Teldafax Wenn nur noch Frau Tausendfreund hilft

Der Name Teldafax weckt bei ehemaligen Aktionären ungute Erinnerungen. Seit drei Jahren agieren die Troisdorfer nun im Wesentlichen als Mittler zwischen Stromerzeugern und Endabnehmern. Das Geschäftsgebaren des einstigen Highflyers der New Economy ist dabei zumindest umstritten.

Die gute Nachricht vorneweg: Die Troisdorfer Firma Teldafax gehört zu den günstigsten Stromanbietern Deutschlands. Wer zu dem Newcomer in der Branche wechselt, kann mitunter mehrere Hundert Euro im Jahr sparen.

Leider ist der Billigversorger aber auch in einem ganz anderen Sinne rekordverdächtig: Es gibt wohl keinen Konkurrenten, über den sich so viele Kunden beklagen. Die Vorwürfe reichen von ausbleibenden oder falschen Abschlussrechnungen, nicht erfolgten Rückzahlungen von Guthaben bis hin zur Abzocke.

Ist da ein Unternehmen nur zu schnell gewachsen und kommt angesichts der rasant steigenden Kundenzahl mit dem Service nicht mehr hinterher? Oder steckt hinter dem Geschäftsgebaren von Teldafax tatsächlich System?

Der Name Teldafax weckt bei ehemaligen Aktionären ungute Erinnerungen. Der einstige Highflyer der New Economy - damals noch eine Telekommunikationsfirma - legte 2001 eine spektakuläre Pleite hin. Die Firma wurde von der Börse genommen, die Anteilscheine verloren komplett ihren Wert. 2003 erwachte das Unternehmen wieder. Ein Gesellschafterkonsortium um den Schweizer Anton Stiffler kaufte den Namen und übernahm die noch verbliebene Restkundschaft.

Über 600.000 Kunden in nur knapp drei Jahren

Doch mit Festnetzanschlüssen und Breitbanddiensten war im hart umkämpfen Telekommunikationsmarkt kein Geld zu verdienen. Im Gegenteil: Das Unternehmen machte Verluste. Daher schwenkte man um. Seit Februar 2007 agiert Teldafax im Wesentlichen als Mittler zwischen Stromerzeugern und Endabnehmern; ein eigenes Netz besitzt die Firma nicht.

Mit seinen aggressiven Preisen lockte Teldafax in nur knapp drei Jahren über 600.000 Kunden an, und wohl mindestens so schnell wie die Abnehmerzahlen stieg die Schar der Beschwerdeführer. Dabei läuft am Anfang immer alles reibungslos. Der Neukunde erhält von Teldafax nur wenige Tage nach seiner Anmeldung ein überaus freundliches Begrüßungsschreiben. Und alsbald bucht das Unternehmen auch die fälligen Gebühren vom Konto des Kunden ab.

Ungemach hingegen kann erfahren, wer seinen Vertrag bei Teldafax kündigt. Hat der Kunde dann eine Rückforderung, weil er weniger Strom verbraucht hat als in den Abschlagszahlungen eingepreist, kann es fünf oder sechs Monate dauern, bis die Abschlussrechnung eintrudelt - und im schlimmsten Fall kommen die Kunden erst zu ihrem Geld, nachdem sie einen Ombudsmann eingeschaltet haben, rechtliche Schritte androhen oder tatsächlich vor Gericht gehen.

Doch wer rennt schon gleich zum Anwalt? Normalerweise schreibt man erst mal einen Brief oder eine E-Mail. Gibt es nach mehreren schriftlichen Versuchen keine Antwort, und das scheint bei Teldafax mehr als häufig vorzukommen, wendet sich der genervte Kunde an die Telefon-Hotline. Die aber ist fast immer überlastet. Irgendwann, nach endlosen Warteschleifen, ist dann doch eine Stimme am anderen Ende der Leitung zu hören. Oft unfreundlich, praktisch immer unverbindlich. Man werde sich der Sache annehmen, heißt es fast unisono. Das Problem aber bleibt in der Regel ungelöst.

Eine andere Variante der Cash-Sicherung

Mit dem Sachverhalt konfrontiert, verweist Klaus Bath, der Vorstandsvorsitzende von Teldafax, auf das "extreme Wachstum" der Firma. Man habe, so Bath, "den Personalstamm von 80 auf 470 Mitarbeiter aufgebaut", aber es dauere eben eine Zeit lang, bis die Angestellten ausgebildet seien. Eine Erklärung, die nicht wirklich überzeugt: Warum bleiben Kundenreklamationen liegen, wenn doch die Gebühren seitens Teldafax sofort abgebucht werden und Mahnungen blitzschnell rausgehen?

Beispiel: Es gibt Teldafax-Kunden, die hohe Abschläge bezahlen, weil zu überhöhte Verbrauchswerte prognostiziert wurden. Widerruft jemand nach langer und ergebnisloser Kommunikation mit dem Teldafax-Callcenter die Einzugsgenehmigung, oder überweist er geringere Gebühren, liegt meist schon kurz darauf eine Mahnung im Briefkasten. Und die hat es in sich. Bereits mit dem ersten Anschreiben fallen Mahngebühren und Verzugszinsen an. Obendrein wird in rüdem Ton damit gedroht, dass Teldafax "zur Sperrung" des Stromanschlusses berechtigt sei.

Teldafax-Vormann Bath kann gar nicht verstehen, was an solchem Wording anstößig sei. Es gebe schließlich "vom Gesetzgeber her keine Erfordernis, wie die Formulierung auszusehen habe", kontert er schnippisch. Man kann die Dinge so oder so betrachten. Festzuhalten bleibt, dass Teldafax mit seinen Praktiken immer mal wieder die Grenzen des Zulässigen erreicht.

So beklagten sich Stadtwerke-Kunden über Drückerkolonnen, von denen sie an der Haustüre bedrängt worden seien, mit dem Ziel, einen neuen Vertrag zu unterschreiben. Die Verkäufer ließen die Angesprochenen offensichtlich in dem Glauben, sie seien Mitarbeiter der Stadtwerke. Tatsächlich aber schien es sich um Teldafax-Emissäre zu handeln. Mehrere Verfahren in dieser Sache vor dem Landgerict Bochum laufen noch. Auch die zehn Euro, die Teldafax für die Auflösung von Strom- und Gasverträgen verlangte, erwiesen sich als rechtswidrig. Auf Druck der Bundesnetzagentur musste die Firma die sogenannte Prüfgebühr wieder abschaffen.

Eigentlich gibt es nur eine Erklärung für das umstrittene Geschäftsgebaren von Teldafax: Das Unternehmen braucht Cash, um seinen möglicherweise überzogenen Wachstumskurs (Umsatz 2009: rund 400 Millionen Euro) zu finanzieren. Die Zahlen jedenfalls sprechen ihre eigene Sprache: Der Energieversorger schreibt seit 2003 rote Zahlen, erst im vergangenen Jahr musste das Kapital um 27,5 Millionen Euro erhöht werden. "Wir sind liquide", behauptet Vorstandsvorsitzender Bath.

Aber kann es möglicherweise sein, dass Teldafax Kundengelder nicht rechtzeitig zurücküberweist, um die Rechnungen seiner Vorlieferanten zu bezahlen? Bath weist solche Überlegungen weit von sich. Interessant sind jedenfalls die Facetten des Teldafax- Geschäftsmodells: Besonders günstige Tarife sind meist mit der Bedingung verbunden, dass der Kunde vorab einen Sonderabschlag von 200 Euro bezahlt, den er erst am Ende der Vertragslaufzeit wieder erstattet bekommt - wenn er Glück hat. Ein Sinn sei es, so Bath, "dem Unternehmen Liquidität zuzuführen".

Eine andere Variante der Cash-Sicherung besteht in der Vorauskasse der gesamten jährlichen Stromgebühren. Dies allerdings ist einigen Kunden bei Vertragsabschluss nicht bewusst, weil sie die entsprechende Passage in den nicht gerade vor Transparenz strotzenden Teldafax-Verträgen überlesen haben.

Wer immer sich im Teldafax-Gestrüpp verheddert, sollte nicht klein beigeben. Denn es gibt einen Ausweg: Auf Klagen in Internetforen reagiert nicht selten eine Dame mit dem bezeichnenden Namen Judith Tausendfreund. Sie gehört zur Presseabteilung von Teldafax, deren Mitarbeiter unter anderem die Aufgabe obliegt, negative Publizität möglichst zu unterbinden. Also hilft Frau Tausendfreund, wo sie nur kann. Wem der Umweg über ein Web-Forum zu mühselig ist, kann es auch direkt in der Presseabteilung versuchen. Dort melden sich sehr freundliche Menschen, die fast alle Probleme binnen Kurzem lösen. Und: Der Anruf ist in der Regel wesentlich billiger als bei der Hotline, denn die ist seit Anfang Januar kostenpflichtig.

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