Streit mit Oracle SAP bildet Milliardenrückstellung

Der Softwarehersteller SAP will nach den schwierigen Vorjahren 2011 wieder deutlich wachsen. Während das operative Geschäft anzieht, stellt der Konzern für den Datendiebstahl bei Oracle knapp eine Milliarde Euro zurück. Anleger will SAP-Co-Chef Bill McDermott mit einem Bonbon besänftigen.
SAP-Co-Chef McDermott: "SAP ist wieder ein Wachstumsunternehmen"

SAP-Co-Chef McDermott: "SAP ist wieder ein Wachstumsunternehmen"

Foto: DPA

Frankfurt am Main - "SAP ist wieder ein Wachstumsunternehmen", sagte Co-Vorstandschef Bill McDermott am Mittwoch bei der Vorlage der Geschäftszahlen für das abgelaufene Jahr. "Wir haben im vergangenen Jahr in allen Regionen sehr gute und solide Ergebnisse erzielt, vor allem aber in den rapide wachsenden Schwellenländern, wo Kunden noch die größte Wahlmöglichkeit haben und schnell expandieren", sagte McDermott.

Zahlreiche Unternehmen rund um den Globus geben dank der anziehenden Konjunktur nach den Krisenjahren 2008 und 2009 wieder mehr Geld für neue Software zur Produktionsplanung, Mitarbeitersteuerung und Kundenverwaltung aus.

Deshalb soll der Umsatz mit Software und Wartung 2011 den Vorjahreswert von 9,87 Milliarden Euro um 10 bis 14 Prozent übertreffen. Der mit vier Milliarden Euro bisher höchste Betriebsgewinn von 2010 soll auf 4,45 bis 4,65 Milliarden Euro steigen. Damit liegt das Ziel der Betriebsmarge zwischen 32,4 und 32,9 Prozent und das langfristige Margenziel von 35 Prozent rückt näher, mit dem SAP  zu den rentableren US-Konkurrenten Oracle  und IBM  aufschließen will.

Aktienkurs fällt

An der Börse stieß SAP mit seinem Geschäftsausblick zunächst auf ein verhaltenes Echo, nachdem bereits andere Softwareunternehmen wie Oracle und IBM über kräftige Zuwächse berichtet hatten. Am Vormittag fielen die Papiere des größten deutschen Softwarekonzerns am Dax-Ende um 0,36 Prozent auf 40,42 Euro.

Die nächste Herausforderung liege für SAP im Geschäft mit neuer Mittelstands- und Datenbanksoftware, sagte Thomas Otter, Analyst des Marktforschungsinstituts Gartner. Die Forscher rechnen für 2011 mit einem Zuwachs des weltweiten Markts für Unternehmenssoftware um 6,1 Prozent auf 236 Milliarden Dollar.

Während das operative Geschäft bei SAP nach dem Dämpfer durch die Wirtschaftskrise im Jahr 2009 inzwischen wieder rund läuft, muss der Walldorfer Konzern wegen des Diebstahls von Softwarecodes vom US-Konkurrenten Oracle eine Milliardenlast schultern.

SAP prüft Berufung gegen Oracle-Urteil

Eine US-Jury des Bezirksgerichts in Oakland in Kalifornien hatte SAP Ende November zu einer Schadenersatzzahlung in Höhe von umgerechnet einer Milliarde Euro verurteilt, eine endgültige Bestätigung dieses Geschworenenvotums steht aber noch aus.

Vorsorglich erhöhte SAP seine Rückstellung im vierten Quartal um 933 Millionen Euro. Bislang waren nur rund 120 Millionen Euro für den jahrelangen Rechtsstreit zurückgelegt worden.

Ungeachtet dessen halte SAP die von den Geschworenen gefällte Entscheidung für "unverhältnismäßig und falsch". Der Konzern beabsichtige daher, in den nächsten Wochen Anträge auf eine Reduzierung der Oracle zugesprochenen Schadensersatzzahlung oder auf die Anordnung eines neuen Jury-Verfahrens zu stellen, sobald das Gericht sein Urteil verkündet habe. Die Erfolgsaussichten der Rechtsmittel seien jedoch "völlig offen".

Um die von der ungewöhnlich hohen Schadenersatzsumme aufgeschreckten Investoren bei der Stange zu halten, will SAP die Ausschüttung für das Jahr 2010 um ein Fünftel erhöhen. Der Vorstand schlage eine Dividende von 60 Cent je Aktie vor, diesen Vorschlag muss die Hauptversammlung im Frühjahr noch absegnen. Die geplante Erhöhung der Dividende spiegele die guten Geschäfte im vergangenen Jahr und die guten Wachstumsaussichten von SAP wider, sagte Finanzvorstand Werner Brandt.

mg/dpa-afx/rtr
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