Mittwoch, 22. Mai 2019

Navigationsgeräte Hollands TomTom in der Sackgasse

Routenführung: Handynavigation im Auto wird immer beliebter

2. Teil: OpenStreetMap ist ein weiterer Tiefschlag

Für TomTom ist OpenStreetMap ein weiterer Tiefschlag im Kampf gegen die Kostenlosigkeit der Konkurrenzprodukte. Besonders bitter ist, dass die Niederländer 2007 noch 2,9 Milliarden Euro für die Übernahme ihres eigenen Kartendienstanbieters Tele Atlas Börsen-Chart zeigen zahlten. Im selben Jahr legte im Übrigen auch Nokia für den Tele Atlas-Konkurrenten Navteq 5,7 Milliarden Euro auf den Tisch.

Während die Profis von Tele Atlas und Navteq in Messfahrzeugen hunderttausende Kilometer abfahren, um Straßenverläufe, Ampeln, Fußwege und Tempolimits zu erfassen, zeichnen die Hobbykartografen von OpenStreetMap einfach die GPS-Daten ihrer Navigationsgeräte auf und überspielen diese am heimischen PC auf die Server der Projektbetreiber. Unterstützt wird OpenStreetMap unter anderem von Microsoft Börsen-Chart zeigen. Der Konzern setzt die Karten für seine Suchmaschine Bing ein.

Welche Bedeutung OpenStreetMap inzwischen besitzt, wird auch darin deutlich, dass es laut einer Studie der Universität Heidelberg seit Sommer 2010 mehr Straßenkilometer kartografiert hat als TomToms Tele Atlas.

Seit Jahren fallen die Verkaufspreise zweistellig

Der Trend zur Kostenlosigkeit hat Folgen: Für 2010 prognostizierte TomTom-Finanzchefin Marina Wyatt zuletzt einen durchschnittlichen Verkaufspreisverfall für Navigationsgeräte von rund 15 Prozent, nach 21 Prozent im Jahr 2009 und 31 Prozent im Jahr 2008.

Und auch die Zahlen des Markforschungsunternehmens iSupply sprechen nicht für die Hersteller klassischer Navigationsgeräte. So schätzen die Marktforscher, dass bis Ende Jahr 2011 rund 148 Millionen Smartphones mit Navigationssoftware genutzt werden. Bis 2013 soll die Anzahl auf 269,3 Millionen steigen.

Für mobile Navigationsgeräte, den so genannten PNDs (Personal Navigation Device), rechnen die Marktforscher hingegen im Jahr 2011 letztmals mit einem weltweiten Wachstum. Der Zuwachs soll bei 1,2 Prozent liegen. Getragen wird er vor allem von den Märkten in China, Lateinamerika, dem Nahen Osten und Osteuropa. In Europa, wo TomTom vor Garmin den Markt beherrscht, und in Nordamerika, wo Garmin vor TomTom Marktführer ist, schrumpft der Absatz schon heute.

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