Montag, 22. Juli 2019

Datenklau Oracles bittersüßer Sieg über SAP

Triumph: Oracle-Chef Larry Ellison gewinnt gelegentlich nicht nur beim Segeln, sondern nun auch vor Gericht gegen den Rivalen SAP
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Triumph: Oracle-Chef Larry Ellison gewinnt gelegentlich nicht nur beim Segeln, sondern nun auch vor Gericht gegen den Rivalen SAP

Dieser Sieg ist nach dem Geschmack von Oracle-Chef Larry Ellison. Satte 1,3 Milliarden Dollar muss Rivale SAP wegen der Datenklauaffäre an den US-Softwarekonzern zahlen. Doch wie lange hat Ellison Freude an dem mit viel Show erkämpften Geld? Sein rambohaftes Auftreten geht vielen Kunden zunehmend auf die Nerven.

Hamburg - Was für eine Genugtuung für Oracle-Chef Larry Ellison: Erst nötigte er den Rivalen SAP zu einer devot anmutenden Entschuldigung in der Affäre um geklaute Daten, nun erstreitet er vor Gericht eine Schadensersatzzahlung in einer Höhe, die die Softwarebranche bisher nicht gekannt hatte. SAP muss 1,3 Milliarden Dollar nach Kalifornien überweisen, weil Mitarbeiter der Tochter TomorrowNow Daten von einer nur für Oracle-Kunden zugänglichen Website heruntergeladen hatten.

Wie viel Ellison mit seinem medienwirksam inszenierten Coup vor Gericht tatsächlich gewonnen hat, ist allerdings weit weniger eindeutig, als es die satte Rechnung an den ärgsten Rivalen ausdrückt. Zwar nützt die zehnstellige Summe dem US-Konzern im gegenwärtigen Gerangel um die Vorherrschaft im Geschäft mit Datenbanken, Soft- und Hardware. Die burschikose Art, mit der Ellison gegen den Wettbewerber vorgegangen ist, weckt jedoch auch Misstrauen bei Geschäftspartnern.

"SAP Börsen-Chart zeigen kommt definitiv schlecht weg, aber Oracle Börsen-Chart zeigen ist auch kein richtiger Gewinner", sagt Analyst Tobias Ortwein vom Beratungsunternehmen Pierre Audoin Consultants (PAC). "Die Klagerei und das Auftreten im Prozess haben bei vielen Kunden Stirnrunzeln hervorgerufen."

Dort hatte Oracle die Aktivitäten von TomorrowNow als Teil einer groß angelegten Strategie zur Kundenabwerbung gebrandmarkt. Zudem blies Ellison zur öffentlichen Hetzjagd auf Ex-SAP-Chef Léo Apotheker, der sich erfolgreich um einen Zeugenauftritt vor Gericht drückte. Als SAP-Vorstand solle er nach Überzeugung Ellisons von den Machenschaften der TomorrowNow-Leute gewusst haben. Angeblich setzte Oracle sogar Detektive auf Apotheker an. "Der Fall ist von Oracle sehr stark aufgebauscht worden", ärgert man sich in Walldorf.

Vorteil Oracle bei weiteren Übernahmen

Das alles führte letztlich zum Erfolg - zumindest vordergründig. SAP-Papiere gaben nach der Urteilsverkündung am Mittwoch gegen den Trend nach, Oracle legten zu. "Wir gehen davon aus, dass SAP seine Risikovorsorge deutlich erhöhen muss", sagt Analyst Theo Kitz von der Bank Merck Finck. Der Ruf von SAP könne Schaden genommen haben, was möglicherweise die Umsätze im vierten Quartal belaste, urteilten Michael Briest und Chris Grundberg von der UBS.

Zudem sind die Rivalen aus Kalifornien nun gestärkt, wenn sie ihr Geschäft neu ausrichten und weiter expandieren wollen. "Oracle hat nun mehr Geld in der Kriegskasse, das ist sicher für weitere Übernahmen von Vorteil", sagt Branchenanalyst Rüdiger Spies vom Beratungsunternehmen IDC. Kurzzeitig flackerten am Mittwoch sogar Gerüchte auf, SAP könne selbst zum Übernahmekandidaten werden, weil das Urteil die Kassenlage nachhaltig geschwächt habe. Der Aktienkurs erholte sich kurzfristig.

Trotz dieser Effekte hat der juristische Sieg für Oracle einen bittersüßen Beigeschmack. Verdeutlichte das rüde Auftreten doch eine Kompromisslosigkeit, die in der Branche nicht besonders gut ankommt. Im harten Wettbewerb steht Oracle aber längst nicht nur mit SAP, sondern auch mit HP und IBM Börsen-Chart zeigen.

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