Wachstumsschub Lichtblick für SAP

Der SAP-Konzern hat im ersten Quartal wieder mehr Software verkauft. Prompt ruft die neue Führungsspitze das Ende der Wachstumsschwäche aus. Jedoch bleiben Zweifel: Branchenkenner vermissen eine klare Zukunftsvision.

Hamburg - Eigentlich hat SAP  den Finanzmarkt positiv überrascht. Software-Verkaufserlöse und Nachsteuergewinn übertrafen die Prognosen von Analysten. "SAP ist zu Wachstum zurückgekehrt", jubiliert Finanzvorstand Werner Brandt.

In der Tat: Die heute verkündeten Quartalszahlen sind ein Erfolg für SAP. Der Softwarehersteller hat seine Absatzkrise zumindest temporär gestoppt, und dem neuen Führungsduo Jim Hagemann Snabe und Bill McDermott damit einen guten Start ermöglicht. Doch der Aktienmarkt scheint der frohen Botschaft aus Walldorf nicht so recht zu trauen: Die SAP-Aktie gab am Vormittag zeitweise mehr als 2 Prozent nach.

Auch in der IT-Branche herrscht weiter Skepsis. "Eine klare Vision für die Zukunft lässt SAP bislang noch nicht erkennen", kritisiert Tobias Ortwein, Analyst beim Beratungsunternehmen Pierre Audoin Consultants (PAC).

Wie manager magazin in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, fährt SAP derzeit eine riskante Strategie. Im Wesentlichen ruhen sämtliche Hoffnungen auf einem Mann und einem Produkt: Der machtvolle SAP-Gründer und Aufsichtsratschef Hasso Plattner will die Innovationskraft des Unternehmens verbessern, neue Technologien fördern - und im Juli endlich die internetbasierte Software "Business by Design" auf den Markt bringen.

Bereits jetzt hinkt SAP aktuellen Marktentwicklungen hinterher. Auf den Trend zur so genannten On-demand-Software, die nicht stationär installiert, sondern im Internet gemietet wird, hat das Unternehmen zu träge und zu unentschlossen reagiert. Jahrelange Verzögerungen und technische Probleme bei "Business by Design" haben viele Kunden verunsichert. Sollte das Hoffnungsprodukt nun am Markt scheitern, verlöre das Unternehmen nicht nur seine technologische Glaubwürdigkeit, sondern auch die Zukunftsperspektive.

Ob es SAP tatsächlich gelingt, das Vertrauen seiner Klientel nachhaltig zurück zu gewinnen, wird sich erst in den kommenden Quartalen zeigen. Branchenexperte Ortweil hat Zweifel: "Vielen Kunden ist bis heute nicht klar, in welche Richtung SAP steuert".

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