Telekom-Strategie Aufgewärmt und frisch verpackt

René Obermann hat die Telekom-Strategie für die nächsten fünf Jahre vorgestellt: Mobiles Internet, Breitbandversorgung und IT-Dienstleistungen sollen dem Konzern zum Wachstum verhelfen. Außer altbekannten Schlagworten hatte Obermann aber nur wenig zu bieten.

Hamburg/Bonn - "Das mobile Internet ist unser zentraler Wachstumstreiber. Dafür investieren wir Milliarden im In- und Ausland." Telekom-Chef René Obermann spricht den Investoren aus der Seele. Auf einem gesättigten Markt kann sein Konzern mit klassischen Festnetz- und Mobilfunkangeboten nicht mehr wachsen. Will die Deutsche Telekom  jedoch außerhalb ihres Kerngeschäfts erfolgreich sein, muss sie kräftig investieren. Darüber sind sich Vorstand, Mitarbeiter und Anteilseigner einig.

Allerdings stammen Obermanns Worte nicht von der heutigen Vorstellung der Langfriststrategie seines Unternehmens. Er formulierte sie bereits im Mai 2008.

Viel mehr als das war von Obermann heute, knapp zwei Jahre später, allerdings nicht zu erfahren. Der Telekom-Chef stellte am Mittwoch auf dem Investorentag der Telekom die Strategie vor, über die sich der Vorstand monatelang den Kopf zerbrochen hat und die von der Branche mit Spannung erwartet worden war - und enttäuschte.

In den nächsten Jahren werde der Konzern vor allem in den Bereichen mobiles Internet, Breitbandversorgung und IT-Dienstleistungen wachsen, so Obermanns Kernaussage. "Mit ihnen wollen wir den Umsatz im Kerngeschäft, der in den nächsten Jahren noch stärker unter Druck geraten wird, wettmachen beziehungsweise überkompensieren."

Die Bonner setzen dabei auf die Ausweitung von Angeboten wie Internetfernsehen, Musik- und Softwaredownloads sowie intelligente Netzlösungen für Medien und Autofahrer. In den nächsten Jahren werde es eine massiv steigende Nachfrage im globalen Datenverkehr geben, sowohl im Festnetz als auch im Mobilfunk, allerdings auf einem sinkenden Preisniveau.

So weit, so unspektakulär. Dass die Mobilfunkbranche ihr Heil in mobilen Datendiensten sucht, ist hinlänglich bekannt. Mit Angeboten wie "Vernetztes Leben und Arbeiten" bietet die Telekom zudem bereits Webprodukte an, mit deren Hilfe man Musik, Bilder, Videos, Dokumente hochladen und abspielen kann. Mit dem auf der Cebit vorgestellten Deutschland-Lan hat der Konzern auch schon einen Cloud-Service für kleine und mittlere Unternehmen im Programm. Dass die Telekom ihre Webdienste ausbauen und weiterentwickeln will, verkündet sie regelmäßig.

Bei den Erlöszielen wird Obermann konkreter

Inhaltlich hatte Obermann also nur wenig Neues zu bieten. Konkreter wurde der Telekom-Chef, als es um langfristig angepeilte Erlöse ging. Der Bonner Konzern werde den Umsatz in den Wachstumsbereichen auf knapp 30 Milliarden verdoppeln, ab 2015 solle der Konzernumsatz so schnell wachsen wie das Bruttoinlandsprodukt. In Deutschland werde der Umsatz in den kommenden Jahren stagnieren, ab 2012 aber wieder zulegen. Hehre Ziele, vergleicht man die Zahlen mit den Ergebnissen aus 2009: Im vergangenen Jahr fielen die Erlöse hierzulande noch um 4 Prozent auf 28 Milliarden Euro.

Auf der Ausgabenseite stehen Milliardenausgaben. Obermann kündigte Investitionen in Höhe von rund zehn Milliarden Euro innerhalb der nächsten drei Jahre in Deutschland an, etwa für den Aufbau von Glasfasernetzen. Die neue Technik, die VDSL ergänzen soll, werde bis 2012 etwa 10 Prozent aller deutschen Haushalte erreichen, so Obermann. Ein klarer Angriff auf die Kabelanbieter, die zunehmend mit den Mobilfunkunternehmen um die Breitbandversorgung der Haushalte buhlen.

Damit hängt auch Obermanns Ziel zusammen, in drei Jahren Marktführer beim Pay-TV sein zu wollen. Bis 2015 peilt die Telekom insgesamt fünf Millionen Kunden in diesem Bereich an. Ende 2009 waren es noch rund eine Million. "Das halte ich für schwierig", sagt Dresdner-Bank-Analyst Thomas Liskamm im Gespräch mit manager magazin. "Im Gegensatz zu Konkurrenten wie Sky, bei denen man nur eine Settop-Box braucht, ist für Pay TV von der Telekom ein DSL-Anschluss nötig." Das sei eine große Hürde für potenzielle Kunden, besonders für die ältere Generation.

Grundsätzlich kann Liskamm in Obermanns Plänen nichts wesentlich Neues entdecken. "Er setzt lediglich andere Akzente mit verschobenen Schwerpunkten, weg vom traditionellen Festnetzgeschäft."

Dass der Telekom-Chef seine Pläne auf dem Investorentag vorstellte, ist kein Zufall. Obermann will mit dem neuen Label insbesondere die Anteilseigner umgarnen, die schon mit der versprochenen Mindestdividende von 70 Cent bis 2012 üppig bedacht werden. Um sie abermals bei Laune zu halten, drückt der Manager der Telekom einen neuen Stempel auf - und verfährt im Grunde weiter wie bisher. Die Börsianer nahmen die Strategie am Mittwoch kühl auf. Kurz nach Bekanntwerden der Pläne verlor die Telekom-Aktie  gegen den Markttrend 0,3 Prozent.

Dabei dürften die Pläne vor allem die rund 128.000 Mitarbeiter in Deutschland interessieren. Welche Auswirkungen die Strategie auf ihre Arbeitsplätze hat, ist nämlich noch nicht abzusehen. Denn wenn das Festnetzgeschäft zusehends an Bedeutung verliert, sind Stellenstreichungen wahrscheinlich. In den vergangenen Jahren baute die Telekom im Durchschnitt 10.000 Stellen jährlich ab. Zu etwaigen Kosteneinsparungen äußerte sich Obermann am Mittwoch allerdings nicht.

Mehr lesen über