Arbeits-PCs Die meisten Programme sind überflüssig

Viele Programme helfen nicht viel: Von Dutzenden Anwendungen auf den Arbeitsplatzrechnern nutzt ein durchschnittlicher Mitarbeiter nur einen Bruchteil, hat eine Studie herausgefunden. Auch Laptops und Smartphones sind eher selten im Einsatz.
Von Thomas Pelkmann

München - Hard- und Softwareanbieter überbieten sich gerne mit der Aufzählung von vielen tollen neuen Funktionen ihrer Produkte. Sie versprechen: Der Gebrauch modernster Technik spart Zeit und Nerven und gestaltet den Arbeitsalltag von Managern und Mitarbeitern sehr viel angenehmer.

Die Sache hat nur einen Haken: Einer Studie des Marktforschers Forrester zufolge nutzen nur wenige Mitarbeiter tatsächlich einen nennenswerten Teil dieser modernen Technik. Die meisten würden auch mit einem spartanisch ausgestatteten Rechner auskommen. Für die Studie hat Forrester dieses Jahr mehr als 2000 US-amerikanische Mitarbeiter aus Unternehmen mit mehr als 100 Beschäftigten befragt.

Beispiel Laptops: Obwohl niemand ernsthaft die Vorteile der tragbaren Rechner bestreiten würde, arbeitet nur rund ein Drittel der amerikanischen Angestellten mit einem mobilen Gerät. Sind es in den Business Services noch 47 Prozent, fällt die Zahl in Handel und Industrie sogar auf 17 Prozent.

Für drei Viertel ist dagegen der Desktop-PC noch immer das Arbeitspferd ihrer Wahl: Fast zwei Drittel (63 Prozent) verbringen sogar vier oder mehr Stunden vor dem stationären Bildschirm. Wenn sie Glück haben, ist es wenigstens ihr eigener; immerhin ein Viertel nämlich muss sich den Arbeitsplatzrechner mit mindestens einem Kollegen teilen.

Noch düsterer sieht es bei Smartphones aus: Gerade einmal 11 Prozent der Mitarbeiter und 22 Prozent der Manager haben eins. Dabei könnte die Produktivität mit dem Gebrauch solcher Geräte dramatisch ansteigen, analysiert Forrester: 81 Prozent der Smartphone-Nutzer verwende das intelligente Handy von zuhause oder unterwegs aus. Je mehr Unternehmen ihre Firmenanwendungen für Smartphones nutzbar machten, so das Marktforschungsunternehmen, desto produktiver seien die Mitarbeiter.

Auch die Bilanz bei der Software fällt eher ernüchternd aus. Zwar gebe es Dutzende Anwendungen und Dienste auf einem durchschnittlichen Arbeitsplatzrechner. Allerdings nutzen die meisten Beschäftigten solche Programme allenfalls gelegentlich - freundlich ausgedrückt.

Nur ein Drittel der Mitarbeiter nutzt Präsentationen

Zu den Killerapplikationen gehören unangefochten E-Mail, Internet-Browser und Textverarbeitung. Mehr als die Hälfte (57 Prozent) nutzt E-Mail mindestens einmal in der Stunde. Eine qualifizierte Minderheit von immerhin 12 Prozent interessiert sich für die elektronische Post dagegen überhaupt nicht.

Vier von fünf Angestellten arbeiten mit einer Textverarbeitung. Klingt viel, ist es aber nicht, wenn man bedenkt, dass nicht einmal die Hälfte davon tatsächlich mindestens einmal in der Woche auch Dokumente erstellt. Der andere Teil liest mit Word & Co. nur. Fazit von Forrester: Für 60 Prozent der Mitarbeiter würde auch ein rudimentärer Word-Prozessor wie das Windows-Zubehör Wordpad völlig ausreichen.

Während Tabellenkalkulationen in etwa auf Augenhöhe mit der Textverarbeitung liegen, fallen Präsentationsprogramme deutlich ab: Nur ein Drittel nutzt Präsentationen, während gerade einmal 26 Prozent auch aktiv welche erstellen.

Noch schlimmer fällt zum wiederholten Male das Urteil über Collaboration-Tools aus: Instant Messaging oder Web- und Videokonferenzen fallen fast überall durch. Gerade einmal 4 Prozent nutzen täglich Webkonferenzen, und der Gebrauch von Instant Messaging stagniert bei schwachen 22 Prozent.

Auch auf den wenigen Smartphones im Gebrauch der Informationsverarbeiter dominieren E-Mail und Internet, gefolgt von Terminkalendern und mobile Textverarbeitungen. Allerdings überwiegt auch hier die passive Nutzung: 68 Prozent schauen sich von unterwegs ihre Termine an, aber nur 49 Prozent verabreden sich von draußen zu Terminen oder Meetings.

Die Zahl der Nutzer des mobilen Internets steigt aber; größere Displays und schnellere Datenverbindungen machen das möglich. Ebenso im Kommen: Der Zugriff auf Firmen-Ressourcen über mobile Datendienste. Immerhin 16 Prozent der mobilen Mitarbeiter nutzen solche Zugänge schon, Tendenz steigend.

"Es ist Zeit, dass die IT-Entscheider ihre Welt einmal aus der Sicht ihrer Mitarbeiter analysieren", rät Forrester-Analyst und Autor der Studie Ted Schadler. So wüssten Unternehmen besser über den tatsächlichen Einsatz von Technik Bescheid und könnten ihren Bedarf sehr viel genauer messen und ihre Investitionsentscheidungen verbindlicher vorbereiten.

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