Übernahme Finanzinvestor kauft Springer Science

EQT hat die größte Übernahme eines Finanzinvestors in Deutschland im Jahr 2009 gestemmt. Die schwedische Beteiligungsfirma kauft für 2,3 Milliarden Euro den weltweit zweitgrößten Wissenschaftsverlag Springer Science. Der Berliner Konzern mit seinen über 5000 Mitarbeitern sieht sich durch die Transaktion gestärkt.

Berlin - Die schwedische Beteiligungsfirma EQT übernimmt mit Hilfe aus Singapur den Wissenschaftsverlag Springer Science. Mit der Transaktion sei der Abbau sämtlicher Schulden verbunden, teilte EQT am Freitag mit. Allerdings werden die neuen Eigentümer Finanzkreisen zufolge Springer Science nach und nach die für die Übernahme aufgenommenen Milliardenkredite wieder aufbürden. Die Investoren zahlen demnach 100 Millionen bis 150 Millionen Euro an die bisherigen Eigentümer Candover und Cinven, lösen aber zugleich die Schuldenlast von 2,2 Milliarden Euro ab.

EQT übernimmt 82 Prozent, der Private-Equity-Arm von Singapurs Staatsfonds GIC die restlichen 18 Prozent. Springer Science gilt als weltweit zweitgrößter Wissenschaftsverlag hinter der niederländischen Elsevier . Der Berliner Konzern mit seinen über 5000 Mitarbeitern sieht sich durch die Refinanzierung mittelfristig auf stabile Beine gestellt.

Mit einem Gesamtvolumen von gut 2,3 Milliarden Euro ist die Transaktion die mit Abstand größte Übernahme durch Finanzinvestoren in Deutschland in diesem Jahr. Finanziert wird sie von der Deutschen Bank , Unicredit , Goldman Sachs  und Barclays . Banker sprachen von einem Kredit von gut 1,7 Milliarden Euro, die Käufer steuern demnach Eigenkapital von knapp 600 Millionen Euro bei.

In der Finanzkrise konnten Private-Equity-Häuser weltweit keine größeren Übernahmen stemmen, weil ihnen die Banken keine Kredite zur Verfügung stellten. Während die Investoren in den USA bereits wieder Milliarden-Übernahmen angekündigt haben, bleiben diese in Europa noch die Ausnahme. Der EQT-Deal zeigt, dass hierzulande trotz der Zurückhaltung der Banken die Investoren relativ günstig bereits wieder hochverschuldete Firmen übernehmen können.

Mit einem neuen Eigentümer im Rücken sind die Banken üblicherweise eher zur Neuverhandlung von Krediten bereit, wie nun im Fall von Springer Science. Der Springer-Verkäufer Candover hat nach einigen Investment-Fehlschlägen finanzielle Schwierigkeiten und muss Beteiligungen abstoßen. Die Alt-Kredite hätten nächstes Jahr refinanziert werden müssen, was Bankern zufolge schwierig geworden wäre.

EQT hat dagegen weniger Problemfälle im Portfolio und ist seit geraumer Zeit auf Einkaufstour. Die Firma, die von der Investorenfamilie Wallenberg mitgegründet wurde, ist Kreisen zufolge als eine der letzten Private-Equity-Firmen noch im Rennen um den Arzneimittelhersteller Ratiopharm dabei.

Springer Science entstand 2003 aus einem Zusammenschluss des bis dahin zu Bertelsmann gehörenden Springer Wissenschaftsverlags mit der niederländischen Kluwer Academic Publishing. Zu der Gruppe aus 60 Verlagen gehören in Deutschland unter anderem der Wissenschaftsverlag Gabler und die "Ärzte-Zeitung". 2008 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von knapp 900 Millionen Euro.

Ursprünglich hatten sich die beiden Alteigentümer für einen Minderheitsanteil an Springer Science Erlöse von einer halben Milliarde Euro erhofft. Nachdem kein Käufer auftauchte, stellten sie das komplette Unternehmen zum Verkauf. Die britische Mediengruppe Informa hatte daraufhin Interesse gezeigt, sich dann aber wieder aus dem Bieterverfahren zurückgezogen.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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