Test Netzwerke schützen Daten nur mangelhaft

Ohne soziale Netzwerke geht im Internet kaum noch etwas: Knapp ein Viertel der Deutschen nutzen sie regelmäßig, bei Jugendlichen liegt der Anteil dreimal so hoch. Facebook und Co. weisen laut Stiftung Warentest aber erhebliche Mängel beim Datenschutz auf - und machen es Hackern leicht, auf persönliche Daten ihrer Nutzer zuzugreifen.

Berlin - Soziale Netzwerke gehören zu den populärsten Internetseiten. Innerhalb weniger Jahre haben sie sich in der Nutzung an die Spitze aller Onlineangebote katapultiert, nur noch übertrumpft vom allgegenwärtigen Google . Das Prinzip ist simpel. Die Netzwerke stellen ihren Nutzern Speicherplatz für Fotos, Videos und Erlebnisberichte zur Verfügung. Diese können sich dann mit den anderen Mitgliedern der Community, der Gemeinschaft, austauschen. Personen, denen das Mitglied Einblick in das persönliche Profil gestattet, werden Freunde genannt. So verfügen Netzwerker häufig über einen riesigen Freundeskreis.

Zum ersten Mal haben sich Mitarbeiter der Stiftung Warentest als Hacker betätigt - mit Erlaubnis. Um herauszubekommen, ob soziale Netzwerke die Daten ihrer Nutzer ausreichend gegen Angriffe von außen schützen, haben die Tester versucht, in die Computersysteme der Anbieter einzudringen. Allerdings nur, wenn der Betreiber zuvor seine Zustimmung gegeben hatte. Denn auch für einen Test wäre es unrechtmäßig, fremde Daten auszuspähen.

Nur sechs der zehn geprüften Netzwerke erteilten die Erlaubnis. Die Ablehner wurden wegen mangelnder Transparenz abgewertet. Dazu gehören auch die großen US-amerikanischen Netzwerke Facebook, Myspace und LinkedIn.

Bei Jappy hat es nur eine Woche gedauert, den Passwortschutz zu umgehen - mit einfachen Mitteln: einem Computer und einer simplen, selbstentwickelten Software. Die Tester hätten jedes beliebige Nutzerkonto übernehmen und auf die gespeicherten Daten zugreifen können.

Bei Stayfriends wäre es mit etwas mehr Aufwand ebenfalls möglich gewesen. Bei den Lokalisten und wer-kennt-wen.de hätten die Tester vor allem die Konten übernehmen können, die von den Nutzern mit einem zu einfachen Passwort versehen wurden. Auffällig ist der ungeschützte Zugang für mobile Endgeräte wie Handys bei allen geprüften Netzwerken, die dies bieten. Und das, obwohl hier dieselben Daten geschützt werden müssen.

Beim Datenschutz haben die meisten Netzwerke Mängel. So schränken Facebook, Myspace und LinkedIn die Rechte der Nutzer stark ein, genehmigen sich selbst aber weitreichende Rechte, vor allem bei der Weitergabe der Daten an Dritte. Zu welchem Zweck, sagen sie nicht. Bei Facebook zum Beispiel heißt es: "Du gibst uns eine nicht-exklusive, übertragbare, unterlizenzierbare, unentgeltliche, weltweite Lizenz für die Nutzung jeglicher IP-Inhalte, die du auf oder im Zusammenhang mit Facebook postest". Unter IP-Inhalte ist das geistige Eigentum beispielsweise an Texten und Bildern gemeint.

Dreist ist auch folgende Klausel von LinkedIn: "LinkedIn kann die Vereinbarung mit oder ohne Grund, jederzeit, mit oder ohne Mitteilung kündigen." Der Bundesverband der Verbraucherzentrale hat im vergangenen Jahr fünf Netzwerke wegen verbraucherfeindlicher Klauseln in den allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) abgemahnt. Einige AGB sind daraufhin besser geworden. Die amerikanischen Seiten änderten aber kaum etwas. Myspace ist jetzt sogar schlechter.

Es gibt auch positive Beispiele

Die Netzwerke sind nicht immer kostenlos, selbst dann nicht, wenn es draufsteht. Die Mitglieder zahlen häufig indirekt mit ihren privaten Daten, mit denen die Betreiber passgenaue Werbung schalten können. Hierfür sollten sie eine Einwilligung der Nutzer vorsehen. Die meisten Netzwerke bieten das aber nicht. Oft können die Nutzer die Werbung nur über einen Widerspruch verhindern - oder gar nicht.

Freundschaften über soziale Netzwerke sind für Jugendliche inzwischen fast ein Muss: Nach einer Studie der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen nutzen 85 Prozent der 12- bis 24-Jährigen sie mehrmals pro Woche und verbringen dabei täglich rund zwei Stunden im Netz. Fast jeder hat schon Erfahrungen mit Cyber-Mobbing gemacht, 30 Prozent mit Belästigungen und 13 Prozent mit Fotos, die ohne ihr Einverständnis veröffentlicht wurden.

Zwar sind alle Netzwerke bemüht, jugendgefährdende Inhalte zu beseitigen. Doch der Jugendschutz krankt schon daran, dass es keine effektive Möglichkeit der Alterskontrolle gibt: Einen Personalausweis haben Jugendliche in der Regel erst mit 16 Jahren. Bis zu diesem Alter können Anbieter nicht sicherstellen, dass jemand, der vorgibt, 14 zu sein, auch wirklich 14 Jahre alt ist. Xing, StudiVZ und LinkedIn wenden sich ausschließlich an Erwachsene. Sie könnten das Alter ihrer Mitglieder sicher identifizieren - geeignete Verfahren, etwa PostIdent, nutzen sie aber nicht, weil es Geld kostet und für Nutzer umständlich ist.

Es gibt auch positive Beispiele im Umgang mit privaten Daten. Die Netzwerke StudiVZ und SchülerVZ bieten dem Nutzer Einflussmöglichkeiten auf die Verwendung seiner Daten, die Verwertungsrechte verbleiben bei ihm, und sie geben kaum Daten an Dritte weiter. Beim Datenschutzmanagement ist StudiVZ deutlich besser als die meisten anderen Netzwerke.

Nach früheren Problemen mit dem Datenschutz haben die VZ-Netzwerke Softwarequalität Datensicherheit vom Tüv-Süd prüfen lassen. Eine Sicherheitsgarantie bedeutet das aber nicht - denn wichtige Sicherheitsaspekte überprüft der Tüv gar nicht. Da im Internet jederzeit Änderungen möglich sind, können Zertifizierungen, wie auch die Testergebnisse der Stiftung Warentest, nur eine Momentaufnahme darstellen.

Ein Netzwerk, das Informationsaustausch und Datenschutz in Einklang bringt, existiert noch nicht. Solange es solche Netzwerke nicht gibt, muss der Nutzer selbst aktiv werden. Um sein Profil vor ungewollten Einblicken abzuschotten, sollte er die Angabe persönlicher Daten auf das unbedingt Nötige beschränken und sein Profil nur für vertraute Personen sichtbar machen.

Die Europäische Agentur für Internetsicherheit (Enisa) geht noch weiter. Sie empfiehlt, die Netzwerke nur unter Pseudonym zu nutzen und nur Freunden mitzuteilen, wer sich dahinter verbirgt. Außerdem ist es ratsam, die Netzwerke mit verschiedenen Profilen zu nutzen und dabei Berufliches und Privates streng zu trennen. Dass die großen amerikanischen Netzwerke beim Datenschutz am schlechtesten abschneiden, verwundert nicht: Datenschutz spielt in den USA traditionell eine untergeordnete Rolle. Die wirtschaftliche Nutzung von persönlichen Daten als Gegenleistung für einen kostenlosen Dienst akzeptieren Amerikaner viel eher als Deutsche.

Tabelle: Datenschutz bei Onlinenetzwerken Ratgeber: Neun Tipps des BSI

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