Samstag, 18. Januar 2020

ADC Night of Honour Gala der besten Werber

Zum fünften Mal hat der Art Directors Club die Besten der deutschen Werbebranche ausgezeichnet. Das manager magazin ehrte bei der festlichen Gala den Sieger des Kreativ-Index, Jung von Matt, als Agentur des Jahres. manager-magazin.de präsentiert zudem die vollständige Rangliste der besten deutschen Kreativen.

Berlin - Frank-Michael Schmidt, Chef der Werbeagentur Scholz & Friends, tippt ein paar Mal auf seinem iPhone herum, schon erfährt er über ein Programm, das seinen Standort erkannt hat, dass er sich im ehemaligen Reichspostmuseum befindet, einem der ersten Museen für Technikgeschichte weltweit. Ein Beispiel für die moderne Form von Kommunikation, deren Meister der Art Directors Club (ADC) vor rund zweihundert prominenten Gästen aus Politik, Wirtschaft und Medien auszeichnete.

Der ADC, tonangebender Berufsverband der wichtigsten Werber und Werbeagenturen Deutschlands, ehrte bei der festlichen Gala im Berliner Museum für Kommunikation den Kunden und die Agentur des Jahres. Ausgezeichnet wurde der Limonadenerfinder Peter Kowalsky, der mit seiner Bionade eine Erfolgsstory mit Saft aus Früchten hinlegte, deren Namen (Holunder, Quitte) bis dahin kaum noch einer kannte.

Engagierter Botschafter: Zum Ehrenmitglied ernannte der ADC Christoph Schlingensief, der jedoch verhindert war. Statt seiner schickte er den Architekten Francis Kéré (rechts neben ADC-Präsident Sebastian Turner), der die versammelte Werber- und Wirtschaftsselite aufrief, Schlingensiefs Projekt für Afrika zu unterstützen.
Grünen-Fraktionsvorsitzende Renate Künast lobte diese Leistung als herausragendes Beispiel für typisch mittelständischen Unternehmermut - und freute sich "als Mutter des Bio-Siegels" auch über die diversen Nachahmer. Diese Freude mochte Brauerei-Chef Kowalsky zwar nicht so recht teilen, war aber gleichwohl entzückt über die Auszeichnung, die er gleichzeitig als Würdigung der Arbeit seiner Agentur Kolle Rebbe sah sowie seiner ausdauernden Gärungsversuche in der heimischen Badewanne, wofür es, so Kowalsky, neben einer Menge Unternehmergeist "auch eine Frau braucht, die das alles aushält".

Die Auszeichnung als Agentur des Jahres überreichte manager-magazin-Chefredakteur Arno Balzer an Armin Jochum, Kreativ-Geschäftsführer der Agentur Jung von Matt. Ein geübter Akt: Jung von Matt erhielt die Auszeichnung zum dritten Mal in Folge. Balzer hob in seiner Laudatio die besondere Leistung der Kreativen hervor, weil ihnen dieser Hattrick trotz drastisch reduziertem Budget für die Teilnahmegebühren bei den weltweit wichtigsten Reklame-Wettbewerben gelungen war. Dennoch heimste Jung von Matt auch in diesem Jahr wieder die besten Auszeichnungen im Branchenvergleich ein und setzte sich so abermals an die Spitze des Kreativ-Index von manager magazin.

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manager magazin
Heft 12/2009

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Weitere Details zum "Kreativ-Index 2009" sowie Porträts der drei meistprämierten deutschen Reklameschmieden lesen Sie im aktuellen manager magazin 12/2009 ab Seite 80.

Zum Ehrenmitglied ernannte der ADC den Künstler, Regisseur und Buchautor Christoph Schlingensief, gewählt durch das Mehrheitsvotum sämtlicher ADC-Mitglieder. Der Künstler konnte den Preis wegen einer laufenden Generalprobe nicht selbst entgegennehmen. Er schickte statt seiner den afrikanischen Architekten Francis Kéré auf die Bühne, der einen flammenden Appell an die versammelte Werber- und Unternehmenselite richtete, Schlingensiefs ganz persönliches Projekt für Afrika zu unterstützen.

Schlingensief will in Burkina Faso ein so genanntes Operndorf errichten, in dem die Menschen mit Theatern, Probebühnen, Werkstätten und Schulen Kunst gestalten und erleben sollen. ADC-Vorstand Sebastian Turner, offenkundig ein persönlicher Freund und Förderer dieser Idee, nutzte die Gunst der Stunde, um Schlingensief die per Handyvideo-Botschaft erbetene Hilfe zuteil werden zu lassen: Star-Werber Jean-Remy von Matt erklärte sich spontan bereit, den Internetauftritt (www.festspielhaus-afrika.com) für das Operndorf zu gestalten.

Und weil Turner bei soviel Zuspruch rasch auf Touren kam, verpflichtete er ("Ich weiß, das erfüllt den Tatbestand der Nötigung") gleich noch den Fotografen Christian von Alvensleben die Fotos für den Webauftritt des Afrika-Projekts beizusteuern. Von Alvensleben wurde für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Zu seinen bekanntesten Fotos gehört "Der Sonnenschein", das 1972 entstandene Bild einer dicken Frau mit Sonnenschirm am Strand, ein Werbemotiv für den Filmhersteller Fuji. Seine ersten Fotos machte von Alvensleben als Elfjähriger mit einer Kodak-Box-Kamera aus einem US-Care-Paket.

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