SAP-Chef Apotheker "Rückkehr zum Wachstum"

Im Jahr 2010 will SAP Wachstumsschwäche und Produktprobleme hinter sich lassen. Vorstandschef Léo Apotheker erklärt im Interview, wie der Walldorfer Software-Hersteller neue Kunden gewinnen will - und wann das Hoffnungsprodukt "Business by Design" endlich den Massenmarkt erreichen soll.

mm: Herr Apotheker, Sie hoffen auf ein starkes Jahr 2010. Woher rührt der Optimismus?

Apotheker: Wir haben uns vorgenommen, dass wir in diesem Jahr währungsbereinigt um 4 bis 8 Prozent wachsen wollen. Das wollen wir weltweit schaffen mit neuen Produkten, neuen Segmenten, neuen Ideen. Das ist eine starke Ambition, aber wir können das schaffen. 2010 bedeutet für uns die Rückkehr zum Wachstum.

mm: Sie haben in der heutigen Pressekonferenz von einem internen Transformationsprozess gesprochen, den SAP  in diesem Jahr fortsetzen wird. Was kann man sich darunter vorstellen?

Apotheker: Die SAP ist ein innovatives Unternehmen und soll das auch bleiben. Das bedeutet, dass wir immer näher an den Kunden heranrücken und unsere Innovationen beschleunigen müssen, damit wir das richtige Produkt zur richtigen Zeit auf den Markt bringen können. Dazu muss man sich transformieren und stärker in Richtung "Lean Management" rücken. Das bedeutet dass man als Unternehmen schlanker und agiler wird.

mm: Sie beobachten nach wie vor, dass Ihre Kunden nur vorsichtig investieren. Beruhen Ihre Hoffnungen eher auf den Plänen zur Verschlankung - oder auf einer möglichen Verbesserung der Wettbewerbsposition?

Apotheker: Beides. Man kann die Wettbewerbssituation nicht verbessern, ohne über schlanke und effiziente Prozesse zu verfügen. Wir wollen unsere Position weiterhin verstärken. Die SAP hat heute ein Niveau erreicht, an dem wir so wettbewerbsfähig sind wie nie zuvor. Wir haben das klar bewiesen im vierten Quartal, unsere Zahlen deuten darauf hin. Wir gewinnen wieder viele neue Deals dazu.

mm: Welche Regionen sind dabei besonders bedeutend?

Apotheker: Gerade in den BRIC-Staaten gibt es viel neues Geschäft für uns. Aber auch in den reifen Märkten - wie zum Beispiel Deutschland - gibt es für die SAP Wachstumsmöglichkeiten. Weltweit wollen wir mittelfristig etwa eine Milliarde Kunden mit unserer Software zu erreichen - beispielsweise über mobile Endgeräte.

SAP, das Risiko und die Banken

mm: Eine große Gruppe innerhalb Ihres Kundenstamms sind die Finanzdienstleister, die stark unter Druck geraten sind und über Jahre hinweg nicht mehr die frühere Profitabilität erreichen werden. Was macht Sie so zuversichtlich, in diesem Bereich wachsen zu können?

Apotheker: Gerade weil sie stärker an ihrer Profitabilität arbeiten müssen, werden sich die Finanzdienstleister viel effizienter aufstellen als früher. Das fängt bei der IT an. Diese Notwendigkeit haben viele Finanzanbieter bereits erkannt. Beispielsweise muss das Risikomanagement transparenter und effektiver werden. Außerdem müssen Banken und Versicherungen näher an die Kunden heranrücken und kosteneffizienter arbeiten. Da kommt die SAP ins Spiel.

mm: Mitte 2010 soll "Business by Design" auf den Massenmarkt kommen - eine Unternehmenssoftware, die sich via Internet mieten lässt. Die Einführung ist schon seit Jahren geplant und hat sich immer wieder verzögert. Was stimmt Sie zuversichtlich, dass es diesmal klappt?

Apotheker: Wir schauen uns die Entwicklung permanent an. In Deutschland, den USA, Großbritannien, Frankreich, China und Indien nutzen bereits 100 ausgewählte Kunden testweise die Software. Die bisherigen Rückmeldungen sind überwiegend sehr positiv. Ich bin zuversichtlich, dass wir es im Juni oder Juli schaffen werden, das Produkt markt- und volumengerecht anzubieten. Wir glauben, dass wir mit "By Design" den Markt für Unternehmenssoftware revolutionieren werden.

mm: Welche Erlöse erhoffen Sie sich aus dem Geschäft mit "Business by Design"?

Apotheker: In diesem Jahr sind noch keine großen Umsätze zu erwarten. Mittelfristig wollen wir jedoch signifikante Erlöse mit "By Design" erzielen.

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