GFT-Chef Dietz "Deutsche IT ist nur Mittelmaß"

Deutschlands IT-Unternehmen schmoren nach Einschätzung von GFT-Chef Ulrich Dietz zu sehr im eigenen Saft: "Das ist ein Riesenproblem", kritisiert der Manager kurz vor Beginn des 4. Nationalen IT-Gipfels. Nur wenn die Branche mehr Gewicht im Ausland bekomme, könnten ein stärkeres Wachstum erreicht und Jobs geschaffen werden.

Stuttgart - "Viele mittelständische Firmen denken zu sehr in regionalen Grenzen. Das ist ein Riesenproblem", sagte Ulrich Dietz, CEO des IT-Dienstleisters GFT Technologies , in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa kurz vor dem 4. Nationalen IT-Gipfel am kommenden Dienstag in Stuttgart.

"Deutschland ist nicht die führende IT-Nation in der Welt", erklärte Dietz. "Wir sind eher Mittelmaß. Führend sind die USA und Israel." Grund ist nach Einschätzung des Experten, "dass wir aus Deutschland heraus nicht in der Lage waren, internationale Produkte zu entwickeln." Es gebe nur eine Hand voll Firmen wie die Walldorfer SAP , die Darmstädter Software AG  und GFT, die international breit aufgestellt sind.

Als wichtigste Felder für die nächsten Jahre nannte Dietz, der beim Branchenverband Bitkom für die Auslandsaktivitäten zuständig ist, E-Mobility, E-Energy und E-Gouvernement. Gerade bei der Vernetzung von Fahrzeug mit der Straße gebe es ein riesiges Potenzial. Auch die weltweite Integration von Stromnetzen werde in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren eine große Rolle spielen.

"Die Konzepte dafür liegen in den Schubladen", betonte der Chef des Stuttgarter Unternehmens. "Es fehlt nur die Umsetzung." Nach Einschätzung von Dietz könnten auf diesem Weg Tausende von Arbeitsplätzen entstehen. Die Zahl der Beschäftigten in der deutschen IT-Branche bezifferte er derzeit auf knapp eine Million. "Es gibt aber Potenzial für eine Verdoppelung."

"Die Bundesregierung muss beim IT-Gipfel in Stuttgart Signale setzen und genügend Leuchtturmprojekte definieren, die wir dann international vorzeigen können", fordert der Manager.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) werden zu dem Treffen in der baden-württembergischen Landeshauptstadt am Dienstag erwartet. Dazu wollen IT-Topmanager wie der Chef des Walldorfer Softwarekonzerns SAP, Léo Apotheker, und der Präsident des Branchenverbands Bitkom, August-Wilhelm Scheer, auftreten.

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