HP-Deutschland-Chef Volker Smid Umbau Tausender IT-Altanlagen nötig

Die Produkte vieler deutscher Firmen gelten als fortschrittlich, ihre IT-Ausstattung dagegen nicht. Im Interview zur Eröffnung der Cebit-Messe sagt Hewlett-Packard-Deutschland-Chef Volker Smid, wie alt die Dateninfrastruktur hierzulande wirklich ist - und spricht über die Angst der Konzerne vor Neuem.
Smid über Hewlett-Packard: "Wir sind nicht enthusiastisch, aber zufrieden mit den Zahlen"

Smid über Hewlett-Packard: "Wir sind nicht enthusiastisch, aber zufrieden mit den Zahlen"

Foto: REUTERS

mm: Herr Smid, Hewlett-Packard hat seine Umsatzprognose für das laufende Jahr reduziert und damit die Börse verunsichert. Kühlt sich das weltweite IT-Geschäft bereits wieder ab?

Smid: Wir sind nicht enthusiastisch, aber zufrieden mit dem Geschäftsergebnis, das wir vergangene Woche abgeliefert haben. Etwas nachdenklich stimmen uns rückläufige Computerverkäufe an Privatkunden. Insgesamt wächst HP  jedoch beim Umsatz und vor allem beim Ergebnis. Insbesondere im Geschäft mit Unternehmenskunden legen wir stark zu. Erfreulich ist auch der starke Auftragseingang im Servicegeschäft, der uns neue Umsätze in den kommenden Quartalen bringen wird.

mm: Das Hardware-Geschäft hingegen schwächelt. Ist der PC, eines Ihrer wichtigen Geschäftsfelder, ein Auslaufmodell?

Smid: Nein. Dieses Geschäftsfeld ist sehr stark von kurzfristigen Veränderungen und Nachfrageimpulsen beeinflusst. Das hat sich für uns vor allem im Konsumentengeschäft bemerkbar gemacht. Im PC-Geschäft mit Unternehmen haben wir hingegen ein sehr gutes Wachstum erzielt, die Marktführerschaft behauptet und das Ergebnis gesteigert. Das ist eine respektable Leistung. Denn in einem derart schnell drehenden Geschäft - jährlich werden derzeit rund 270 Millionen PCs hergestellt - wird der Kampf um Profitabilität immer härter. Der Wettbewerb ist sehr hart.

mm: Wie hat sich Hewlett-Packards Geschäft in Deutschland entwickelt?

Smid: Wir können sehr zufrieden sein, weil unser Geschäft in Deutschland ebenfalls deutlich wächst. Auch im Jahr 2010, das konjunkturell nicht durchgehend einfach war, konnten wir unseren Umsatz steigern. Der gestiegene Auftragseingang im Servicegeschäft wird auch künftig für wachsende Erlöse sorgen. Vor allem beim Outsourcing sehen wir eine sehr positive Entwicklung. Aber auch im Hardware-Geschäft mit den Unternehmenskunden konnten wir bei Umsatz und Gewinn zulegen.

mm: Der deutsche IT-Markt gilt als schwierig. Konkurrenten aus Asien begrenzen das Margenpotenzial, viele Geschäftskunden sind ohnehin schon gut ausgestattet. Wie wollen Sie hier beim Geschäft mit IT-Infrastruktur und Services noch zulegen?

Smid: In Deutschland besteht ein Bedarf nach Transformation. Die heutigen IT-Infrastrukturen und die damit verbundenen Anwendungen müssen fit gemacht werden für Cloud Computing. Teilweise sehen wir in deutschen Unternehmen Applikationen, die zehn bis 20 Jahre alt sind. Unseren Kunden bieten wir den Mehrwert, dass wir in Deutschland mit über 10.000 Mitarbeitern sehr stark präsent sind. Zugleich können wir als global aufgestellter Konzern hiesigen Unternehmen bestimmte Dienstleistungen aus dem Ausland anbieten. Damit sinken die Kosten.

mm: Im Preiswettbewerb dürfte HP mit indischer Konkurrenz kaum mithalten können.

Smid: Wir sind sehr kundennah aufgestellt, arbeiten an mehr als 30 Standorten allein in Deutschland. Niedrige Kosten alleine sind nicht ausschlaggebend, um eine erfolgreiche Transformation anbieten zu können. Es kommt auf die optimale Kooperation zwischen Mitarbeitern im In- und Ausland an. Jemand, der seine Leistungen nur aus dem Ausland anbieten kann, ist genauso schlecht aufgestellt wie jemand, der lediglich in Deutschland vertreten ist.

"Durchblick und Durchgriff"

mm: Ein großer Teil Ihrer Wachstumshoffnungen beruht auf Cloud Computing. Doch hierzulande herrscht bei vielen Unternehmen noch Skepsis. Sie befürchten, durch die Auslagerung ihrer Rechenkapazität auch die Kontrolle über ihre Daten zu verlieren. Wie begegnen Sie derartigen Bedenken?

Smid: Die Serviceleistungen haben sich im Bereich Cloud Computing eindeutig verbessert, sowohl hinsichtlich der rechtlichen Rahmenbedingungen als auch der technischen Möglichkeiten. Außerdem ist es fraglich, ob selbst betriebene IT-Infrastrukturen wirklich sicherer sind als Cloud Services. Die Komplexität der IT, die heute in Unternehmen vorherrscht, ist nur schwer zu beherrschen. Wir betreiben für unsere Kunden fast eine halbe Million Server, betreuen fünf Millionen Arbeitsplätze. Das schafft Skaleneffekte: Wir können ein sehr hohes Maß an IT-Sicherheit zu einem günstigen Preis anbieten.

mm: HP will künftig stärker auf mobile Lösungen setzen, hat beim Mobile World Congress in Barcelona neue Smartphones und ein Tablet vorgestellt. Werden Sie sich gegen Konzerne wie Apple  und Google  noch behaupten können?

Smid: Momentan sind die angebotenen Smartphones und Tablets noch sehr stark auf den Konsumenten, weniger auf den Geschäftskunden fokussiert. Unsere Stärke liegt darin, unsere Endgeräte mit all den anderen Produkten, die wir herstellen, zu verknüpfen. Wir haben unser Tablet mit dem Betriebssystem WebOS in die Lage versetzt, Apps abzuspielen. Zudem haben wir auch Drucker App-fähig gemacht. Die strategische Differenzierung gegenüber unseren Wettbewerbern reicht also stark über Smartphones und Tablets hinaus.

mm: Wie kann man sich einen App-fähigen Drucker vorstellen?

Smid: Viele Drucker haben einen ganz bestimmten Zweck, etwa Bordkartendrucker am Flughafen oder ein Fotodrucker im Arbeitszimmer. Solche Geräte brauchen nicht unbedingt einen Rechner, sondern haben eine eigene technische Intelligenz. Beispielsweise kann ich heute ein Foto mit dem Smartphone schießen und dann direkt an einen ePrint-Drucker schicken. Auf diesem Drucker lassen sich weitere Programme installieren, etwa eine News-App, die Nachrichten zum Ausdrucken bereitstellt. Mit derartigen Angeboten ist HP bestens für das Zeitalter des mobilen Internets aufgestellt.

mm: Was kann Ihr neuer Vorstandschef Léo Apotheker bei HP bewegen?

Smid: Wir machen heute 65 Prozent unseres Umsatzes außerhalb Nordamerikas. Léo Apotheker ist ein CEO, der viel Internationalität mitbringt. Er spricht fünf Sprachen, hat in mehreren Ländern innerhalb und außerhalb Europas gelebt. Damit hat er einen sehr guten Durchblick und Durchgriff auf alles, was außerhalb der USA geschieht und passieren muss. Er weiß, wie man international zusammenarbeitet, Perspektiven abgleicht uns sich gegenseitig zuhört. Deshalb passt er sehr gut zu HP.

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