Samstag, 25. Mai 2019

Wirtschaftskrimi Oracle soll Privatdetektive auf Ex-SAP-Chef angesetzt haben

Prozess-Posse: Oracle-Chef Ellison stellt HP-Chef Apotheker nach
DPA; DDP

Oracle hat nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters Privatdetektive engagiert, um Léo Apotheker vor Gericht zu zerren. Der frühere SAP-Chef soll in einem Prozess wegen Datendiebstahls aussagen. Dessen neuer Arbeitgeber HP wittert einen Rufmord-Versuch.

San Francisco - Wo ist Léo Apotheker? Die Frage stellt sich derzeit vor allem das Unternehmen Oracle Börsen-Chart zeigen. Es will den jetzigen Chef des US-Unternehmens HP Börsen-Chart zeigen und ehemaligem SAP-Lenker unbedingt vor Gericht zerren, weil es sich von seiner Aussage bessere Chancen in einem Prozess wegen Datendiebstahls gegen SAP erhofft. Doch Apotheker weigert sich, im Saal zu erscheinen - nachdem Oracle viele Monate lang die Chance verstreichen ließ, Apotheker zu befragen.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters greift Oracle nun zu aggressiven Methoden: Das Unternehmen habe Privatdetektive angeheuert, die nach Apotheker suchen und sollen, berichtet die Agentur unter Berufung auf Insider. Der Plan ist offenbar, ihm eine gerichtliche Vorladung persönlich in die Hand zu drücken.

Falls sich Apotheker in einem Umkreis von 160 Kilometern (100 Meilen) vom Gericht in Oakland aufhält. Innerhalb dieses Radius liegt die HP-Zentrale in Palo Alto. Wenn Apotheker außerhalb dieses Kreises bleibt, kann Oracle ihn auch nicht zwingen auszusagen

Oracles Anwalt David Boies wollte das weder bestätigen noch dementieren. Damit das Gericht eine Entscheidung treffen könne, sei es äußerst wichtig, dass Apotheker persönlich aussage, betonte er am Rande des Prozesses gegenüber der Agentur. Der Versuch, den Manager zu lokalisieren, sei daher "angemessen". Laut "Wall Street Journal" behauptet Boies zudem, SAP versuche mit aller Kraft, Apotheker zu verstecken.

Der Prozess dreht sich um SAPs frühere amerikanische Tochter TomorrowNow. SAP hatte im August zugegeben, dass TomorrowNow vor einigen Jahren Softwarecodes und Daten von Oracle-Rechnern auf eigene Computer heruntergeladen hatte - eine Verletzung von Oracles Urheberrechten. TomorrowNow konkurrierte seinerzeit mit der Oracle-Tochter Peoplesoft im Markt für Unternehmensanwendungen.

40 Millionen oder vier Milliarden?

Im März 2007 hatte Oracle Tomorrow Now und SAP verklagt, im Oktober 2008 wickelte SAP Tomorrow Now ab. Ungefähr zur gleichen Zeit nahmen Oracle-Anwälte Apotheker schon einmal ins Kreuzverhör. Der damalige SAP-Chef musste an Eides statt aussagen; das Verhör wurde auf Video aufgezeichnet und könnte dem US-Gericht jetzt gezeigt werden. Doch das reicht Oracle nun nicht mehr. Das Unternehmen besteht darauf, dass Apotheker live aussagt.

Apothekers neuer Arbeitgeber Hewlett Packard kritisiert das. Apotheker sei erst so hart angegangen worden, nachdem er HP-Chef wurde, sagte Verwaltungsratsmitglied Ray Lane kürzlich. In einer Mail an die "New York Times" nahm er den Ex-SAP-Manager ausdrücklich in Schutz. TomorrowNow habe zum Zeitpunkt des Datenklaus nicht unter Apothekers Aufsicht gestanden, schrieb er. Ein SAP-Sprecher sagte am Montag, Oracle missbrauche den Gerichtsprozess, um den neuen HP-Chef zu diskreditieren.

Dass Staranwalt Boies Oracle in dem Prozess vertritt, dürfte Apothekers Lust, vor Gericht zu erscheinen, nicht gerade gesteigert haben. Der Anwalt gilt als einer der aggressivsten seiner Zunft. Man nennt ihn auch den "Microsoft-Schlächter", seit der den damaligen Firmenchef Bill Gates vor Gericht regelrecht vorführte. Boies vertrat seinerzeit das US-Justizministerium in einem Monopolprozess gegen Microsoft Börsen-Chart zeigen.

Oracle-Chef Larry Ellison sagte am Montag in dem Datenklau-Prozess aus. Er sagte, die von SAP unrechtmäßig genutzten Software-Lizenzen seines Unternehmens hätten einen Wert von vier Milliarden Dollar haben können. SAP sieht den Schaden bei 40 Millionen Dollar.

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