Allianz mit Microsoft Anleger strafen Nokia ab

Der weltgrößte Handyhersteller Nokia verbündet sich mit Microsoft. Künftig werden die Finnen das Microsoft-Programm Windows Phone 7 in den eigenen Smartphones verwenden, um dem drastischen Marktanteilsverlust entgegenzutreten. Die Aktie brach daraufhin ein.
Gemeinsam gegen Apple und Google: Nokia-Manager Stephen Elop (l.) und Kai Oistamo haben eine strategische Partnerschaft mit Microsoft vereinbart

Gemeinsam gegen Apple und Google: Nokia-Manager Stephen Elop (l.) und Kai Oistamo haben eine strategische Partnerschaft mit Microsoft vereinbart

London - Der finnische Handyhersteller Nokia hat eine weitreichende strategische Zusammenarbeit mit dem US-Softwarekonzern Microsoft angekündigt. Die Smartphones von Nokia sollen künftig überwiegend mit dem Betriebssystem Windows Phone von Microsoft laufen, kündigte Nokia am Freitag an. Nokia-Chef Stephen Elop, seit September im Amt und zuvor Manager bei Microsoft, hatte kürzlich große Schwierigkeiten eingeräumt und eine neue Strategie angekündigt.

Nokia  setzte bei den Computertelefonen bisher vor allem auf das eigene Betriebssystem Symbian, das aber als veraltet gilt. Das System solle weiter unterstützt werden, hieß es am Freitag. Auch die Arbeit an der neuen offenen Plattform MeeGo werde fortgesetzt.

Außerdem verordnet der neue Nokia-Chef Stephen Elop dem Konzern eine neue Struktur. Das Telefongeschäft wird aufgeteilt: Ein Bereich soll sich künftig mit Smartphones beschäftigen, ein anderer die Marktführung bei günstigeren einfacheren Telefonen sichern. Nokia stehe am Scheideweg, sagte Elop.

Nokia und Microsoft  dürften sich von einer Zusammenarbeit vor allem versprechen, endlich zur derzeit davoneilenden Konkurrenz von Google  und Apple  im boomenden Smartphonemarkt aufzuschließen.

Kursrutsch der Nokia-Aktie

Die Finnen haben bislang kein Rezept gegen erstarkte Konkurrenten wie Apple oder Samsung  gefunden, die mit ihren margenstarken Smartphones wie dem iPhone oder dem Samsung Galaxy S Nokia Marktanteile abjagen. Zwar steigen auch bei Nokia die weltweiten Handyverkäufe, allerdings wächst der Markt sehr schnell und bei den Finnen sorgen bislang vor allem die günstigeren Mobiltelefone der Einstiegs- und Mittelklasse für Wachstum.

Zudem hat der Internetkonzern Google erst kürzlich mit seiner Softwareplattform Android, die auf den Handys unterschiedlichster Hersteller läuft, Nokia auf Platz zwei bei den Smartphones verdrängt.

Die Aktien von Nokia sind nach der Präsentation Strategie um 9,74 Prozent auf 7,37 Euro eingebrochen. Am Markt wurde ein gemischtes Fazit der verkündeten Zusammenarbeit gezogen. Ein Händler bezeichnete das Potenzial kurz- und mittelfristig als enorm und sah die Kursentwicklung an diesem Tag nur als schnelle Reaktion an. Bernstein-Analyst Pierre Ferragu dagegen beurteilte den Schritt indes klar negativ, da die mobile Windows-Plattform in den letzten Monaten trotz Rückendeckung namhafter Hersteller wie HTC oder Samsung ebenfalls kaum Fortschritte gemacht habe.

mg/dpa-afx
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