Breitband EU öffnet Glasfaser zulasten der Telekomriesen

Die EU-Kommission will Quasi-Monopolisten zur Öffnung ihrer Glasfasernetze zwingen. Damit soll der ins Stocken geratene Aufbau superschneller Internetverbindungen vorangetrieben werden. Wettbewerber sollen einen "vernünftigen" Zugang zum Breitband erhalten.
Rückschlag für die Telekomgrößen: EU will Glasfaserzugang regulieren

Rückschlag für die Telekomgrößen: EU will Glasfaserzugang regulieren

Foto: dapd

Brüssel - Die EU-Kommission will mit neuen Vorgaben an die nationalen Aufsichtsbehörden den Ausbau von Glasfasernetzen in Europa voranbringen. So sollen die Telekomkonzerne den Preis für den Zugang zu den Netzen derart gestalten können, dass sie auch eine Prämie für das Investitionsrisiko abschöpfen können, wie die EU-Kommission am Montag in Brüssel erklärte. "Es wird zwar keine Regulierungsferien geben für die dominanten Firmen, aber die Preisregulierung wird vollständig das Investitionsrisiko widerspiegeln und wird den investierenden Unternehmen attraktive Gewinne ermöglichen", hieß es dazu.

Die Empfehlung ist zwar nicht rechtlich bindend, die nationalen Aufsichtsbehörden - in Deutschland die Bundesnetzagentur - müssen sich in der Regel aber an die Vorgaben der EU-Kommission halten. EU-Telekomkommissarin Neelie Kroes schlägt zudem ein EU-weites Programm über fünf Jahre vor, um sicherzustellen, dass frei werdende Radiofrequenzen bis 2013 für drahtlose Breitbanddienste freigegeben werden.

Die schnelle Breitband-technik sei "digitaler Sauerstoff", sagte die zuständige Kommissarin Neelie Kroes. Sie sei essenziell für den Wohlstand der EU. Damit lassen sich für Video-Konferenzen, Internet-Fernsehen oder medizinische Ferndiagnosen übertragen. Der Widerstand großer Telekomfirmen gegen die Marktöffnung ist absehbar. Sie hatten gehofft, der Ausbau der Glasfasernetze bleibe weitgehend unreguliert und ihre Monopolstellung unangetastet. Das Verlegen der Glasfaserkabel verschlingt immense Kosten. Dies solle bei den Preisen berücksichtigt werden, die Wettbewerber zahlen müssen, wenn sie die bereits verlegten Kabel der Konkurrenz nutzen wollten, heißt es im EU-Entwurf.

Die Regulierungs-Behörden sollen eine "angemessene Balance" finden, um den erforderlichen Wettbewerb zu schaffen und zugleich zu den notwendigen Investitionen zu ermutigen.

kst/ddp/rtr
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