Donnerstag, 14. November 2019

Teldafax Wenn nur noch Frau Tausendfreund hilft

2. Teil: Eine andere Variante der Cash-Sicherung

Mit dem Sachverhalt konfrontiert, verweist Klaus Bath, der Vorstandsvorsitzende von Teldafax, auf das "extreme Wachstum" der Firma. Man habe, so Bath, "den Personalstamm von 80 auf 470 Mitarbeiter aufgebaut", aber es dauere eben eine Zeit lang, bis die Angestellten ausgebildet seien. Eine Erklärung, die nicht wirklich überzeugt: Warum bleiben Kundenreklamationen liegen, wenn doch die Gebühren seitens Teldafax sofort abgebucht werden und Mahnungen blitzschnell rausgehen?

Ein Fall für Justitia: Mehrere Verfahren vor dem Landgerict Bochum laufen noch
DDP
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Beispiel: Es gibt Teldafax-Kunden, die hohe Abschläge bezahlen, weil zu überhöhte Verbrauchswerte prognostiziert wurden. Widerruft jemand nach langer und ergebnisloser Kommunikation mit dem Teldafax-Callcenter die Einzugsgenehmigung, oder überweist er geringere Gebühren, liegt meist schon kurz darauf eine Mahnung im Briefkasten. Und die hat es in sich. Bereits mit dem ersten Anschreiben fallen Mahngebühren und Verzugszinsen an. Obendrein wird in rüdem Ton damit gedroht, dass Teldafax "zur Sperrung" des Stromanschlusses berechtigt sei.

Teldafax-Vormann Bath kann gar nicht verstehen, was an solchem Wording anstößig sei. Es gebe schließlich "vom Gesetzgeber her keine Erfordernis, wie die Formulierung auszusehen habe", kontert er schnippisch. Man kann die Dinge so oder so betrachten. Festzuhalten bleibt, dass Teldafax mit seinen Praktiken immer mal wieder die Grenzen des Zulässigen erreicht.

So beklagten sich Stadtwerke-Kunden über Drückerkolonnen, von denen sie an der Haustüre bedrängt worden seien, mit dem Ziel, einen neuen Vertrag zu unterschreiben. Die Verkäufer ließen die Angesprochenen offensichtlich in dem Glauben, sie seien Mitarbeiter der Stadtwerke. Tatsächlich aber schien es sich um Teldafax-Emissäre zu handeln. Mehrere Verfahren in dieser Sache vor dem Landgerict Bochum laufen noch. Auch die zehn Euro, die Teldafax für die Auflösung von Strom- und Gasverträgen verlangte, erwiesen sich als rechtswidrig. Auf Druck der Bundesnetzagentur musste die Firma die sogenannte Prüfgebühr wieder abschaffen.

Eigentlich gibt es nur eine Erklärung für das umstrittene Geschäftsgebaren von Teldafax: Das Unternehmen braucht Cash, um seinen möglicherweise überzogenen Wachstumskurs (Umsatz 2009: rund 400 Millionen Euro) zu finanzieren. Die Zahlen jedenfalls sprechen ihre eigene Sprache: Der Energieversorger schreibt seit 2003 rote Zahlen, erst im vergangenen Jahr musste das Kapital um 27,5 Millionen Euro erhöht werden. "Wir sind liquide", behauptet Vorstandsvorsitzender Bath.

Aber kann es möglicherweise sein, dass Teldafax Kundengelder nicht rechtzeitig zurücküberweist, um die Rechnungen seiner Vorlieferanten zu bezahlen? Bath weist solche Überlegungen weit von sich. Interessant sind jedenfalls die Facetten des Teldafax- Geschäftsmodells: Besonders günstige Tarife sind meist mit der Bedingung verbunden, dass der Kunde vorab einen Sonderabschlag von 200 Euro bezahlt, den er erst am Ende der Vertragslaufzeit wieder erstattet bekommt - wenn er Glück hat. Ein Sinn sei es, so Bath, "dem Unternehmen Liquidität zuzuführen".

Eine andere Variante der Cash-Sicherung besteht in der Vorauskasse der gesamten jährlichen Stromgebühren. Dies allerdings ist einigen Kunden bei Vertragsabschluss nicht bewusst, weil sie die entsprechende Passage in den nicht gerade vor Transparenz strotzenden Teldafax-Verträgen überlesen haben.

Wer immer sich im Teldafax-Gestrüpp verheddert, sollte nicht klein beigeben. Denn es gibt einen Ausweg: Auf Klagen in Internetforen reagiert nicht selten eine Dame mit dem bezeichnenden Namen Judith Tausendfreund. Sie gehört zur Presseabteilung von Teldafax, deren Mitarbeiter unter anderem die Aufgabe obliegt, negative Publizität möglichst zu unterbinden. Also hilft Frau Tausendfreund, wo sie nur kann. Wem der Umweg über ein Web-Forum zu mühselig ist, kann es auch direkt in der Presseabteilung versuchen. Dort melden sich sehr freundliche Menschen, die fast alle Probleme binnen Kurzem lösen. Und: Der Anruf ist in der Regel wesentlich billiger als bei der Hotline, denn die ist seit Anfang Januar kostenpflichtig.

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