Hohe Betriebskosten Cloud Computing wird teuer

Unternehmen wollen ihre Daten zunehmend in die Wolke verlegen. Die Hauptmotivation der Firmenlenker lautet Kostensenkung. Doch wer auf Cloud Computing umsteigt, zahlt für den Betrieb des Rechenzentrums unter Umständen mehr als 10 Prozent drauf, wie eine Studie ergeben hat.
Von Thomas Pelkmann

München - Das Geld ist am Wichtigsten: Fast jeder zweite CIO (45 Prozent) will mit Cloud Computing vor allem Kosten senken. Das Erreichen von Wettbewerbsvorteilen folgt mit nur 31 Prozent auf Platz zwei. Doch die Überlegung der IT-Chefs kann nach hinten losgehen. Wie die Studie "Business adoption of cloud computing" des US-Marktforschers Aberdeen zeigt, zahlen manche Unternehmen bei Cloud Computing drauf.

Ursachen dafür sind Informationsmängel und Defizite im Umgang mit Cloud Computing. Das gibt in der Studie jedenfalls knapp jeder vierte (24 Prozent) von 184 Befragten zu. Die Analysten selbst merken an, es habe sich ja noch nicht einmal eine Definition von Cloud Computing etabliert. Für Aberdeen umreißt der Begriff einen Pool aus abstrahierter, hoch skalierbarer und verwalteter IT-Infrastruktur, die Kundenanwendungen vorhält und nach Gebrauch abgerechnet werden kann. Dieser Definition folgen zum Beispiel auch die Martkforscher von Forrester.

Dazu konkrete Zahlen: Im Schnitt sparen Unternehmen durch Cloud Computing 4,3 Prozent an IT-Verwaltungskosten. Zugleich steigen aber die Betriebskosten für das Rechenzentrum um 3,6 Prozent. Der Energieverbrauch verändert sich mit einem Minus von 0,3 Prozent quasi nicht.

Diese Daten dürfen jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die einzelnen Unternehmen sehr unterschiedlich abschneiden. Aberdeen weist den Studienteilnehmern drei Kategorien zu: Besonders erfolgreiche Firmen ("Best in Class", BIC), Durchschnittsfirmen ("Average") und Teilnehmer mit unterdurchschnittlichen Ergebnissen ("Laggards"). Zu den BiCs dürfen sich 20 Prozent der untersuchten Firmen zählen. 50 Prozent bilden den Durchschnitt und 30 Prozent haftet das Laggard-Label an.

Das heißt im Einzelnen: Die Klassenbesten senkten die administrativen Kosten um 17,6 Prozent - bei den Schlusslichtern stiegen sie um 9,6 Prozent. Und während die Erfolgreichen die Betriebskosten für das Rechenzentrum um 2,5 Prozent reduzierten, mussten die Laggards 12,8 Prozent mehr ausgeben. Zudem ging der Energieverbrauch des Rechenzentrums bei den Erfolgsfirmen um 15,9 Prozent zurück. Bei den Nachzüglern dagegen stieg er um 24,9 Prozent.

Die Analysten haben bei der Ursachenforschung auch übergeordnete Fragen der Firmenkultur einbezogen. Konkret: 64 Prozent der BICs haben formale Richtlinien für das Rechenzentrum erlassen und diese auch dokumentiert. Unter den Schlusslichtern sind es nur 32 Prozent. Das gilt ebenso für die Echtzeit-Beobachtung und -Analyse der Leistung von Anwendungen.

Kommunikation ist alles

Zudem arbeiten 54 Prozent der Klassenbesten im Data Centre mit energieschonenden Komponenten. Das können aber nur 25 Prozent der Laggards von sich behaupten.

Was Cloud Computing im engeren Sinn angeht, so überwachen 77 Prozent der BICs die Performance von Cloud-basierten Anwendungen und Services. Bisher haben nur 35 Prozent der Schlusslichter nachgezogen. Und während 75 Prozent der Erfolgsfirmen von vornherein eine Task Force bilden, die sich um Implementierung und Management von externen Cloud-Services kümmert, sind es unter den Nachzüglern nur 30 Prozent.

Darüber hinaus setzen die Musterfirmen deutlich stärker als der Rest des Feldes auf Kommunikation. So besprechen 64 Prozent der BICs ihre Cloud-Initiativen regelmäßig mit allen Stakeholdern (Laggards: 47 Prozent). 55 Prozent nehmen das Zusammenspiel von intern implementierter Cloud und externen Providern unter die Lupe (Laggards: 37 Prozent).

Die Analysten schreiben den organisatorischen Faktoren ebenso viel Relevanz zu wie den technischen. Sie raten daher allen CIOs, die mit Cloud Computing arbeiten wollen, eine Task Force dafür zu bilden und Cloud-Initiativen intern zu erklären und zu kommunizieren. Das erfordert die Unterstützung von der Firmenleitung.

Cloud kontrollieren

Generell pocht Aberdeen auf die Grundregel: Man kann nicht managen, was man nicht misst. Die Leistung von Cloud-basierten Anwendungen und Services muss also kontrolliert werden. Das sollte die Berechnung eines Return on Investment ermöglichen - und der wiederum erleichtert es, die Unterstützung der Geschäftsführung zu erhalten.

Aberdeen hat für die Studie "Business Adoption of Cloud Computing" 184 Unternehmen untersucht.