Megaprojekt 400.000 neue Jobs für 40 Milliarden Euro

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle hat angekündigt, dass Deutschland in den nächsten zehn Jahren 40 Milliarden Euro in den Ausbau des schnellen Internets stecken werde. Schon in den kommenden fünf Jahren könnten in der Branche 400.000 zusätzliche Arbeitsplätze in Deutschland entstehen, glaubt der BDI. Jetzt will die Bundesregierung eine IT-Strategie aus einem Guss entwickeln.

Stuttgart - Die Bundesregierung will den Ausbau der Breitbandnetze mit Nachdruck vorantreiben. Ein Investitionsvolumen von rund 40 Milliarden Euro werde dafür zur Verfügung gestellt, kündigte Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) am Dienstag in der sogenannten "Stuttgarter Erklärung" auf dem IT-Gipfel an. Nach Angaben des Ministers will die Bundesregierung bis zur Sommerpause eine einheitliche Strategie für Projekte und den Umgang mit der Informations- und Kommunikationstechnologie vorlegen.

Durch den Breitbandausbau entstehe bis zum Jahr 2020 über alle Branchen europaweit rund eine Millionen Arbeitsplätze, erklärte Brüderle unter Berufung auf eine Studie. Nach Einschätzung des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) könnten allein in Deutschland bis Ende 2014 rund 400.000 neue Jobs geschaffen werden. "Die erfolgreiche Einbindung von Informations- und Kommunikationstechnologien in Industrie und Gesellschaft entscheidet über unsere Zukunftsfähigkeit", betonte BDI-Präsident Hans-Peter Keitel.

Der Chef von Europas führendem Softwarehersteller SAP, Léo Apotheker, forderte bessere Rahmenbedingungen für Forschung und Innovation. Außerdem müssten die Ergebnisse der Leuchtturmprojekte marktfähig gemacht werden. Nur dann könne Deutschland auch im IT- Sektor weiter Exportweltmeister sein.

Als Jobmotor könne die Branche drohende Arbeitsplatzverluste anderer Branchen mehr als ausgleichen, sagte Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) am Dienstag auf dem vierten nationalen IT-Gipfel. "Wir brauchen gerade jetzt den Erfolg der Branche, um erfolgreich zu sein." Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) forderte eine neue Vertrauensbasis zwischen Staat und Internetnutzer und warb für mehr Sicherheit im Netz.

Bislang seien vor allem private Firmen für die Sicherheit im Internet verantwortlich, erklärte de Maizière. Ohne eine maßgebliche Rolle des Staates werde es jedoch auch für die privaten Nutzer keine freie und allgemein sichere Kommunikation im Netz geben. Es gebe den Generalverdacht, der Staat wolle alle Netznutzer überwachen, hob der CDU-Politiker hervor. Auf der anderen Seite müsse klargemacht werden, dass auch das Internet nicht ohne Regeln funktioniere.

Mit einem nach Angaben der Planer europaweit einzigartigen Projekt will die Bundesregierung die PC-Sicherheit erhöhen und der Virenlast auf privaten Computern den Kampf ansagen. In der ersten Jahreshälfte 2010 sollen PC-Nutzer auf die Hilfe einer Beratungsstelle zurückgreifen dürfen, mit der sie ihre Rechner daheim von Computerviren befreien können. Das erfuhr die Nachrichtenagentur dpa aus Kreisen der Projektplaner. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und der Verband der deutschen Internetwirtschaft (eco) wollten das Vorhaben vorstellen.

Dem Projektentwurf zufolge haben Internetzugangsanbieter längst die technische Möglichkeit, vireninfizierte Rechner bei ihren Kunden auszumachen. Laut Plan sollen die Firmen ihre Kunden auf die Viren hinweisen - etwa per Post oder Telefon. Angedacht ist auch eine Internetseite, die sich bei jeder Einwahl ins Netz automatisch aufbaut, falls auf dem Rechner Viren lauern.

Die Projektplaner schätzen, dass in Deutschland bis zu einem Viertel aller Rechner mit Viren infiziert ist. Es gebe allein 60.000 Neuinfektionen jeden Monat. Kriminelle schleusen die Viren über das Internet auf die Rechner und öffnen sich so ein Tor für Verbrechen - etwa, indem sie online das Bankkonto plündern oder den Rechner per Fernsteuerung für den Versand krimineller Massen-E-Mails nutzen. Ziel ist es, Deutschland aus den Top Ten der Länder zu bekommen, von deren PCs Netzkriminalität ausgeht.

Herzstück der bundesweiten Beratungsstelle soll ein Call-Center sein. Zunächst jedoch sollen die Besitzer infizierter Rechner im Internet eine Seite mit Reinigungsprogrammen ansteuern, die die Viren ausmerzen. Wenn dieser Schritt erfolglos ist, soll das Call-Center per Telefon eine Anleitung zur Virenbekämpfung geben.

Der Branchenverband Bitkom hatte jüngst ausrechnen lassen, dass jeder zweite deutsche Internetnutzer schon einmal Opfer von Kriminalität im Netz geworden ist. Die meisten hatten es dabei mit Computerviren oder anderen schädlichen Programmen zu tun. Die Zahl der sogenannten Phishing-Fälle, bei denen Kriminelle Passwörter für das Onlinebanking abfangen, soll dieses Jahr um gut 50 Prozent steigen. Von etwa elf Millionen Euro Gesamtschaden wird ausgegangen - die Tendenz sei weiter steigend.

Wirtschaftsminister Brüderle rief die deutschen Firmen mit Blick auf die Ergebnisse des ersten "Monitoring-Report Deutschland Digital" dazu auf, ihre IT-Produkte und Innovationen besser im internationalen Markt positionieren. Nach der von der Bundesregierung in Auftrag gegebenen Studie liegt der Standort Deutschland lediglich im Mittelfeld der weltweit 15 führenden Informations- und Kommunikationstechniknationen. An der Spitze stehen die USA vor Japan und Südkorea.

Nach einer anderen Studie könnte die deutsche Industrie bis 2020 rund ein Viertel ihres CO2-Ausstoßes mit Hilfe intelligenter Software einsparen. Das wären 207 Millionen Tonnen weniger als in diesem Jahr, heißt es in der Studie "Smart 2020 Deutschland". Der IT-Sektor sei nur zu einem geringem Teil an den Emissionen des klimaschädlichen CO2 beteiligt, könne aber anderen Industriezweigen wie der Verkehrs-, Logistik- und Energiebranche beim Klimaschutz helfen.

manager-magazin.de mit Material der dpa

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