Montag, 23. September 2019

Japans Elektronikindustrie Werkbank ohne Strom und Nachschub

Nach dem Beben: Rettungskräfte suchen nach Verletzten in einem Lager des Sony-Konzerns in der zerstörten Stadt Sendai

Die Katastrophe in Japan trifft nicht nur die Produktion von den Elektrofirmen Sony oder Canon, sondern auch jene von Zulieferern wie Shin-Etsu oder Seiko. Preise für Chips und andere Bauteile klettern. Das hat Folgen für iPad und Co.

Hamburg - Zwei große Industrien haben Japan seit den 80er Jahren geprägt: der Automobilbau und die Elektroindustrie. Bilder von weggeschwemmten Fuhrparks und Meldungen von tausenden zerstörten Neuwagen haben die Blicke bislang vor allem auf Toyota Börsen-Chart zeigen , Honda, Suzuki und Nissan gelenkt. Das ist verständlich, bringt es die japanische Autoindustrie nach Angaben des Verbands der Automobilindustrie (VDA) bei einer Jahresproduktion von zuletzt 8,3 Millionen Fahrzeugen immerhin auf einen Weltmarktanteil von rund 13 Prozent.

Und doch macht ein zweiter Blick, ein Blick auf die andere große Exportindustrie Japans deutlich, dass vor allem von ihr globale Auswirkungen zu erwarten sind. Im vergangenen Jahr brachten es Global Player wie Sony Börsen-Chart zeigen, Toshiba Börsen-Chart zeigen, Fujitsu Börsen-Chart zeigen, Canon Börsen-Chart zeigen oder Panasonic Börsen-Chart zeigen nach Angaben der Marktforscher von Trendforce auf einen gemeinsamen Anteil von gut 17 Prozent am weltweiten Konsumelektronikmarkt.

Und wie die Autohersteller leiden auch die Elektronikproduzenten an den Folgen von Erdbeben, Tsunami und Reaktorkatastrophe. So musste Sony Börsen-Chart zeigen am Tag nach dem Beben per Hubschrauber Hilfsmittel in seine Blu-ray-Fabrik nach Tagajyo im Nordosten Japans einfliegen, weil rund 400 Mitarbeiter im ersten Stock des Fabrikgebäudes festsaßen. Der Tsunami hatte das Erdgeschoss durchflutet.

Acht Fabriken musste Sony insgesamt schließen. Wann die Produktion wieder anläuft, ließ Konzernchef Howard Stringer bislang offen.

Die Gebäudeschäden bereiten die geringsten Sorgen

Dass die Ausfälle durchaus mehr als einen Monat andauern könnten, damit rechnet nach eigenen Angaben der Drucker- und Kamera-Hersteller Canon. Der Konzern hat ebenfalls einige Werke in den besonders von den Erdbeben und der Tsunamiflut betroffenen Provinzen stillgelegt. Das Unternehmen prüft zudem, ob es angesichts der Reaktorkatastrophe auch die Fertigung in Werke im Westen der Hauptinsel einstellen muss.

Der Wettbewerber Panasonic musste vier Werke schließen, die vom Erdbeben direkt betroffen waren. Darunter eine Objektiv- und eine Batterien-Fabrik für Elektroautos in der Stadt Sendai, die dem Erdbeben seinen Namen gab. Darunter auch eine Produktionsanlage für Lumix-Digitalkameras in der Präfektur Fukushima, also, wo das havarierte Atomkraftwerk steht.

Auch Toshiba, nach Sony der zweitgrößte Unterhaltungselektronikhersteller Japans, meldete Schäden in seiner nahe dem Epizentrum des Erdbebens gelegenen Speicherfabrik in Iwata. Die Produktion von Flachbildschirmen ruht derzeit ganz. Wann der Konzern, dessen Portfolio vom Computerchip bis zum Atomkraftwerk reicht, die Fabriken wieder öffnet, ließ das Management um Konzernchef Norio Sasaki bislang offen.

Sorgen bereiten den Unternehmen weniger die unmittelbaren Schäden an Gebäuden und Fabrikhallen. Zumal sie meist erdbebensicher konstruiert sind. Sorgen bereitet den Unternehmen inzwischen vielmehr die unsichere Stromversorgung. Auf rund 6 Prozent seiner Stromerzeugung wird Japan nach ersten Schätzungen von Analysten der Bank Sarasin verzichten müssen, bedingt durch die Kraftwerksabschaltungen und Reaktorunfälle. Die Konsequenz: Schon am Montag ordnete die japanische Regierung eine Rationierung des Stroms an - zunächst bis Ende April.

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