Ballast auf dem PC So wird der Rechner wieder flott

Wenn der Computer schon beim Hochfahren lahmt, sollte man als erste Maßnahme die Festplatte aufräumen. Oft wirken überflüssige Programme als Systembremsen. Hier sind Tipps von Experten, wie man den Rechner schnell auf Touren bringen kann.

München - Wenn der Computer beim Hochfahren ewig braucht, sind Anwender schnell genervt. Aber schuld sind sie oft selbst, denn überfüllte Festplatten oder versteckte Programme sind unnötiger Ballast für den PC. Wer seine Festplatte aufräumt, kann eine Beschleunigung von bis zu 15 Prozent erreichen.

Eine typische Systembremse sind Programme, die automatisch mit dem Betriebssystem starten. Bei Virenscannern ist das sinnvoll, sagt Markus Hermannsdorfer von der Computerzeitschrift "Chip" in München. Office-Anwendungen oder Mediaplayer wie Quicktime oder WinAmp etwa hätten im Autostart-Ordner dagegen nichts zu suchen. Die meisten Programme sollten erst aktiviert werden, wenn sie tatsächlich benötigt werden.

"Wenn zu viele Anwendungen beim Hochfahren des Rechners mitgeladen werden, verlängert sich der gesamte Vorgang", erklärt Thomas Baumgärtner von Microsoft in München. Mit der Windows-Anwendung "msconfig" können die Autostart-Programme überprüft werden. Selten oder gar nicht benötigte Programme können so vom automatischen Starten abgehalten werden.

Registry-Cleaner räumen gründlich auf

Aber nicht alle Programme legen ein Symbol im Autostart-Ordner ab, schreiben aber einen Wert in die Registry, die zentrale Datenbank des Betriebssystems, wodurch diese unbemerkt aufgebläht wird. Mit Hilfe von Registry-Cleaner genannten Programmen lassen sich unnötige Programme entfernen, erläutert Hermannsdorfer. Gut geeignet sei etwa der kostenlose "Crap Cleaner".

Lohnenswert ist zudem eine Überprüfung der Systemdienste, die in der Systemsteuerung einsehbar sind. Auch hier lässt sich der PC entschlacken: "Nicht alle Dienste sind unbedingt notwendig", sagt EDV-Dozent Ralf Härter. Werden sie dauerhaft deaktiviert, entlastet das den Computer. Wer hinsichtlich einer bestimmten Funktion unsicher ist, sollte diesen Dienst allerdings besser nicht abschalten.

Eine weitere Bremse sind defekte oder schlecht programmierte Hardware-Treiber: Versucht das System, auf sie zuzugreifen, entstehen laut Baumgärtner sogenannte Timeout-Prozesse, die mit Wartezyklen verbunden sind. "Sie bremsen nicht nur das System, sondern können Windows sogar abstürzen lassen", warnt Hermannsdorfer. Abhilfe schaffe ein Treiber-Update, das sich per Mausklick im Windows-Gerätemanager schnell durchführen lässt.

Brandneue Grafikkarten können das System bremsen

Verwendet werden sollten zudem nur zertifizierte Treiber, rät Hermannsdorfer. Außerdem sei es nicht immer sinnvoll, die aktuellsten PC-Komponenten anzuschaffen, da sie vielfach mit halbfertigen Treibern geliefert werden. "Eine brandneue Grafikkarte im älteren Rechner macht das System eher langsamer, da der Treiber den PC ausbremst."

Besser sei ein etwa ein Jahr altes Modell, das preiswerter sei und bei dem mögliche Probleme meist schon behoben seien. Vorsicht gilt auch bei der mitgelieferten Treibersoftware, von der laut Härter ein Großteil gar nicht gebraucht werde. Vor allem Bonussoftware könne meist wieder deinstalliert werden.

Auch eine stark fragmentierte Festplatte kann die Arbeitsprozesse des Rechners verlangsamen. "Bei Programminstallationen speichert das Windows-Dateisystem die Daten der Anwendung in kleinen Fragmenten verteilt auf die Festplatte", erklärt Hermannsdorfer. Beim anschließenden Programmstart muss Windows die Teilstücke auf der Festplatte suchen. "Je mehr Programme man installiert, desto länger dauert die Suche."

Da sich im Laufe der Zeit immer mehr Daten ansammeln und Applikationen wie Spiele oder Filme die Festplatte füllen, müsse diese gelegentlich defragmentiert, also neu angeordnet werden. Unter Windows XP könne dafür entweder das Windows-Tool "defrag.exe" oder ein sogenannter Defraggler verwendet werden. In Vista und Windows 7 läuft die Defragmentierung dagegen permanent im Hintergrund. "Hier müssen sich Anwender um nichts mehr kümmern und brauchen auch keine zusätzlichen Tools mehr."

Andreas Thieme, dpa