Tim Cook Apples Nummer 2

Apple-Chef Steve Jobs nimmt seine dritte gesundheitlich bedingte Auszeit. Und Apple-COO Tim Cook vertritt ihn zum dritten Mal. Eine langfristige Lösung?
Von Kristian Klooß
Tim Cook: Apples Chief Operating Officer vertritt Konzernchef Steve Jobs zum dritten Mal

Tim Cook: Apples Chief Operating Officer vertritt Konzernchef Steve Jobs zum dritten Mal

Foto: CHRIS HONDROS/ AFP

Tim Cook löst in dieser Woche Steve Jobs ab - mal wieder. Den Mann, der für Apple steht wie niemand sonst. Zwangsläufig stand der 50-jährige Chief Operating Officer Cook bislang im Schatten seines Chefs, von "iGod" Steve Jobs. Und zweimal trat Cook bislang kurz aus diesem Schatten heraus.

2004 saß Cook zwei Monate lang im Chefsessel des Konzerns, nachdem Jobs wegen einer Drüsenkrebserkrankung seine erste Auszeit genommen hatte. 2009 vertrat er ihn dann ein knappes halbes Jahr nach Jobs´ Lebertransplantation. Laut einem Bericht der "New York Times" waren es durch die Transplantation bedingte Schwankungen in Jobs Immunsystem, die nun die aktuelle Auszeit nötig machen.

Wie lange die Auszeit diesmal dauert, bleibt offen. Und so stellt sich die Frage umso drängender: Ist Tim Cook eine langfristige Lösung für die Apple-Spitze? Schließlich ist es kein Geheimnis, wie sehr der Konzern in seinen Strukturen auf Steve Jobs ausgerichtet ist, wie sehr die Produkte mit dem charismatischen Gründer verbunden sind und welches Gespür Jobs für Produktinnovationen besitzt. Frühzeitig eine Nachfolge aufzubauen, die Verantwortung im weltumspannenden Konzern auf möglichst viele Schultern zu verteilen, hat Jobs versäumt.

Vom Kostendrücker zum Konzernchef?

Über Tim Cook ist nur wenig bekannt. Er wuchs als Sohn eines Werftarbeiters in der kleinen Gemeinde Robertsdale, Alabama, am Golf von Mexiko auf. In Alabama studierte er zunächst auch Wirtschaft an der Auburn University. 1988 sattelte er an der Duke University in North Carolina noch ein Maschinenbaustudium drauf.

Zu diesem Zeitpunkt hatte seine Karriere aber schon begonnen. Zwölf Jahre arbeitete er insgesamt bei IBM  . Zuletzt war er dort verantwortlich für Produktion und Vertrieb von PCs in Nord- und Lateinamerika. Anschließend wechselte er zum US-amerikanischen Heimelektronikanbieters Intelligent Electronics. Ein weiterer Wechsel führte Cook zum Computerhersteller Compaq, wo er Vize-Präsident der Abteilung Materialbeschaffung war. Ein halbes Jahr später holte ihn Steve Jobs zu Apple nach Cupertino. Das war 1998.

Jobs verhalf dem fünf Jahre jüngeren Neuling zu einem schnellen Aufstieg. 1998 begann Cook zunächst als Vizepräsident für das weltweite operative Geschäft. Seit 2000 verantwortete er die Bereiche Verkauf, Service und Support. 2004 erhielt Cook zudem die Leitung für die Macintosh-Hardwaretechnik. Seit 2007 ist er als COO verantwortlich für das weltweite Verkaufsmanagement. Er koordiniert die Wertkette des Konzerns von der Herstellung bis zum Kundenservice.

Als Manager ist Cook längst anerkannt. Als Hewlett-Packard im vergangenen Jahr einen Vorstandsvorsitzenden suchte, gab es Gerüchte, dass der Kandidat der ersten Wahl eigentlich er gewesen wäre - und nicht der ehemalige SAP-Chef Léo Apotheker.

Dass Cook "das Genie hinter Steve ist", wie das US-Magazin Fortune schreibt, muss er allerdings noch beweisen. Bislang zeichnete er sich vor allem als Kostendrücker bei Apple aus. So machte er die weltweit verstreuten Werke des Konzerns dicht. Stattdessen lässt Apple seine "iProdukte" heute von Auftragsfertigern wie dem taiwanesischen Unternehmen Foxconn produzieren. Hier stand Apple zwar wegen der Arbeitsbedingungen im chinesischen Shenzen in der Kritik, der Qualität der Produkte schadete die Entscheidung hingegen nicht.

Die Lagerbestände ließ Cook ebenfalls auf ein Minimum reduzieren, ohne dass es zu nennenswerten Engpässen bei der Auslieferung kam.

Ein Workaholic wie Steve Jobs

Ähnlich wie Steve Jobs gilt Tim Cook als Workaholic. So beginnt er angeblich morgens ab halb Fünf erste E-Mails an seine Mitarbeiter zu versenden. Um seine Mitarbeiter auf die neue Woche einzustimmen, hielt er einst regelmäßig sonntägliche Telefonkonferenzen ab, berichtet das US-Magazin Fortune in einem längeren Porträt des Managers. Und so wie Steve Jobs, hat auch Tim Cook ein Team enger Mitarbeiter um sich versammelt. Einige von ihnen arbeiteten schon für ihn, als er noch bei IBM angestellt war.

Anders als Steve Jobs gilt Tim Cook allerdings als kühl und schweigsam. Dies kann in Konferenzen schon einmal zu unangenehmen Pausen führen, wenn nur das Rascheln der Verpackung der Power-Riegel zu hören ist, die er angeblich ständig isst. Wie Steve Jobs trägt auch Tim Cook meist Jeans.

Ein hohes Arbeitsethos, ein treues Team und Jeans allein werden Cook bei der Bewältigung der anstehenden Aufgaben jedoch kaum helfen. Denn Apple verliert zusehends jene Spielräume, die das Unternehmen sich im vergangenen Jahrzehnt dank Innovationen wie dem Musikspieler iPod (2001), dem Musik-Download-Portal iTunes (2003), dem iPhone und dem App-Store (2007) und zuletzt dem iPad (2010) erarbeitet hat. So werden iPods, iPhones und iPads inzwischen von allen Wettbewerbern in Funktion und Design nachgeahmt - zu Preisen unter jenen Apples.

Mehrere Nachfolgelösungen denkbar

Wie die Kalifornier mit den sich wandelnden Wettbewerbsbedingungen umgehen, ist offen. Und wie der Plan aussieht, den sich Apple  im Falle von Jobs langfristigem Ausscheiden zurechtgelegt hat, werden außer Jobs selbst wohl nur die Direktoriumsmitglieder des Konzerns wissen.

Denkbar sind mehrere Lösungen. So wäre ein fließender Übergang möglich, bei dem Jobs sich zunächst noch als Vorstand des Direktoriums betätigt. Ebenfalls denkbar wäre eine Doppelspitze, bei der sich Cook - als Vertreter der Ausgabenseite - weiterhin um die operativen Aspekte des Geschäfts kümmert. Ein zweiter Entscheidungsträger - als Vertreter der Einnahmenseite - wäre entsprechend für neue Produkte, Marketing und Strategie verantwortlich.

Ebenso ist es immer noch möglich, dass ein anderer als Tim Cook die erste Wahl für eine langfristige Nachfolge wäre. Innerhalb des Unternehmens kämen für diese Position zum Beispiel Design-Chef Jonathan Ive, der für die Apple Stores verantwortliche Ron Johnson oder auch Finanzvorstand Peter Oppenheimer in Betracht.

Ob Tim Cook bei einem dauerhaften Ausscheiden von Steve Jobs neuer CEO wird, hängt im Übrigen auch von einer ganz anderen Entscheidung ab. Er selbst müsste den Willen besitzen, für immer aus dem Schatten seines Mentors zu treten.

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