Samstag, 30. Mai 2020

Probleme in USA Telekom vergrault Anleger mit gekürzter Dividende

Logo der Deutschen Telekom: Weiterhin Probleme in den USA

Die Deutsche Telekom sorgt trotz eines Gewinnsprungs für Unmut bei ihren Aktionären. Der Bonner Konzern gönnt seinen Anteilseignern weniger Dividende und überrascht mit hohen Sonderlasten. Griechenland und die USA belasten das Unternehmen unerwartet stark.

Bonn - Abschreibungen auf die griechische Tochter OTE, der Personalabbau in Deutschland und Probleme in den USA schmälerten den Gewinn im vergangenen Jahr um 1,9 Milliarden Euro, wie der einstige Staatsmonopolist am Freitag mitteilte. Der Jahresüberschuss von 1,7 Milliarden Euro fiel damit deutlich geringer aus als an der Börse erwartet.

Die T-Aktie verlor rund zwei Prozent an Wert und war damit der größte Verlierer im Dax. Angesichts der Belastungen schraubt der Telefonriese die Dividende für das abgelaufene Jahr zurück. Die Aktionäre sollen nur noch mit 0,70 (Vorjahr: 0,78) Euro je Aktie bedacht werden. Weniger geht nicht - Konzernchef Rene Obermann hat bis 2012 eine Mindest-Gewinnbeteiligung in eben dieser Höhe versprochen.

Aus Sicht der Deutschen Telekom Börsen-Chart zeigen haben die Gesellschafter keinen Grund zu Klagen, da das Unternehmen zusätzlich noch Aktien zurückgekauft hat. Insgesamt würden damit 3,4 Milliarden Euro an die Anleger ausgeschüttet, genauso viel wie 2009. Aktienrückkäufe haben für Unternehmen den Vorteil, dass für die eingezogenen Scheine keine Dividende mehr gezahlt werden muss. Auf längere Sicht könnte auch der Kurs steigen, da der Gewinn auf weniger Aktien verteilt wird.

Bescheidener Ausblick für 2011

Allerdings blieb das bei der Telekom bislang aus - die Aktie kam 2010 kaum über 10 Euro hinaus. Viele Anleger haben das Papier nur wegen der üblicherweise hohen Dividendenzahlungen im Depot. Da haben es die Anteilseigner der Telekom Italia besser, ihnen winkt mehr Geld. Der Konzern kündigte am Freitag an, die Gewinnausschüttung in den kommenden zwei Jahren jährlich um 15 Prozent anzuheben.

Für das laufende Geschäftsjahr konnte Obermann kein weiteres Gewinnwachstum in Aussicht stellen. Das bereinigte Betriebsergebnis (Ebitda) werde bei etwa 19,1 Milliarden Euro stagnieren. Der Jahresumsatz sank 2010 um fünf Prozent auf 62,4 Milliarden Euro, da die Telekom ihre britische Mobilfunktochter aus der Bilanz nahm. Ohne diesen Effekt wäre der Umsatz stabil geblieben.

USA und Griechenland bereiten Sorgen

Gar nicht gut läuft es für die Telekom in den USA und im Südosteuropa. Wegen der Wirtschaftskrise hätten beispielsweise die Griechen deutlich weniger telefoniert, weshalb Umsatz und Ergebnis der Athener Tochter OTE im vierten Quartal prozentual zweistellig einbrachen. Da es auch Probleme bei der OTE-Tochter in Rumänien gab, musste der Wert des Geschäft um 0,7 Milliarden nach unten korrigiert werden.

Dem spanischen Konkurrenten Telefonica verhagelten ähnliche Probleme in seinem ebenfalls krisengeschüttelten Heimatmarkt die Bilanz. Das europäische Branchenschwergewicht, zu dem der deutsche o2-Konzern gehört, musste stärker um Kunden buhlen, weil die Spanier nach dem Kollaps des Immobilienmarktes mehr aufs Geld achten. Der Gewinn stieg dennoch dank Einmaleinnahmen.

2010 wurden Probleme der Telekom-Mobilfunktochter T-Mobile USA immer größer. Der operative Gewinn (bereinigtes Ebitda) sank um sieben Prozent auf 5,5 Milliarden Dollar, der Umsatz stagnierte bei 21,3 Milliarden Dollar. Die Zahl der Mobiltelefonierer ging im abgelaufenen Jahr um 56.000 auf 33,73 Millionen zurück.

Besonders schmerzlich für die Telekom: Vor allem lukrative Vertragskunden kehrten dem viertgrößten US-Betreiber den Rücken, insgesamt 390.000 im vergangenen Jahr. "Das Geschäft in den USA ist eine Enttäuschung, die Vertragsentwicklung dort ist schlimmer als wir ohnehin schon befürchtet haben", sagte Michael Kovacocy von Evolution Securities. Ein dickes Plus von Kunden mit vorausbezahlten Guthaben (prepaid) verhinderte Schlimmeres. Die Ansage von Obermann an seinen neuen US-Chef Philipp Humm ist entsprechend deutlich: "Wir sind mit dem Verlust von Vertragskunden nicht zufrieden."

Ein Grund für die schleppenden US-Geschäfte von T-Mobile: Die Smartphone-Auswahl war lange Zeit mager und vor allem das beliebte iPhone von Apple Börsen-Chart zeigen fehlte dort im Angebot. Jüngst wurde die Situation noch schwieriger, da nun auch der größte US-Mobilfunker Verizon Wireless das Gerät ins Angebot nahm. Zuvor wurde es nur von AT&T verkauft.

Obermann kündigte an, gegen den Schwund anzukämpfen - auch ohne iPhone. Er sei auch offen für Partnerschaften oder andere Lösungen in den USA, sagte er. Seit vergangenem Jahr bastelt die Telekom an einer Lösung, jetzt soll es in den "kommenden Monaten" endlich Konkretes geben, so der Top-Manager. Die Übernahme des Markt-Dritten Sprint Nextel schloss Finanzchef Timotheus Höttges aber aus. Das könne die Telekom sich nicht leisten. Der Bund hält direkt und über die staatliche Förderbank KfW 32 Prozent an der Telekom, 4 Prozent hält der Finanzinvestor Blackstone.

kst/Reuters

© manager magazin 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung