Klimaforschung Deutschland hat den Supercomputer

Er ist einer der 30 schnellsten Computer der Welt und der vermutlich stärkste Klimarechner: Bundesforschungsministerin Annette Schavan hat in Hamburg den Supercomputer "Blizzard" eingeweiht. In Zukunft will man damit vor allem regionale Klimaphänomene genauer vorhersagen.

Hamburg - "So, dann gehen wir jetzt ein bisschen rechnen, oder wie?" Annette Schavan ist bester Laune, als sie das Deutsche Klimarechenzentrums (DKRZ) betritt. Nach Studentenprotesten und Streit um Bildungsausgaben ist dieser Besuch im Hamburger Uni-Viertel einer der angenehmeren Art für die Bundesforschungsministerin: Das Institut weihte am heutigen Donnerstag offiziell den Hochleistungscomputer "Blizzard" ein, der als einer der leistungsstärksten Klimaforschungsrechner der Welt gilt. "Das ist der größte Rechner, der ausschließlich für die Klimaforschung zur Verfügung steht", sagte Schavan. "Hier wird die Musik zur Klimaforschung spielen."

Mit dem Klima, dieser Tage wohl eines der meistzitierten Worte in den Medien weltweit, lässt sich Schlagzeilen machen, und so erscheint Schavan zum offiziellen Start des Computers persönlich. Schließlich finanzierte ihr Ministerium den Prestigerechner mit 35 Millionen Euro.

Zackig durchquert die Ministerin die quietschgelben Flure des neuen Gebäudes, das eigens für die Klimaforscher und ihre Superrechenmaschine modernisiert wurde. Die Stadt Hamburg hat sich die Umbaumaßnahmen 26 Millionen Euro kosten lassen. Ein Hochsicherheitstrakt sei das Haus jedoch nicht, betont DKRZ-Geschäftsführer Thomas Ludwig. Weder Schranken noch Identitätskontrollen versperren den Weg zu Blizzard.

In der vierten Etage kündigt sich das Herz des Hauses schon von Weitem durch lautes Surren an. Blizzard wirkt auf den ersten Blick wie andere Rechenzentren auch. 24 große schwarze Rechnerkisten, sogenannte Racks, produzieren den Lärm und viel heiße Luft. Der Supercomputer Marke IBM wird statt mit Wasser mit Luft gekühlt, was einigen Damen der Schavan-Delegation einen kurzen Schrecken einjagt: Das Gebläse befindet sich im Fußboden und sorgt bei einigen Rockträgerinnen für den berühmten Marilyn-Monroe-Effekt. Glücklicherweise hat sich Frau Schavan heute für eine Hose entschieden.

Dem folgenden Zahlenreigen lauscht die Ministerin aufmerksam: Insgesamt wiegt Blizzard 35 Tonnen, in der Spitze wartet das Computersystem mit einer Leistung von 158 Billionen Rechenschritten pro Sekunde (Teraflops) auf. Zum Vergleich: Jeder Mensch der Erde müsste 20.000 Multiplikationen pro Sekunde durchführen, damit alle zusammen auf dieselbe Rechenleistung kommen.

Dadurch wird der neue Klimarechner in der Lage sein, sogar Wirbelstürme und sehr kleine Meereswirbel zu modellieren. Daneben können aber auch Prozesse im Eis, Boden und Pflanzenreich sowie deren Einfluss auf den Treibhauseffekt einbezogen werden. Vor allem regionale Klimaphänomene wollen die Forscher mit Blizzard genauer vorhersagen. Ein großer Teil der Forschungsergebnisse wird in den Berichten des Weltklimarats Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) verwendet und gehört zu den weltweit führenden Klimavorhersagen.

Auch zur Weltklimakonferenz, die zurzeit in Kopenhagen stattfindet, trägt das DKRZ wesentliche Daten bei: Ein Großteil der wissenschaftlichen Grundlagen für das Treffen stammt aus Berechnungen der Hamburger Forscher - unter anderem von Blizzard, denn der Supercomputer ging bereits im vergangenen Frühjahr an den Start.

Schavan betonte zudem die Verbindung zwischen Forschung und Politik, die immer wichtiger werde. "Selten waren Forschung und Politik so aufeinander angewiesen wie jetzt, wo es um den Klimaschutz geht." Die berechneten Klimaprognosen seien ein großer Schub für die Klimaforschung - "und damit auch für die Politik."