. Die T-Aktie schnellte am Montag in der Spitze um 16,3 Prozent auf 11,15 Euro in die Höhe. "Dieser Deal löst das vielleicht wichtigste Problem der Deutschen Telekom", sagte ein Börsianer. Außerdem erziele der Bonner Konzern mit 39 Milliarden Dollar einen sehr guten Verkaufspreis. Auch HSBC-Analyst Dominik Klarmann lobte diesen Schritt und stufte sowohl die Telekom (auf "Overweight" von "Underweight") als auch AT&T (auf "Overweight" von "Neutral") hoch.

Telekom-Chef René Obermann sagte, das Unternehmen werde durch die Beteiligung an AT&T weiter am stark wachsenden Geschäft mit dem mobilen Internet in den USA teilhaben. AT&T ist nach Verizon Wireless das zweitgrößte US-Mobilfunkunternehmen. Obermann sagte weiter, die Telekom könne sich nun stärker auf den Ausbau der schnellen Netze in Europa konzentrieren.

Telekom trennt sich von rund einem Viertel ihres Geschäfts

Mit dem Verkauf der US-Sparte trennt sich die Telekom von rund einem Viertel ihres Geschäfts. Im Geschäftsjahr 2010 erzielte T-Mobile USA einen Umsatz von 16,1 Milliarden Euro sowie ein bereinigtes operatives Ergebnis (Ebitda) von rund 4,2 Milliarden Euro.

Der vor zehn Jahren für viel Geld übernommene einstige Ertragsgarant war im hart umkämpften US-Markt immer mehr ins Hintertreffen geraten. "Wir haben die beste Lösung für unser Unternehmen, unsere Kunden und unsere Aktionäre gefunden", sagte Obermann. Nachdem bereits Lösungen für die Telekom-Beteiligungen in Großbritannien und Polen gefunden worden seien, könne die Transformation des Konzerns nun weiter vorangetrieben werden.

Telekom-Finanzvorstand Timotheus Höttges erklärte, als größter Einzelaktionär von AT&T werde der Konzern auch von der Dividendenstärke des US-Unternehmens profitieren. "Mit dem gewaltigen Erlös aus der Transaktion können wir unser Unternehmen weiter entwickeln, unsere Schulden abbauen und einen der größten Aktienrückkäufe in Deutschland und in der europäischen Telekommunikationsbranche vornehmen." Die Telekom müsse mehr werden als nur Netzbetreiber, erklärte der Finanzvorstand weiter. Eine Expansion nach Asien oder Afrika schloss er aus.

Aber bevor das Geld fließt, haben die Kartellwächter das Sagen. AT&T rechnet damit, dass der Kauf erst in zwölf Monaten abgeschlossen werden kann.

Schulden sollen um 13 Milliarden Euro sinken

Die Telekom plant den Angaben zufolge nach Vollzug der Transaktion mit dem Erlös ihre Verbindlichkeiten um circa 13 Milliarden Euro zu reduzieren. Etwa fünf Milliarden Euro seien für den Rückkauf eigener Aktien nach Vollzug und Gremienbeschlüssen in gesetzlich zulässigem Rahmen geplant, hieß es.

In der Vergangenheit hatte es wiederholt Spekulationen gegeben, T-Mobile USA könnte ein Zusammengehen mit Sprint Nextel, der amerikanischen Nummer drei, in Betracht ziehen. Die Telekom hatte zuletzt Anfang dieses Monats erklärt, weiterhin Optionen für T-Mobile USA zu prüfen, inklusive eines Komplettverkaufs.

Die Telekom hat sich von AT&T eine hohe Ausgleichszahlung zusichern lassen, sollte die vereinbarte Übernahme an kartellrechtlichen Auflagen scheitern. Drei Milliarden Dollar müsste AT&T in diesem Fall an den Bonner Konzern zahlen, wie aus einem Datenblatt des US-Konzerns zur Übernahme hervorgeht.

rei/dapd/rtr

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