Cebit Merkel eröffnet weltgrößte Computermesse

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat am Montagabend die Computermesse Cebit eröffnet. Schwerpunkt ist in diesem Jahr das sogenannte Cloud Computing, Partnerland die Türkei. Deren Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan löste mit seiner Eröffnungsrede heftige Reaktionen aus.
Merkel lobt, Erdogan tobt: Die beiden Staatschefs eröffneten am Abend die Computermesse Cebit. Noch bis Samstag können sich die Besucher über Neuheiten von 4200 Ausstellern informieren

Merkel lobt, Erdogan tobt: Die beiden Staatschefs eröffneten am Abend die Computermesse Cebit. Noch bis Samstag können sich die Besucher über Neuheiten von 4200 Ausstellern informieren

Foto: JOHANNES EISELE/ AFP

Hannover - "Es gibt eine unglaublich dynamische Entwicklung", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der Eröffnung der Cebit im Kongresszentrum Hannover. Die Türkei sei daher ein "Partnerland par excellence". Die wachsende Bedeutung der Internetindustrie habe sich aber auch durch die Rolle sozialer Netzwerke bei den Umwälzungen in Tunesien und Ägypten gezeigt. "Sie sind ein Schrittmacher gesellschaftlichen Wandels geworden."

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan betonte, sein Land habe weiterhin ein großes Interesse daran, neue Investoren ins Land zu holen. Der Anteil der IT-Branche an der gesamten Wirtschaftsleistung sei zuletzt deutlich gewachsen. Ziel sei es jedoch auch, "in kürzester Zeit" ein Fünftel der Exporterlöse aus diesem Sektor zu erzielen. Der Branche komme zudem eine wichtige Funktion bei der weiteren Annäherung der Türkei an die Europäische Union zu.

Merkel will Visumregeln für Geschäftsreisende überprüfen

Merkel sagte, das IT-Geschäft habe zur wirtschaftlichen Erholung nach der Krise beigetragen. Auch das Cebit-Leitthema Cloud Computing, das sich mit der Auslagerung von Rechenleistungen ins Netz befasst, habe eine große Zukunft. Angesichts der großen Zahl türkischer Messebesucher sprach sie sich dafür aus, die geltenden Visumsregeln für Geschäftsreisende zu prüfen. "Ich glaube, dass wir in Deutschland auf diesem Gebiet Fortschritte machen müssen", erklärte Merkel als Reaktion auf einen entsprechenden Vorschlag Erdogans.

Der türkische Premier hatte in seiner Eröffnungsrede gefordert, die EU solle unter anderem ihre Einreisebestimmungen lockern. "Die Türkei hat eine Zollunion mit der EU und verhandelt mit ihr (über eine Mitgliedschaft). Jetzt ist es Zeit, eine neue Perspektive zu entwickeln", sagte Erdogan unter lautem Applaus des Publikums, in dem auch viele Landsleute saßen. Zu Gast bei der Eröffnung waren auch IBM-Chef Sam Palmisano, Bundesinnenminister Thomas de Maizière und Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister.

Bei den Verhandlungen um einen möglichen EU-Beitritt der Türkei baue sein Land weiter auf die Fürsprache der Bundesrepublik, sagte der Regierungschef aus Ankara. Vor dem Kongresszentrum protestierten am Rande der Cebit-Eröffnung mehrere Dutzend Menschen gegen die Kurden-Politik der türkischen Regierung.

Erdogan fordert, dass Türken in Deutschland zuerst Türkisch lernen

Mit seinem Aufruf, Kinder seiner Landsleute in Deutschland sollten zuerst Türkisch lernen, löste Erdogan heftige Reaktionen aus. Während die Kanzlerin Merkel dies nicht so kritisch sieht, sind ihre Partei und FDP-Chef Guido Westerwelle empört. Regierungssprecher Steffen Seibert machte im Namen der Kanzlerin deutlich, dass Deutsch und Türkisch gleichzeitig und gleichwertig erlernt werden sollten. Westerwelle und auch die Union betonten hingegen, Priorität habe die deutsche Sprache.

Merkel sagte, sie setze nach wie vor darauf, dass junge Türken auch Deutsch lernen. Viele Türken aus der Gastarbeitergeneration seien heute gut integriert - auch dank ihrer deutschen Sprachkenntnisse. Dies gelte auch für IT-Unternehmer. "Viele kamen als Arbeitnehmer und sind Arbeitgeber geworden. Diese Entwicklung wollen wir fortsetzen."

Seibert sagte, die Bundesregierung sehe in Erdogans Auftritt "durchaus viel Positives". Er habe betont, dass es ohne Sprachkenntnisse und Bildung in der deutschen Gesellschaft keinen beruflichen Aufstieg geben könne.

Von Dienstag bis Samstag können sich die Besucher der Cebit auf dem Messegelände in Hannover über Produkte und Neuheiten von mehr als 4200 Ausstellern aus 70 Ländern informieren. Nach jahrelangem Schrumpfen konnte die Cebit in diesem Jahr bei der Zahl der Aussteller wieder etwas zulegen.

mg/dpa
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